Alain Beyeler, CEO Finpact, im Interview

Alain Beyeler

Alain Beyeler, CEO der Finpact AG. (Foto: zvg)

Alain Beyeler, CEO von Finpact, über die Generation 50+, die teuersten Anlagefehler und warum weder App noch Bankberater allein genügen.

Moneycab.com: Herr Beyeler, die meisten Vermögensverwalter richten sich an alle Kundengruppen. Weshalb haben Sie sich bewusst auf die Generation 50+ spezialisiert?

Alain Beyeler: Weil sich ab 50 die Aufgabe des Geldes grundlegend verändert. Es geht nicht mehr nur um Vermögensaufbau. Es geht darum, ein über Jahrzehnte aufgebautes Vermögen sicher, effizient und sinnvoll durch den nächsten Lebensabschnitt zu führen. Genau dafür wurde Finpact gebaut. Nicht als weiterer Anbieter mit standardisierten Anlagelösungen für alle, sondern als spezialisierte Vermögensverwaltung für Menschen, deren finanzielle Entscheidungen ab jetzt eine andere Tragweite haben.

Welche Themen stehen im Fokus?

In dieser Lebensphase werden drei Themen zentral: die steigende Lebenserwartung, der Schutz der Kaufkraft und die menschlichen Verhaltensfehler. Wer mit 35 einen Fehler macht, hat meist noch Jahrzehnte Erwerbseinkommen vor sich. Wer mit 60 falsch entscheidet, hat weniger Zeit, diese Entscheidung wieder zu korrigieren.

Viele Banken segmentieren nach Vermögen. Wir segmentieren nach Lebenssituation. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Geld jemand hat, sondern welche Aufgabe dieses Geld in den nächsten 20, 30 oder 40 Jahren erfüllen muss. Darauf richten wir unsere Prozesse, unsere Beratung und unsere Portfolios konsequent aus.

«Viele Banken segmentieren nach Vermögen. Wir segmentieren nach Lebenssituation. Das ist ein fundamentaler Unterschied.»
Alain Beyeler, CEO Finpact

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat diese Altersgruppe aus Ihrer Sicht für die Schweiz?

Eine sehr grosse. Die Generation 50+ gehört zu den vermögendsten demografischen Gruppen der Schweiz. Gleichzeitig kommt immer mehr Kapital in Bewegung. Allein 2024 wurden bei der Pensionierung 17,1 Milliarden Franken als Kapital bezogen, im Schnitt rund 280’000 Franken pro Person. 45 Prozent der Versicherten entschieden sich ausschliesslich für den Kapitalbezug statt für eine Rente. Die Summe der Kapitalbezüge hat sich über rund zehn Jahre etwa verdoppelt. Das ist mehr als eine Vorsorgezahl. Es ist eine strukturelle Verschiebung. Die Schweiz verlagert immer mehr Anlagerisiko von Institutionen auf Privatpersonen.

Früher wurde ein grosser Teil dieses Vermögens von Pensionskassen verwaltet: mit Anlageausschüssen, Reglementen, Risikobudgets und professionellen Prozessen. Heute liegt diese Verantwortung immer häufiger bei einzelnen Menschen. Sie werden faktisch zu ihren eigenen Pensionskassen-Managern. Das ist Freiheit. Aber es ist auch eine enorme Verantwortung. Genau an dieser Stelle setzt Finpact an: Wir übersetzen institutionelle Anlageprinzipien in eine Form, die für Privatpersonen ab 50 verständlich, zugänglich und persönlich begleitet ist.

Was unterscheidet die Bedürfnisse eines 55-Jährigen grundlegend von denen eines 35-jährigen Anlegers?

Die Funktion des Vermögens. Mit 35 baut man Vermögen auf. Rückschläge sind unangenehm, aber meist korrigierbar. Man hat Einkommen, Zeit und viele Erwerbsjahre vor sich. Mit 55 ist die Ausgangslage anders. Das Vermögen soll nicht nur wachsen. Es soll Sicherheit geben, Kaufkraft erhalten, spätere Entnahmen ermöglichen und oft auch die nächste Generation mitdenken. Gleichzeitig bleibt der Anlagehorizont länger, als viele annehmen. Wer mit 55 investiert, kann für einen Teil des Vermögens noch einen Horizont von 25 oder 30 Jahren haben. Damit wird Inflation zu einem echten Gegner. Wer zu defensiv investiert, schützt sich vielleicht vor kurzfristigen Schwankungen, verliert aber über die Jahre an Kaufkraft. Das grösste Risiko ab 50 ist deshalb nicht einfach der nächste Börsenrückgang. Das grössere Risiko ist, dass das Geld seine Aufgabe nicht erfüllt. Unsere Arbeit beginnt genau dort. Wir fragen zuerst nach Lebenssituation, Zeithorizont, Entnahmen, Risikofähigkeit und Sicherheitsbedürfnis. Danach kommt die Strategie. Erst am Schluss das konkrete Portfolio.

