Selenskyj drängt auf eigene Produktion für Patriot-Raketen

Präsident Wolodymyr Selenskyj. (Foto: president.gov.ua)

Kiew – Nach dem massiven russischen Angriff mit mehr als 30 Toten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew drängt Präsident Wolodymyr Selenskyj auf eine eigene Produktionsstätte für Patriot-Raketen. Um wirklich Leben schützen zu können, brauche die Ukraine eine eigene Produktion, sagte Selenskyj in einer abendlichen Videobotschaft. Er sprach von einer europäischen Produktion in der Ukraine oder mit Partnern gemeinsam und stellte den USA in diesem Fall auch Unterstützung bei Einsätzen in Aussicht.

Der Westen hatte der Ukraine für die Flugabwehr Waffen wie US-amerikanische Patriot-Systeme oder die deutschen Iris-T-Komplexe geliefert. Doch die Raketen für solche Flugabwehrsysteme sind teuer und rar. Durch den von US-Präsident Donald Trump begonnenen Iran-Krieg ist das Defizit an solchen Raketen noch grösser geworden. Selenskyj hofft darauf, dass die USA der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen in Lizenz erlauben.

Das ukrainische Verteidigungsministerium bezeichnete die Abwehr ballistischer Raketen in einer Mitteilung aufgrund des Mangels an Raketen für die Patriot-Systeme als zentrale Herausforderung. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow habe sich bereits an fast 40 Partnerländer der Ukraine gewandt, und um die Lieferung von Patriot-Raketen aus deren Beständen noch in diesem Monat im Austausch gegen vereinbarte künftige Lieferungen gebeten.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Bei einer massiven Attacke wurden in der Nacht auf Donnerstag in Kiew nach Behördenangaben mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt.

Tote und Verletzte nach neuen Drohnen- und Raketenangriff
Bei einem Drohnenangriff in der Nacht auf Freitag kamen in Romny im nordukrainischen Gebiet Sumy sind nach Behördenangaben vier Menschen ums Leben. Das russische Militär habe ein Mehrfamilienhaus attackiert, teilte der Chef der Militärverwaltung in Sumy, Oleh Hryhorow, mit. Bei den Opfern handle es sich um einen alten Mann, zwei Frauen und kleines Kind – «ein Mädchen, das noch nicht einmal zwei Jahre alt war». Drei weitere Personen seien verletzt worden.

Ausserdem wurden bei einem Raketenangriff auf die ukrainische Grossstadt Krywyj Rih im Gebiet Dnipropetrowsk sieben Menschen verletzt. Zwei Frauen würden weiterhin im Krankenhaus behandelt, teilte der städtische Chef des Verteidigungsrats, Olexander Wilkul, am Morgen nach dem Angriff bei Telegram mit. «Nach neuesten Informationen wurden neun Wohnblocks, ein Schulgebäude, ein Unternehmen und mehrere Geschäftsobjekte, Garagen und zehn Fahrzeuge beschädigt», schrieb er. Zwei Wohnblocks seien von der Gasversorgung abgeschnitten. (awp/mc/pg)

Exit mobile version