Mit Blick auf das Niveau des ifo‑Geschäftsklimaindex hätte es schlimmer kommen können. Doch die entscheidenden Signale stecken wie so oft im Detail. Die befragten Unternehmen blicken deutlich pessimistischer nach vorn als noch im März. Der Index der Geschäftserwartungen fällt von 85.9 auf 83.3.
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Damit erreicht er den niedrigsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren. Die Hoffnung auf eine Trendwende hat sich schnell verflüchtigt. Es gilt: Wie gewonnen, so zerronnen. Kaum zeigen sich erste zarte Knospen, macht der Iran‑Krieg dem Aufschwung einen Strich durch die Rechnung.
Die gestiegenen Energiepreise belasten die Wirtschaft auf mehreren Ebenen. Der private Konsum leidet spürbar, denn Haushalte müssen einen grösseren Teil ihres verfügbaren Einkommens an der Tankstelle ausgeben. Für andere Ausgaben bleibt entsprechend weniger Spielraum.
Auch die Unternehmen stehen unter Druck. Sie sehen sich höheren Energiekosten gegenüber. Zugleich herrscht grosse Unsicherheit über die weitere Entwicklung in den kommenden Wochen, was die Investitionsplanung erheblich erschwert.
Viele Unternehmen verschieben Entscheidungen oder verzichten ganz auf neue Projekte. Das bremst die Konjunktur zusätzlich.Stützend wirken staatliche Aufträge für Rüstung und Infrastruktur. Dieser fiskalische Impuls hält die Wirtschaft zumindest über Wasser.
Ohne diese Nachfrage aus dem öffentlichen Sektor wäre das konjunkturelle Bild deutlich düsterer. (VP Bank/mc)