«Das grösste Risiko ab 50 ist deshalb nicht einfach der nächste Börsenrückgang. Das grössere Risiko ist, dass das Geld seine Aufgabe nicht erfüllt.»

Viele Menschen verfügen zwischen 50 und 65 Jahren erstmals über grössere frei verfügbare Vermögen – etwa durch Erbschaften, Kapitalbezüge aus der Pensionskasse oder den Verkauf einer Immobilie. Werden gerade in dieser Phase besonders viele Anlagefehler gemacht?

Ja, eindeutig. Gerade in dieser Phase. Viele Menschen kommen plötzlich zum ersten Mal mit einer substanziellen Summe Geld in Kontakt. Nicht mit einem Sparplan, nicht mit einem kleinen Depot, sondern mit einem Vermögen, das den nächsten Lebensabschnitt prägen kann. Damit verändert sich die Verantwortung. Eine einfache und günstige App kann helfen, rasch ein Depot und ein Portfolio zu eröffnen. Genauso rasch können aber Fehler entstehen, die sich später kaum noch korrigieren lassen: zu viel Risiko, zu wenig Streuung oder ein Portfolio, das man in einer schwierigen Marktphase emotional nicht durchhält. Dazu kommen die klassischen Verhaltensfehler. Besonders die Verlustaversion. Ein Buchverlust tut weh, auch wenn er nur auf dem Papier besteht. Viele verkaufen dann genau im falschen Moment, weil sie diesen Schmerz beenden wollen. Aus einer vorübergehenden Schwankung wird ein definitiver Verlust.

Auf der anderen Seite stehen klassische Banken, deren Lösungen häufig standardisiert und kostenintensiv sind. Das Problem ist dabei nicht nur der Preis. Es ist die Logik dahinter. Viele Lösungen beginnen beim Produkt: bei einem Fonds, einem strukturierten Produkt oder einer Risikoklasse. Für Menschen ab 50 ist das häufig zu ungenau. Die eigentliche Herausforderung ist nicht der fehlende Zugang zur Geldanlage. Zugang gibt es heute genug. Die Herausforderung ist fehlende Orientierung. Finpact beginnt deshalb nicht beim Produkt, sondern bei der Aufgabe des Geldes. Was muss sicher bleiben? Was darf wachsen? Was wird später entnommen? Und wie verhindert man, dass kurzfristige Emotionen langfristige Entscheidungen beschädigen? Diese Reihenfolge ist entscheidend: Lebensphase zuerst. Strategie danach. Produkt zuletzt.

Welche Fragen beschäftigen Ihre Kundinnen und Kunden am meisten: Rendite, Sicherheit, Inflation, Nachlassplanung oder die Angst, dass das Geld im Alter nicht reicht?

Sicherheit steht meist an erster Stelle. Danach kommt sehr schnell die Frage, welche Rendite realistisch ist und welches Risiko dafür notwendig ist. Viele Menschen spüren den Zielkonflikt. Wer gar kein Risiko eingeht, verliert über die Jahre Kaufkraft. Wer zu viel Risiko eingeht, riskiert, im falschen Moment zu verkaufen. Genau in diesem Spannungsfeld entstehen viele Fehlentscheidungen. Hier liegt ein grosser Teil des Mehrwerts guter Beratung. Gute Beratung besteht nicht darin, die nächste Gewinneraktie zu finden. Sie besteht darin, die passende Strategie zu wählen, Risiken verständlich zu machen und in schwierigen Phasen ruhig zu bleiben.

Gerade ab 50 ist Disziplin oft wertvoller als Aktionismus. Deshalb ist unser Portfolio Atelier, unser persönliches Beratungsformat, ein zentraler Teil des Modells. Jeder Kunde wird persönlich begleitet. Nicht durch ein Callcenter, sondern durch erfahrene Berater, die die Situation kennen, Entscheidungen einordnen und auch dann ansprechbar sind, wenn Märkte unter Druck stehen. Technologie kann vieles vereinfachen. Aber sie ersetzt keine Urteilskraft. Und sie ersetzt nicht die Ruhe, die ein guter Berater in schwierigen Momenten geben kann.

«Gute Beratung besteht nicht darin, die nächste Gewinneraktie zu finden. Sie besteht darin, die passende Strategie zu wählen, Risiken verständlich zu machen und in schwierigen Phasen ruhig zu bleiben.»

Die Lebenserwartung steigt stetig. Was bedeutet für das die Anlagestrategien der Anleger?

