Boeing müht sich weiter aus der Dauerkrise

Kelly Ortberg

Boeing-CEO Kelly Ortberg. (Foto: Boeing)

Arlington – Der US-Flugzeugbauer Boeing ist nach schweren Krisenzeiten überraschend gut ins Jahr gestartet. Nachdem der Konzern im ersten Quartal so viele Flugzeuge auslieferte wie seit Anfang 2019 nicht mehr, verbrannte er mit 1,45 Milliarden US-Dollar (1,2 Mrd Euro) weniger Geld als gedacht. Im Gesamtjahr soll der Barmittelzufluss nach dem Plan von Konzernchef Kelly Ortberg wieder klar positiv ausfallen.

Im abgelaufenen Quartal erzielte Boeing einen Umsatz von gut 22,2 Milliarden Dollar – 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und auch mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Unter dem Strich stand ein Verlust von lediglich noch 7 Millionen Dollar nach 31 Millionen ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Auch hier hatten Experten mit einem schlechteren Ergebnis gerechnet.

Sechs Verlustjahre in Serie
Boeing hat seit 2019 sechs Verlustjahre in Folge hinter sich. 2025 kehrte der Konzern zwar in die schwarzen Zahlen zurück, doch dies verdankte er nur dem milliardenschweren Verkauf einer Sparte. Für 2026 hat Boeing erneut keine Gewinnprognose abgegeben. Allerdings will Ortberg in diesem Jahr einen positiven Barmittelfluss zwischen 1 und 3 Milliarden Dollar erreichen.

Nach den Abstürzen zweier Mittelstreckenjets vom Typ Boeing 737 Max in den Jahren 2018 und 2019 hatten Luftfahrtbehörden in aller Welt Flugverbote für den meistgefragten Passagierjet des Konzerns verhängt. Nach technischen Verbesserungen durften die Maschinen der Reihe seit Ende 2020 zwar wieder abheben, doch Probleme mit Passagierjets ebenso wie in Rüstung und Raumfahrt warfen den Konzern immer wieder zurück.

Da hatte Boeing den Rang des weltgrössten Flugzeugherstellers schon an seinen Rivalen Airbus aus Europa verloren. Während Boeing sich mit der Behebung hausgemachter Fehler herumschlug, enteilte der Dax-Konzern dem einstigen Branchenprimus immer weiter.

Nachdem eine Boeing 737 Max Anfang 2024 im Flug ein türgrosses Rumpfteil verloren hatte, stellte die US-Luftfahrtbehörde FAA den Hersteller unter strenge Aufsicht. Schliesslich trat auch der zunächst als Retter berufene Boeing-Chef Dave Calhoun ab und überliess die Führung Kelly Ortberg. Inzwischen baut Boeing nach eigenen Angaben monatlich wieder 42 Mittelstreckenjets der 737-Reihe, nachdem die FAA die zwischenzeitliche Beschränkung gelockert hat.

777X soll endlich in die Lüfte
Ortberg will nun inzwischen die um sieben Jahre verspätete Neuauflage des Grossraumjets 777 endlich fertig bekommen, der 777X. Die Neuauslieferung des ersten Exemplars der Variante 777-9 wurde zwischenzeitlich auf 2027 verschoben, und die Deutsche Lufthansa wartet sehnlichst auf ihre vor langem bestellten Maschinen des Typs.

2027 sollen nun auch die längste und kürzeste Variante der 737 Max erstmals ausgeliefert werden. Boeing hatte die Max 7 und die Max 10 infolge der Abstürze und verschärfter technischer Anforderungen zurückstellen müssen, sodass die Maschinen erst im laufenden Jahr ihre Zulassung erhalten sollen. In Europa hat vor allem der Billigflieger Ryanair eine stattliche Zahl der 737-Max-10-Jets bestellt. (awp/mc/pg)

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