Rothschild Report: Schwächelndes China

Dirk Wiedmann

Dirk Wiedmann.

Von Dirk Wiedmann Head of Investments & CIO Rothschild Wealth Management

Zürich – Wir beurteilen die Aussichten für die chinesische Volkswirtschaft zunehmend skeptisch, auch wenn wir momentan noch der Ansicht sind, dass China eine weiche Landung gelingen wird. Die Verantwortlichen verfügen nach wie vor über erheblichen Spielraum für geld- und fiskalpolitische Massnahmen und haben zudem in der Vergangenheit bewiesen, dass sie die Wirtschaft effektiv zu steuern vermögen.

Das chinesische BIP hat sich im bisherigen Jahresverlauf verlangsamt und ist im dritten Quartal auf seinen niedrigsten Wert seit 2009 gesunken. Mit 9.1 Prozent ist es allerdings immer noch robust. Andere, kurzfristigere Konjunkturindikatoren deuten in eine ähnliche Richtung und legen nahe, dass sich das Wachstum zwar abschwächt, ein starker Abschwung jedoch noch nicht unmittelbar bevorsteht. Vereinzelte Hinweise aus der Wirtschaft zeichnen dagegen ein völlig anderes Bild als die offiziellen Statistiken.

Exportabhängigkeit, exzessive Kreditvergabe und steigende Immobilienpreise
So registrieren beispielsweise die deutschen Exportunternehmen seit einigen Monaten einen deutlichen Rückgang der Aufträge aus China. Wir stehen China mittlerweile nicht mehr ganz so zuversichtlich gegenüber. Verschiedene grössere Probleme wurden immer noch nicht angegangen, so z. B. die chinesische Exportabhängigkeit und die enge Kausalkette aus exzessiver Kreditvergabe, sprunghaft steigenden Immobilienpreisen und verschwenderischen Infrastrukturinvestitionen, die für Probleme im Banken- und im Schattenbankensystem gesorgt haben.

China spielt eine wesentliche Rolle im weltweiten Wachstumsgefüge und entscheidet über Wachstum oder Nicht-Wachstum. In den nächsten zehn Jahren wird das Land für schätzungsweise rund ein Drittel des weltweiten BIP-Zuwachses verantwortlich sein. Hinweise auf eine harte Landung wären daher äusserst negativ für die Weltwirtschaft und würden unsere langfristigen Wachstumsprognosen vollständig entwerten. Neben der weltweit schwachen Wirtschaftsentwicklung und den uneinheitlichen makroökonomischen Signalen spricht nun auch die zunehmende Vorsicht China gegenüber für ein Festhalten an unserer defensiven Vermögensallokation.

Den Rothschild-Monatsreport finde Sie hier…

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