Der Anlagehorizont wird länger. Das verändert die ganze Logik. Viele unterschätzen, dass Pensionierung nicht das Ende des Anlagehorizonts ist. Im Gegenteil: Das Vermögen muss oft über Jahrzehnte arbeiten. Wer alles auf Sicherheit stellt, verliert real mit hoher Wahrscheinlichkeit an Vermögen. Gleichzeitig wird die Reihenfolge der Renditen wichtiger. In der Aufbauphase ist es weniger entscheidend, ob ein Börsenrückgang früh oder spät kommt. Über lange Zeit zählt vor allem der Durchschnitt. In der Entnahmephase ist das anders. Ein starker Rückgang in den ersten Jahren nach der Pensionierung kann das Vermögen dauerhaft belasten. Das ist eines der meist unterschätzten Risiken ab 50. Es zeigt, weshalb eine einfache Risikoskala oder ein Standard-Strategiefonds oft zu kurz greift. Finpact strukturiert Vermögen deshalb nicht als Einheitslösung, sondern entlang seiner Aufgaben: Liquidität, Stabilität, Wachstum, Entnahmen und langfristiger Kaufkrafterhalt. Ein Vermögen ab 50 muss nicht einfach investiert werden. Es muss geführt werden.

Sie haben die Sicherheit genannt. Viele Menschen reduzieren kurz vor der Pensionierung ihr Risiko drastisch. Ist das aus Ihrer Sicht vernünftig oder langfristig sogar gefährlich?

Beides ist möglich. Risiko ist nie abstrakt. Es hängt vom Gesamtbild ab: vom Einkommen, von der Pensionskasse, vom übrigen Vermögen, vom Gesundheitszustand, von der familiären Situation und vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis. Was ich kritisch sehe, ist der Reflex, Risiko pauschal stark zu reduzieren. Das kann vernünftig wirken, aber langfristig teuer werden. Denn wer den langen Anlagehorizont ignoriert, verzichtet oft auf den Schutz vor Inflation. Die bessere Frage lautet nicht: Wie viel Risiko darf ich noch haben? Sondern: Welche Aufgabe hat welcher Teil meines Vermögens? Was muss jederzeit verfügbar sein? Was soll stabil bleiben? Was darf langfristig wachsen? Was kann Schwankungen aushalten? Was darf auf keinen Fall im falschen Moment verkauft werden müssen? So wird Risiko steuerbar. Nicht emotional, sondern strukturiert.

Genau hier unterscheidet sich eine spezialisierte Vermögensverwaltung von einer Standardlösung. Bei Finpact ist Risiko kein Schieberegler zwischen konservativ und dynamisch. Risiko wird im Kontext der Lebensphase verstanden.

Welche Rolle spielen dabei ETFs und kostengünstige Indexstrategien in einer modernen Vermögensverwaltung für die Generation 50+?

Eine wichtige. Kostengünstige Indexstrategien sind ein sehr gutes Fundament. Sie sind effizient, transparent und langfristig überzeugend. Aber ETFs sind keine Strategie. Sie sind Instrumente. Und wie jedes Instrument müssen sie richtig eingesetzt werden. Das ETF-Universum ist heute enorm gross. Wer einfach einen globalen Aktienindex kauft, trägt heute automatisch ein hohes Gewicht in wenigen grossen Technologiewerten, stark geprägt vom Thema künstliche Intelligenz. Das kann sinnvoll sein. Es muss aber bewusst entschieden werden. Gerade für Anleger ab 50 ist entscheidend, ob ein Portfolio zum Risikokontext passt.

Die Kosten sind wichtig. Aber sie sind nicht das einzige Kriterium. Eine günstige falsche Lösung bleibt eine falsche Lösung. Finpact kombiniert deshalb kosteneffiziente Bausteine mit professioneller Portfoliokonstruktion und persönlicher Einordnung. Unser Anspruch ist nicht, Komplexität zu verkaufen. Unser Anspruch ist, Komplexität sauber zu strukturieren und für den Kunden verständlich zu machen.

«Aber ETFs sind keine Strategie. Sie sind Instrumente. Und wie jedes Instrument müssen sie richtig eingesetzt werden.»

Finpact kombiniert digitale Werkzeuge mit persönlicher Beratung. Weshalb reicht weder reine Digitalisierung noch die klassische Bankberatung allein aus?

