Bilanzskandal in Italien zwingt BT Group zu Gewinnwarnung

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London – Ein Bilanzskandal in Italien kommt den britischen Telekomkonzern BT Group teuer zu stehen. Weitergehende Untersuchungen hätten ergeben, dass die Bilanzen der italienischen Tochter in weit grösserem Umfang aufgebläht wurden als gedacht, teilte der Konzern am Dienstag mit. Mit 530 Millionen britischen Pfund (614 Mio Euro) fallen die notwendigen Abschreibungen mehr als dreimal so hoch aus als ursprünglich angenommen. Die Erwartungen an Umsatz und Gewinn für das laufende Jahr musste BT zurückschrauben. Die Aktie stürzte an der Londoner Börse auf den tiefsten Stand seit 2008.

BT Group hatte bei der Vorlage der Halbjahresbilanz Ende Oktober eingeräumt, dass es Unregelmässigkeiten in Italien gegeben hat. Seinerzeit war der Konzern aber noch von 145 Millionen Pfund Abschreibungsbedarf ausgegangen. Neue Untersuchungen brachten nun ein komplexes Geflecht von Fehlbuchungen bei Umsätzen, Einkäufen, beim Factoring sowie bei Leasing-Transaktionen an Licht. Über Jahre hinweg seien Gewinne falsch dargestellt worden, gestand BT.

«Wir sind zutiefst enttäuscht», sagte Vorstandschef Gavin Patterson. Der Konzern habe aber sofort reagiert und die Kontrollen verschärft. Etliche Manager wurden entlassen, darunter auch der bisherige Chef der Italien-Tochter. Sein Nachfolger soll Anfang Februar die Arbeit aufnehmen.

Aktie stürzt ab
Die BT-Aktie rutschte am Dienstag um bis zu 19 Prozent ab. Marktexperte Neil Wilson von ETX Capital sprach von einem «schwarzen Tag» für die Papiere der BT Group. Die Furcht, dass die neuesten Enthüllungen noch nicht das Ende sein könnte, treibe die Investoren aus den Aktien. Wilson sieht nun auch die von den Briten in Aussicht gestellten Rückflüsse in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Aktionäre in Gefahr. Nicht gut am Markt an kam zudem der Hinweis von BT, dass sich das Geschäft in der Heimat abschwächt.

Der Konzern will am 27. Januar über das dritte Quartal berichten. Umsatz und operatives Ergebnis (bereinigtes Ebitda) werden aber nun durch die Abschreibungen um jeweils 120 Millionen Pfund geschmälert. Seine Jahresprognosen kann BT daher nicht halten. So wird im Jahr 2016/17 (Ende März) der bereinigte Umsatz nicht wie geplant steigen, sondern stagnieren. Das Ebitda dürfte nur noch 7,6 Milliarden Pfund (zuvor: 7,9) erreichen. Für 2017/18 geht der Konzern dann von einer Stagnation bei Umsatz und Ergebnis aus.

An seiner Ausschüttungspolitik will der einstige staatliche Telefonmonopolist nicht rütteln. Weiterhin ist eine Erhöhung der Dividende je Aktie um mindestens 10 Prozent vorgesehen. Im laufenden Jahr will der Konzern zudem gut 200 Millionen Pfund in den Rückkauf eigener Aktien stecken.

BT Group ist gerade dabei, sich als Breitband- und Mobilfunk-Anbieter neu zu erfinden. Der Konzern übernahm im vergangenen Jahr den Mobilfunker EE, der ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und der französischen Orange war. Seit dem Deal ist die Telekom Grossaktionär bei den Briten, da ein Teil des Kaufpreises in Aktien geflossen war. Die Bonner hielten zuletzt rund 12 Prozent. (awp/mc/ps)

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