Weltweite Krisen: Deutsche Wirtschaft schrumpft

Deutschland

Wiesbaden – Nach einem rasanten Jahresstart muss die deutsche Wirtschaft einen Rückschlag einstecken. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erstmals seit Anfang 2013. Das BIP sank im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. «Dabei dürfte allerdings auch die extrem milde Witterung mit kräftigen Zuwachsraten zum Jahresbeginn eine Rolle gespielt haben.» Zuletzt hatte es nach neu berechneten Zahlen im ersten Quartal 2013 (minus 0,4 Prozent) einen Rückgang der Wirtschaftsleistung gegeben.

Die deutsche Konjunktur bekam damit den von vielen Volkswirten erwarteten Dämpfer. Zudem korrigierten die Statistiker die Wachstumsrate für das erste Quartal leicht nach unten von 0,8 Prozent auf 0,7 Prozent. Damals profitierte etwa die Baubranche vom milden Winter.

Krisenherde sorgen für Verunsicherung
Nun sorgten die zahlreichen Krisenherde rund um den Globus für Verunsicherung, insbesondere der Russland-Ukraine-Konflikt und die Entwicklung im Nahen Osten. Dem konnte sich die Exportnation Deutschland nicht völlig entziehen. «Die wohl rückläufigen Ausrüstungsinvestitionen weisen auf erste Bremsspuren aufgrund der geopolitischen Krisen hin», sagte Konjunkturexperte Simon Junker vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Unter dem Strich bleibe die Wachstumsdynamik aber intakt.

«Man sollte nicht jede Spitze sogleich hochjubeln, wenn es nach oben geht, oder zu Tode betrübt sein, wenn es mal nach unten geht», warnte der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Christoph M. Schmidt, im «ARD-Morgenmagazin». «Das Gesamtbild ist immer noch, dass Deutschland auf einem breiten Fundament sein Wachstum momentan fussen lässt.»

Wachstumsbeschleunigung erwartet
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bestätigte die jüngst gesenkte Prognose, wonach die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr um 1,7 Prozent zulegen sollte. Das Wachstum im zweiten Halbjahr dürfte höher ausfallen. Auch Ökonomen des Bankhauses Lampe halten Sorgen vor einem Konjunkturabsturz aktuell für übertrieben. Die deutschen Verbraucher und die Bauinvestitionen dürften sich unbeeindruckt von der Geopolitik zeigen.

Die Exporte stiegen nach Angaben des Bundesamtes im Vorquartalsvergleich weniger stark als die Importe, daher wirkte sich der wichtige Aussenbeitrag negativ auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung aus. Zudem fiel die sonst übliche Frühjahrsbelebung nach dem aussergewöhnlich starken Jahresauftakt schwächer aus. Der Konsum entwickelte sich weiter positiv.

Neue Regeln
Erstmals wendet das Bundesamt die neuen europäischen Regeln zur Berechnung des BIP an. Damit steigern zum Beispiel auch Drogenhandel, Zigarettenschmuggel und der Kauf von Panzern die Wirtschaftsleistung.

Im Ergebnis wird für Deutschland eine um rund drei Prozent höhere Wirtschaftsleistung erwartet – wobei sich der Effekt auf die Wachstumsraten in sehr engen Grenzen hält. Die neuen Regeln sind ab dem 1. September für die EU-Staaten verbindlich. An diesem Tag will das Bundesamt detaillierte Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlichen. (awp/mc/upd/ps)

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