Berlin – Zwei renommierte Wirtschaftsinstitute in Deutschland kritisieren den ab heute geltenden Tankrabatt für Autofahrer und -fahrerinnen als falsch. «Dass viele Autofahrer die hohen Spritpreise als grosse Belastung empfinden, ist nachvollziehbar», teilte etwa der Chef des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, auf Anfrage mit. «Der Tankrabatt ist darauf jedoch nicht die richtige Antwort.» Er bewirke eine Umverteilung zugunsten der Vielfahrer mit grossen Autos.
«Darunter sind viele, die sich die hohen Preise leisten können und bei denen es nicht zu rechtfertigen ist, dass zu ihren Gunsten Lasten umverteilt werden», betonte Fuest. Wenn die Politik bestimmte Gruppen entlasten wolle, etwa Berufspendler mit langen Arbeitswegen, sollte sie das mit zielgenaueren Instrumenten tun, etwa mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale.
«Hinzu kommt, dass der Tankrabatt nur begrenzte Wirkung hat. Bei 1.000 Kilometern im Monat und 6 Litern Verbrauch spart man 10 Euro pro Monat.» Gesamtwirtschaftlich entstünden aber mit 2,5 Milliarden Euro spürbare Kosten. Dieses Geld könne besser eingesetzt werden, teilte Fuest weiter mit.
DIW sieht Massnahme ebenfalls kritisch
Ähnlich äusserte sich auch Experte Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): «Am meisten profitieren diejenigen, die viel und mit grossen Autos fahren – in der Regel Haushalte mit höheren Einkommen», teilte er mit. «Haushalte ohne Auto erhalten keine Entlastung und müssen die Massnahme mitfinanzieren.»
In Zeiten der Knappheit erfüllten hohe Preise zudem eine Funktion, ergänzte Duso. Sie signalisierten Verbraucherinnen und Verbrauchern, sparsamer zu fahren und den Raffinerien, mehr zu produzieren. «Wenn man entlasten will, dann direkt und zielgenau, nicht über den Preis.»
Der sogenannte Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. In diesem Zeitraum soll die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Die Mehrwertsteuer eingerechnet, ergibt sich an der Zapfsäule eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter.
Bundestag und Bundesrat brachten diese Senkung vor dem letzten September-Wochenende auf den Weg. Bereits im Frühjahr hatte es einen zweimonatigen Tankrabatt gegeben. (awp/mc/ps)
