Für welchen Kurs entscheiden sich die Demokraten?

Jon Osoff wird immer wieder als Hoffnungsträger der Demokraten und möglicher Präsidentschaftsanwärter gehandelt. (electjon.com)

Washington – Die Demokraten sind im Siegestaumel. Ihre Anhänger feiern den Erfolg gegen die Republikaner von Präsident Donald Trump bei den US-Parlamentswahlen. Lange können sich die Blauen aber nicht darauf ausruhen, denn die Erwartungen sind gefühlt ins Unermessliche gestiegen. Und in der eigenen Partei gibt es viele Baustellen zu beseitigen, wenn sie den Schwung der Midterms für den Anlauf zur Präsidentschaftswahl 2028 nutzen wollen.

Wie viel linke Politik soll es sein?
Noch im Wahlkampf überschattete die Debatte die parteiinternen Vorwahlen, wie links demokratische Politik sein darf. Während sich in Wisconsin der moderatere Kandidat David Crowley durchsetzte, machte in Michigan der Parteilinke Abdul El-Sayed das Rennen. Die Parlamentswahlen hätten gezeigt, dass ein linkes Profil kein Hindernis für Wahlerfolge sei, sagt Laura von Daniels, US-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).

Demokraten wie Republikaner in den USA sind ein breites Zweckbündnis mit vielen verschiedenen Strömungen. Demokratische Politiker wie Michigans frühere Gouverneurin Gretchen Whitmer oder der aktuelle Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, repräsentieren einen gemässigteren Kurs. Der linke Flügel mit Vertretern wie Alexandria Ocasio-Cortez und El-Sayed steht dagegen für umfassende Sozialreformen. Ihre Positionen wie eine allgemeine gesetzliche Krankenversicherung oder Investitionen in den Klimaschutz werden in den USA oft als radikal wahrgenommen.

Expertin warnt vor Flügelkämpfen
Wie stark linke Politik die Demokraten künftig beeinflussen wird, dürfte nach Einschätzung der Politologin Cathryn Clüver Ashbrook eine wichtige Frage werden. Sie gibt mit Blick auf die Präsidentschaftswahl in zwei Jahren zu bedenken, dass Flügelkämpfe ein Problem werden könnten. Zwar seien die Democratic Socialists of America (DSA) – eine deutlich links positionierte Strömung, die Einfluss auf die Partei ausüben will – noch die Minderheit unter Demokraten. Zugleich müsse sich die Partei die Frage stellen, ob ein Generationenwechsel gelingen könnte.

SWP-Expertin von Daniels geht davon aus, dass der interne Machtkampf noch zunehmen wird. Die DSA seien «Bereicherung und Belastung» zugleich, fasst USA-Experte Josef Braml zusammen: «Sie mobilisieren vor allem jüngere Wähler und geben sozialen Themen Nachdruck. Zugleich liefern sie den Republikanern eine Angriffsfläche, um die gesamte Partei als sozialistisch und weltfremd darzustellen.»

Ebenso wichtig: Die Frage, welches Verhältnis die Demokraten zu Israel pflegen wollen. Es gibt im linkeren Flügel sehr kritische Stimmen zur Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und zu US-Waffenlieferungen. Die Auseinandersetzung in der Partei darüber wird die nächsten Monate mitbestimmen.

Wer das Zeug zum Präsidenten hätte
Spätestens vor der Präsidentschaftswahl dürfte erneut die Frage aufflammen, ob die Demokraten auf linkere Ansätze oder die moderatere Mitte setzen. Zu den spannendsten Namen für mögliche Präsidentschaftskandidaten, die gehandelt werden, zählen:

Andere derzeit im Rampenlicht stehende Politiker hält USA-Experte Braml nur bedingt für geeignet. Der neue Senator von Texas, James Talarico, müsse sich auf Bundesebene erst bewähren. El-Sayed dürfte wegen seiner linken Positionierung grössere Schwierigkeiten haben, in den gesamten USA Anhänger zu finden. «Die Demokraten haben viele Talente, aber noch keine überzeugende Führungsfigur», fasst er zusammen.

Wird Donald Trump erneut zum wichtigsten Wahlhelfer?
Bei der Frage, wie die Demokraten 2028 erfolgreich sein könnten, dürfte auch Trump eine wesentliche Rolle spielen. Mit seiner aggressiven Zollpolitik und dem unbeliebten Iran-Krieg trieb er die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Die grosse Unzufriedenheit mit dem Regierungsstil des 80-Jährigen war ausschlaggebend dafür, dass die Republikaner selbst bei Rennen unterlagen, wo ihnen grössere Erfolgsaussichten eingeräumt wurden als der Konkurrenz.

Ob Trump in den kommenden zwei Jahren mit dem Kongress zusammenarbeitet oder doch nur weiter an diesem vorbeiregiert, dürfte die Ausgangslage für die nächste Wahl massgeblich prägen.

Macht der Demokraten ist begrenzt
Die Vorteile ihrer neuen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus können die Demokraten erst mit Verzug ausspielen. Die neue Legislaturperiode beginnt erst Anfang Januar. Und es ist fraglich, wie viel von ihrer Agenda die Demokraten dann tatsächlich durchsetzen können. Zum einen setzt die prekäre Finanzlage der USA Grenzen – zum anderen kann Trump Gesetzesvorhaben per Veto blockieren. (awp/mc/pg)

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