Wirtschaft in Eurozone überraschend robust

Eurozone

(Bild: WimL - Fotolia.com)

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Luxemburg – Die Wirtschaft im Euroraum hat mit einem soliden Wachstum und mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit 2011 überrascht. Experten warnen allerdings nach den Zahlen des Statistikamts Eurostat vom Freitag vor übertriebener Euphorie. Dafür spricht auch, dass die Inflation im gemeinsamen Währungsraum wieder in den negativen Bereich gerutscht ist. Für die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Signale durchwachsen. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hält weitere geldpolitische Lockerungen derzeit für nicht angebracht.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone hat laut Eurostat im ersten Quartal 2016 gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent zugelegt. Volkswirte hatten nur mit 0,4 Prozent gerechnet. Im Vorquartal hatte das Wachstum noch bei 0,3 Prozent gelegen. Eurostat hat die Wachstumsdaten erstmals früher als bisher veröffentlicht. Die Daten wurden 30 Tage nach dem Ende des Quartals gemeldet. Bisher hatte es eine Frist von 45 Tagen bis zur Veröffentlichung gegeben.

Moderates Wachstum
Experten bewerten die Zahlen positiv, für Euphorie sehen sie aber keinen Grund. «Vor Jubelstürmen sei gewarnt», sagt Christoph Weil, Experte bei der Commerzbank. Die guten Zahlen seien unter anderem auf den einmaligen Effekt des milden Winters zurückzuführen. Vor allem im Bausektor wirkt sich ein mildes Wetter positiv aus. Zudem könnten mit einem Ende der niedrigen Ölpreise und der Euroschwäche künftig zwei wichtige Faktoren wegfallen, die bislang die Wirtschaft im Euroraum gestützt haben, meint Jonathan Loynes, Experte vom Londoner Forschungsunternehmen Capital Economics.

Die Reaktionen an den Finanzmärkten auf die Daten fielen verhalten aus. Der Euro bewegte sich kaum. Auch die Börsen und die Anleihemärkte zeigten sich unbeeindruckt.

Niederigste Arbeitslosiglkeit seit 2011
Das solide Wachstum geht mit einer Verbesserung am Arbeitsmarkt einher. Im März ist die Arbeitslosenquote laut Eurostat um 0,2 Prozentpunkte auf 10,2 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2011 gefallen. In absoluten Zahlen fiel die Arbeitslosigkeit im März zum Vormonat um 226 000 auf 16,437 Millionen. Auch hier sehen Experten das Glas aber eher halb leer als halb voll. Es dürfe nicht aus dem Blick geraten, dass die Arbeitslosigkeit zwar im Trend abnehme, sich aber immer noch auf hohem Niveau befinde, sagte Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Von den Euroländern verzeichnete Deutschland mit 4,2 Prozent nach der europäischen Berechnungsmethode die niedrigste Arbeitslosenquote. Die höchsten Quoten haben Griechenland (jüngste Daten vom Januar: 24,4 Prozent) und Spanien mit 20,4 Prozent.

Inflation wieder negativ – Praet: Kein Grund für Zinssenkungen
Trotz der wirtschaftlichen Erholung ist die Teuerungsrate im April wieder in den negativen Bereich gefallen. Die Verbraucherpreise sind laut Eurostat im Jahresvergleich um 0,2 Prozent gesunken, nachdem sie im März noch stagniert hatten. Nach wie vor wird die Inflation durch günstige Energiepreise stark gebremst. Allerdings ging auch die Kernrate der Inflation zurück, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Energie, Nahrungs- und Genussmittel ausgeklammert werden.

Die Daten vom Freitag geben den Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenläufige Signale. Einerseits entwickelt sich die Wirtschaft robust. «Angesichts des zwölften Wachstumsquartals in Folge stellt sich die Frage nach der Angemessenheit einer super-expansiven Geldpolitik seitens der EZB», sagte Experte Umlauf. Andererseits setzt die ungewöhnlich schwache Teuerung die Notenbanker unter Druck, da sie eigentlich eine Inflation von knapp zwei Prozent anstreben, bei der sie Preisstabilität für gewährleistet ansehen. Zuletzt hatte die EZB im März die Geldschleusen im Kampf gegen die zu schwache Inflation weiter geöffnet.

Der EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hält jedenfalls derzeit weitere Zinssenkungen in der Eurozone nicht für angebracht. «Die Negativzinsen können nicht unbegrenzt weiter gesenkt werden», sagte Praet in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der spanischen Zeitung «Expansion».

Frankreich und Spanien im Aufwind
Am Freitag wurden neben den Zahlen zum gesamten Euroraum auch die nationalen Daten zum Wirtschaftswachstum in Frankreich und Spanien veröffentlicht. Die spanische Wirtschaft setzt ihren kräftigen Aufschwung ungebremst fort. In Frankreich ist die Wirtschaftsleistung stärker als erwartet gewachsen. (awp/mc/ps)

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