Gezielter Schlag der Behörden gegen Korruption bei der FIFA

FIFA-Hauptsitz

FIFA-Hauptsitz in Zürich.

Zürich – Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl ist die FIFA ins Visier der Justiz geraten. Mit der Verhaftung teils hochrangiger Funktionäre in Zürich gerät der Weltfussballverband noch tiefer in den Korruptionssumpf. Präsident Sepp Blatter, der für eine fünfte Amtszeit kandidiert, dürften die neuesten Entwicklungen indes nicht zum Schaden gereichen.

Sieben teils hochrangige FIFA-Funktionäre sind am Mittwoch in Zürich wegen Bestechungsverdachts festgenommen worden. Gleichzeitig stellte die Bundesanwaltschaft am FIFA-Hauptsitz in Zürich mehrere Dokumente sicher. Grund für die zweite Aktion waren «Unregelmässigkeiten» bei der WM-Vergabe an Russland und Katar.

Um die Verhaftung der Funktionäre hatten die USA im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens ersucht, wie das Bundesamt für Justiz (BJ) mitteilte. Dieses liess deshalb die Verdächtigten durch die Kantonspolizei Zürich festnehmen. Zudem liess das BJ verschiedene Bankkonten in der Schweiz sperren, über die Bestechungsgelder geflossen sein sollen.

Unter den Verhafteten befinden sich mit Eugenio Figueredo und Jeffrey Webb auch zwei der acht FIFA-Vizepräsidenten. Von der Justiz unbehelligt bleibt der langjährige FIFA-Präsident Sepp Blatter.

Blatter begrüsst Aktionen
Unabhängig davon ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei. Dabei geht es um die Vergaben der Fussball-WM 2018 in Russland und 2022 in Katar, wie sie bekanntgab.

Das Strafverfahren in der Schweiz geht auf eine Anzeige der FIFA vom vergangenen November zurück. Wegen Verdunkelungsgefahr wurden die Verhaftungen in Zürich und die Beschlagnahmungen von Dokumenten am FIFA-Hauptsitz am Mittwochmorgen gleichzeitig durchgeführt.

FIFA-Präsident Sepp Blatter äusserte sich am Mittwochabend schriftlich zu den Ereignissen. «Wir begrüssen die Massnahmen und Untersuchungen der amerikanischen und Schweizer Behörden», hiess es in einer Mitteilung.

Diese stärkten die Massnahmen, welche die FIFA zur Beseitigung von Rechtsverstössen im Fussball bereits ergriffen habe. Das FIFA-Ethikkomitee habe die Funktionäre, die im Visier der Behörden stünden, vorläufig von jeglichen in Zusammenhang mit Fussball stehenden Aktivitäten ausgeschlossen.

Sechs der sieben Betroffenen widersetzen sich der Auslieferung
Die sieben in der Schweiz festgenommenen Funktionäre wurden noch am Mittwoch durch die Kantonspolizei Zürich angehört. Lediglich einer von ihnen signalisierte Bereitschaft für eine vereinfachte Auslieferung.

Das Bundesamt für Justiz wird nun die USA auffordern, innert der vom bilateralen Auslieferungsvertrag vorgesehenen Frist von 40 Tagen ein formelles Auslieferungsersuchen zu stellen. Sobald diese Gesuche eingetroffen seien, werde das Auslieferungsverfahren weitergeführt.

Deliktsumme über 150 Millionen Dollar
Das US-Justizministerium ermittelt insgesamt gegen 14 Personen wegen organisiertem Verbrechen und Korruption. Sie sollen seit Anfang der 1990er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fussballturnieren erhalten haben. 110 Millionen Dollar sollen allein für Vermarktungsrechte für die Copa America 2016 in den USA geflossen sein.

«Sie haben das weltweite Fussballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern», sagte US-Justizministerin Loretta Lynch an einer Pressekonferenz in New York. «Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier.» Lynch kündigte an, die Korruption im Weltfussball rigoros bekämpfen zu wollen.

Die Straftaten seien in den USA vorbereitet und abgesprochen worden, schrieb das BJ unter Berufung auf das Verhaftsersuchen der US-Behörden. Zudem seien Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden. Durchsucht wurde am Mittwoch in Miami auch das Hauptquartier des nord- und mittelamerikanischen Dachverbandes.

Neun der Beschuldigten im US-Verfahren sind oder waren FIFA-Funktionäre, fünf weitere Chefs von Sportmarketing-Firmen. Ihnen werden organisiertes Verbrechen, Betrug, Geldwäscherei und Bestechung vorgeworfen. Wie das Department of Justice (DOJ) mitteilte, drohen ihnen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren.

Schweizer Banken als Drehscheibe
Während die Verhaftungsaktion im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac lief, stellte die Bundesanwaltschaft am FIFA-Hauptsitz Computerdaten und Dokumente sicher. Die FIFA war gemäss Mitteilung bei der Aushändigung der Dokumente behilflich.

Die Strafuntersuchung der Bundesanwaltschaft richtete sich nach deren Angaben gegen Unbekannt. Es bestehe der Verdacht, dass es bei den Vergaben für die FIFA-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar zu «Unregelmässigkeiten» gekommen sei.

Im Anschluss an die Sicherstellung der Akten am FIFA-Hauptsitz sollten zehn Personen einvernommen werden. Diese seien als Mitglieder des Executive Committee 2010 an der Wahl zur WM-Vergabe von 2018 und 2022 beteiligt gewesen.

Zudem geht die Bundesanwaltschaft davon aus, dass Gelder via Schweizer Banken gewaschen wurden. Bereits vorgängig wurden deshalb bei verschiedenen Finanzinstituten in der Schweiz entsprechende Bankunterlagen angefordert.

FIFA sieht sich als Geschädigte
Die FIFA bezeichnet sich selbst als Geschädigte und Initiatorin der Aktion der Bundesanwaltschaft. Man habe alles Interesse an einer Aufklärung der Vorwürfe, sagte FIFA-Mediensprecher Walter de Gregorio an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Der Kongress und die Präsidentenwahl fänden wie vorgesehen in den kommenden Tagen statt.

Der europäische Fussballverband UEFA forderte am Abend die Verschiebung der für Freitag geplanten Präsidentenwahl. «Die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die FIFA und beschädigen das Image des Fussballs», teilte der von Sepp Blatters Gegenspieler Michel Platini präsidierte Verband unter dem Titel «Die UEFA zeigt dieser FIFA die rote Karte» mit.

Wegen des bevorstehenden FIFA-Kongresses halten sich derzeit zahlreiche FIFA-Funktionäre sowie Medienleute aus aller Welt in Zürich auf. Sepp Blatter wird dort für eine fünfte Amtszeit kandidieren. Die Chancen des Wallisers auf eine Wiederwahl stehen gut. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien. (awp/mc/upd/ps)

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