Weil Geldanlage beides braucht: Effizienz und Urteilskraft. Digitale Werkzeuge sind dort stark, wo Prozesse einfacher, schneller und günstiger werden. Ein Anlageprofil erfassen, Informationen strukturieren, Vorschläge simulieren, Dokumente bereitstellen: Das muss heute nicht mehr in langen Sitzungen passieren. Genau dafür haben wir unseren Anlageplan entwickelt. Er ist kein digitales Formular. Er übersetzt eine Private-Banking-Logik in einen einfachen, zugänglichen Prozess: eine strukturierte Analyse von Ziel, Risiko und Umsetzung. In wenigen Minuten entsteht online eine Grundlage für eine Anlageentscheidung, wie sie früher typischerweise sehr vermögenden Kunden vorbehalten war. Wer seine eigene Ausgangslage einordnen möchte, kann auf finpact.ch in vier Minuten einen persönlichen Anlageplan erstellen. Kostenlos, unverbindlich und als erste Orientierung für die nächsten Anlageentscheidungen.

Das ist ein wichtiger Punkt: Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck. Sie soll dort wirken, wo sie für den Kunden echten Mehrwert schafft: mehr Klarheit, tiefere Kosten, bessere Vorbereitung, weniger Reibung. Aber Vermögensverwaltung ist nicht nur Technik. Sie ist auch Vertrauen, Einordnung und Verhalten. Menschen haben Fragen, Erfahrungen, Ängste und Ziele. Gerade bei grösseren Vermögen braucht es jemanden, der mitdenkt, erklärt, widerspricht und in Stressphasen stabilisiert. Darum verbinden wir den Anlageplan mit dem Portfolio Atelier. Der Anlageplan schafft Klarheit. Das Portfolio Atelier schafft persönliche Begleitung. Die Vermögensverwaltung setzt die Strategie professionell um. So verstehen wir moderne Vermögensverwaltung: digital, wo es Prozesse einfacher und günstiger macht; persönlich, wo Erfahrung, Verantwortung und Ruhe entscheidend sind.

Finpact ist aus der Universität St. Gallen entstanden. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse fliessen heute konkret in Ihre Anlagestrategien ein?

Unsere Herkunft aus dem HSG-Umfeld prägt weniger das Etikett als die Arbeitsweise: systematisch, evidenzbasiert, institutionell. Unsere Strategien beruhen nicht auf heissen Tipps, kurzfristigen Marktmeinungen oder spekulativen Experimenten. Wir arbeiten mit Prinzipien, die in der modernen Portfoliotheorie und in der institutionellen Vermögensverwaltung breit etabliert sind: Diversifikation, Kostenkontrolle, Risikosteuerung, Disziplin und eine klare Trennung zwischen Strategie und Emotion. Das Entscheidende ist nicht, möglichst kompliziert zu wirken. Das Entscheidende ist, robuste Prinzipien sauber anzuwenden. Auch die Kundenseite betrachten wir evidenzbasiert. Gemeinsam mit der Hochschule Luzern haben wir die Finpact Vermögensstudie zur Generation 50+ erstellt. Wir wollten genauer verstehen, welche Bedürfnisse, Sorgen und Erwartungen diese Zielgruppe tatsächlich hat. Diese Erkenntnisse fliessen in unsere Beratung, unsere Portfolios und unsere Prozesse ein. Wir sind FINMA-bewilligter Vermögensverwalter und verbinden digitale Einfachheit mit einem professionellen Anlageprozess. Die Oberfläche ist einfach. Das Fundament ist institutionell.

Ihre Positionierung auf die Generation 50+ ist sehr klar. Ist das ein strategischer Vorteil – oder laufen Sie Gefahr, eine jüngere Kundengeneration an Wettbewerber zu verlieren, die diese Kunden bereits heute an sich binden?

Für uns ist es klar ein Vorteil. Wir versuchen nicht, alle Kundengruppen gleichzeitig zu bedienen. Das klingt im Markt oft attraktiv, führt aber schnell zu Durchschnittslösungen. Die Generation 50+ hat andere Fragen, andere Risiken und andere Erwartungen als jüngere Anleger. Unsere Spezialisierung zwingt uns, präziser zu sein. Jeder Prozess, jedes Portfolio und jede Beratung ist auf diese Lebensphase ausgerichtet. Viele Anbieter beginnen beim Produkt: Fonds, Mandat, App, Plattform. Wir beginnen bei der Lebenssituation. Das ist der Unterschied. Finpact ist die spezialisierte Vermögensverwaltung für Menschen ab 50, die ihr Vermögen nicht einfach anlegen, sondern durch eine neue Lebensphase führen müssen. Digital dort, wo es effizienter ist. Persönlich dort, wo Urteil, Erfahrung und Ruhe zählen. Ein klares Nein zu anderem ist auch ein klares Ja zu unserer Aufgabe. Unser Anspruch ist, für Menschen ab 50 die führende spezialisierte Vermögensverwaltung zu sein. Nicht nebenbei, sondern konsequent.

Finpact

Exit mobile version