Washington – Der Arbeitsmarktbericht in den USA ist im April stärker als erwartet ausgefallen. Die Beschäftigtenzahl legte deutlicher als erwartet zu. Der Anstieg der Stundenlöhne blieb hingegen etwas hinter den Prognosen zurück, während die Arbeitslosenquote auf einem niedrigen Niveau verharrte.
Ausserhalb der Landwirtschaft legte die Beschäftigtenzahl um 115.000 zu, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 65.000 neuen Stellen gerechnet. Der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten wurde allerdings um insgesamt 16.000 Stellen nach unten revidiert.
«Jobs wurden einmal mehr vor allem im Dienstleistungssektor geschaffen, und zwar vor allem da, wo der Mensch gefordert ist», schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. «Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ersetzt hingegen in anderen Dienstleistungsbereichen den Menschen, was sich in einem Jobabbau niederschlägt.» In der Informationstechnologie sei die Beschäftigung um 11 Prozent gesunken. «Dies zeigt wie einschneidend die Künstliche Intelligenz auf dem Arbeitsmarkt bereits ist», schreibt Gitzel.
Die Arbeitslosenquote verharrte auf 4,3 Prozent. Volkswirte hatten dies im Schnitt erwartet. Die Löhne stiegen etwas schwächer als erwartet. Gegenüber dem Vormonat legten sie um 0,2 Prozent zu. Volkswirte hatten im Schnitt einen Anstieg von 0,3 Prozent erwartet. Im Vormonat hatte das Lohnplus ebenfalls bei 0,2 Prozent gelegen. Im Jahresvergleich stiegen die Löhne im April um 3,6 Prozent. Hier war ein Plus von 3,8 Prozent erwartet worden.
Der Arbeitsmarkt ist neben der Inflationsentwicklung entscheidend für die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Commerzbank-Experte Christoph Balz erwartet nach dem Bericht keine baldige Leitzinssenkung. Die Mitglieder der Fed dürften sich in ihrer mehrheitlich gehaltenen Einschätzung bestätigt sehen, dass der Arbeitsmarkt im Moment das geringere Problem ist. «Dagegen verfehlt die Fed ihr Inflationsziel seit fünf Jahren, und die steigenden Energiepreise sorgen aktuell für einen weiteren Teuerungsschub», schreibt Balz. «Es ist daher erst gegen Jahresende mit einer Zinssenkung zu rechnen, auch wenn sie von Präsident Trump immer wieder gefordert wird.» (awp/mc/pg)
