IWF-Chefin erneut stundenlang von Korruptionsermittlern vernommen

Christine Lagarde

Christine Lagarde, Direktorin IWF. (Bild: IWF / Flickr)

IWF-Direktorin Christine Lagarde. (Bild: IWF / Flickr)

Paris – Die IWF-Chefin Christine Lagarde hat sich erneut stundenlang den Fragen von Ermittlern zu einer Affäre um die mutmassliche Veruntreuung öffentlicher Mittel stellen müssen. Die 58-Jährige wurde am Mittwoch am französischen Gerichtshof der Republik in Paris vernommen. Dabei sollte die Chefin des Internationalen Währungsfonds auch mit möglicherweise belastenden Aussagen ihres früheren Büroleiters konfrontiert werden.

Lagarde war dazu am Morgen bei der Justizbehörde erschienen. Nach Ende der Vernehmung sagte Lagarde in Paris am Abend vor Journalisten, sie habe stets im Interesse des Staates gehandelt und Gesetze eingehalten. Ähnlich hatte sie auch nach ihrer Vernehmung im Mai 2013 reagiert. Sie habe ihre früheren Aussagen bestätigt, sagte Lagarde.

Ermittler verdächtigen Lagarde, sie könne in ihrer Zeit als französische Wirtschaftsministerin (2007-2011) regelwidrig eine Entschädigungszahlung von rund 400 Millionen Euro an Bernard Tapie ermöglicht haben. Der Geschäftsmann hatte sich von der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais beim Verkauf seiner Anteile am deutschen Sportartikelhersteller Adidas geprellt gesehen und deswegen geklagt.

Anhörung als «verdächtige» Zeugin
Weil die Ermittler nur schwache Indizien für eine Beteiligung Lagardes an einer Straftat haben, wird die seit 2011 an der Spitze des IWF stehende Französin in dem Verfahren als verdächtige Zeugin gehört. Ein Anklageverfahren läuft gegen Tapie (71) sowie den Chef des französischen Telefonriesen Orange, Stéphane Richard (52).

Richard war zum damaligen Zeitpunkt Büroleiter Lagardes. Er sollte am Mittwoch gemeinsam mit Lagarde befragt werden, weil es zwischen den Aussagen der beiden Differenzen geben soll.

Nach Ansicht der Ermittler hätte es Schiedsgerichtsverfahren und Entschädigungszahlung nicht geben dürfen. Sie gehen von einem organisierten Betrug aus. Als brisant gilt der Fall auch, weil Tapie im Präsidentschaftswahlkampf 2007 den siegreichen Kandidaten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte. Wie Lagarde bestreiten Tapie und Richard die Vorwürfe.

Über den Verlauf der Vernehmung machten die Ermittler keine Angaben. Der Exekutivrat des IWF hat bereits mehrfach sein Vertrauen in Lagardes Fähigkeit ausgedrückt, weiterhin ihre Aufgaben wahrnehmen zu können. (awp/mc/ps)

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