Tui will wieder stärker ins Massengeschäft – Kunden buchen später

Start einer Boeing 737 Max 8 von Tui.

Hannover – Der Reisekonzern Tui will künftig wieder stärker ins Geschäft mit günstigeren Pauschalreisen einsteigen. «Ich war immer dafür, eine Zweitmarke zu haben», sagte Konzernchef Sebastian Ebel am Dienstag vor Beginn der Generalversammlung in Hannover.

Im Auge hat der Manager eine «Abverkaufsmarke» für günstigere Angebote, um das Geschäft mit der höherpreisigen Hauptmarke Tui und deren Gewinne zu schützen. Konkretes dazu solle es binnen drei bis sechs Monaten geben, sagte der Manager in einer Videokonferenz mit Journalisten.

Ebels Vorgänger Fritz Joussen hatte die frühere Markenvielfalt bei Tui kräftig zusammengestrichen. So flaggte er etwa das Geschäft von Thomson in Grossbritannien und von 1-2-Fly in Deutschland auf die Hauptmarke Tui um, die vor allem für höherwertige Reisen gestanden hatte.

Auch derzeit ist Tui mit Hotel- und Clubmarken wie Riu und Robinson vor allem im teureren Segment positioniert. In diesem Bereich ist das Wachstum aber begrenzt, zumal Urlaube in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden sind.

Nachfrage nach günstigeren Reisen
Zusätzliche Nachfrage sieht Tui bei günstigeren Reisen, zumal wichtige Konkurrenten wie Thomas Cook/Neckermann und FTI in den vergangenen Jahren in die Pleite gerutscht und vom Markt verschwunden sind. «Im Budget-Segment sind wir deutlich unterrepräsentiert», sagte Ebel.

Dabei gehe es ihm nicht allein um Masse, und er will auch nicht zurück zum früheren Markenwirrwarr. Die neue Vertriebsmarke solle mit niedrigen Kosten wirtschaften und auf jeden Fall Gewinn abwerfen, erklärte der Manager.

Unterdessen buchen die Kunden ihre Reisen weiterhin recht spät, was die Planbarkeit für den Reiseanbieter erschwert. Für die wichtige Sommersaison zeichnet sich bei den Pauschalreisen von Tui trotz steigender Preise derzeit ein Umsatzrückgang um zwei Prozent ab.

Weniger Kontingente gekauft
Für den Winter hatte Tui bereits weniger Hotel- und Flugkontingente fest eingekauft, um sie nicht am Ende mit hohen Rabatten losschlagen zu müssen. Im Pauschalreisegeschäft zählte das Unternehmen aus Hannover im ersten Geschäftsquartal bis Ende Dezember daher nur 3,7 Millionen Urlauber und damit zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Konzernweit wuchs die Zahl der Tui-Gäste zwar um gut zwei Prozent auf 7,1 Millionen. Doch dies lag vor allem an den Kreuzfahrten und den Ausflügen sowie Veranstaltungen vor Ort.

Die Events an den Urlaubsorten bringen dem Konzern nur einen Bruchteil des Umsatzes einer kompletten Urlaubsreise ein. Dadurch konnte Tui trotz einer gestiegenen Urlauberzahl den Umsatz nicht steigern: Der Erlös stagnierte bei knapp 4,9 Milliarden Euro.

Ebit gesteigert
Finanziell zahlte sich die Strategie für Tui aus, denn der Konzern startete so gut ins Winterhalbjahr wie nie zuvor. War das reiseschwache erste Geschäftsquartal bis Ende Dezember früher meist defizitär, steigerte Tui den bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) diesmal um gut die Hälfte auf 77 Millionen Euro.

Auf die Aktionäre entfiel unter dem Strich ein Verlust von knapp 44 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte das Minus noch rund doppelt so hoch gelegen. Auch die Nettoverschuldung sank – nämlich um eine halbe Milliarde auf rund 3,6 Milliarden Euro.

Hurrikan wirkte sich aus
Zu spüren bekam Tui die Zerstörungen durch Hurrikan «Melissa» auf Jamaika im Oktober. Der Konzern musste seine dortigen Hotels der Ketten Riu und Royalton vorübergehend schliessen, was das operative Ergebnis um 10 Millionen Euro drückte.

Hinzu kam eine Belastung in Höhe von 6 Millionen Euro, etwa durch Flugausfälle infolge des Wirbelsturms. Auch im zweiten Geschäftsquartal bis Ende März rechnet Tui noch mit Folgen des Hurrikans.

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September erwartet Tui-Chef Ebel weiterhin einen währungsbereinigten Umsatzanstieg um zwei bis vier Prozent. Der bereinigte operative Gewinn soll im Vergleich zum Vorjahr währungsbereinigt um sieben bis zehn Prozent wachsen.

Zudem will der Vorstand die Kosten im Veranstaltergeschäft um rund 250 Millionen Euro senken, vor allem bei den allgemeinen Kosten. Bisher sei Tui dabei auf einem «sehr guten Weg», sagte Ebel.

Aktie sinkt
Für den Aktienkurs ging es am Dienstag dennoch um viereinhalb Prozent auf 8,93 Euro nach unten. Allerdings war er tags zuvor erst auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert. Dabei hatten die Papiere allein seit Anfang November rund 38 Prozent an Wert gewonnen.

Bei der Generalversammlung in Hannover treffen die Aktionäre erstmals seit der Corona-Pandemie wieder persönlich mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Tui zusammen. Die Krise hatte das Geschäft der Touristikbranche wegen der weltweiten Reisebeschränkungen im Jahr 2020 zeitweise vollständig zum Erliegen gebracht. Tui und andere Reiseunternehmen und Airlines entgingen nur dank immenser staatlicher Hilfen der Pleite.

Inzwischen hat sich Tui wieder berappelt. Die Anteilseigner sollen am Dienstag die erste Dividendenzahlung seit der Corona-Krise beschliessen: Je Aktie ist eine Ausschüttung von 10 Cent geplant. (awp/mc/ps)

Tui Group

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