von Robert Jakob
Moneycab.com: Herr Zappia, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 hat sich der Konzerngewinn auf 18,4 Millionen Franken vervierfacht. Was macht die MCH anders?
Andrea Zappia: Für uns ist das EBITDA die entscheidende Kennzahl, weil es die operative Leistungsfähigkeit unseres Geschäfts am besten abbildet. Und hier haben wir im ersten Halbjahr deutlich zugelegt: Das EBITDA hat sich gegenüber dem Vorjahr von 18,9 auf 34,3 Millionen Franken nahezu verdoppelt. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis disziplinierter Kostensteuerung und operativen Wachstums in allen Geschäftsbereichen. Auch der Betriebsertrag ist um 12 Prozent auf 248,8 Millionen Franken gestiegen.
Nennen Sie doch nochmal die grössten Treiber…
Wesentlich dazu beigetragen haben der erfolgreiche Start der Art Basel Qatar sowie wichtige Veranstaltungen bei Live Marketing Solutions und Exhibitions & Events. Mit der Premiere der Art Basel Qatar im Februar sind wir in eine strategisch wichtige Wachstumsregion des globalen Kunstmarkts expandiert. Nur wenige Wochen später haben wir gemeinsam mit Bits & Pretzels erstmals den health.tech | global summit in Basel durchgeführt, eine internationale Plattform an der Schnittstelle von Gesundheit, Technologie und Innovation.
«Für uns ist das EBITDA die entscheidende Kennzahl, weil es die operative Leistungsfähigkeit am besten abbildet.»
Andrea Zappia, CEO MCH Group
In Ihrem Brief an die Aktionäre sprachen Sie auch die optimierte Steuerstruktur an. Können Sie das kurz erläutern?
Zu unserem Ergebnis haben nicht nur operative Fortschritte beigetragen, sondern auch eine verbesserte Kosten- und Steuerstruktur. Das gehört zu unserem generellen Ziel, im gesamten Geschäft effizienter zu werden.
Liegt der Erfolg von MCH auch daran, dass die «oberen 10’000» weiter in Geld schwimmen?
Unser Erfolg beruht auf der operativen Leistung über das gesamte Geschäft hinweg – von Art Basel über Live Marketing Solutions bis zu unseren Fachmessen wie beispielsweise der Swissbau oder Giardina. Unsere Messen, Branchenveranstaltungen und Kongresse erreichen dabei einfach eine sehr breite Öffentlichkeit.
Kunst ist in der Tat mittlerweile auch ein Massenphänomen geworden. Welche Ihrer Messen würden Sie da am meisten herausheben?
Uns geht es nicht um eine einzelne Messe. Unser Anspruch ist, dass jede unserer Kunstmessen ihre eigene DNA hat, ob in Basel, Hongkong, Paris, Miami Beach oder jetzt neu auch in Katar. Art Basel hat ihre Messen schon immer auf die jeweilige Gastgeberstadt und ihr kulturelles Umfeld zugeschnitten. Das zeigt sich bei den teilnehmenden Galerien, bei den Werken und beim Rahmenprogramm, das wir jeweils zusammen mit lokalen Kulturinstitutionen entwickeln. Besonders freut uns zudem Zero 10, unsere neue Initiative für Kunst im digitalen Zeitalter. Damit erreichen wir neue, jüngere Zielgruppen.
«Art Basel hat ihre Messen schon immer auf die jeweilige Gastgeberstadt und ihr kulturelles Umfeld zugeschnitten.»
Lässt sich bei der Swissbau am besten der konjunkturelle Puls fühlen?
Messen sind immer auch ein Abbild ihrer Branche: Sie zeigen, wo eine Industrie steht und wohin sie sich bewegt. Die Swissbau hat ihre Position als grösste Bau- und Immobilienmesse der Schweiz bestätigt und ist tatsächlich ein guter Indikator für die Stimmung in der Bauwirtschaft. Gleichzeitig sind Messen Plattformen, auf denen neue Entwicklungen und Produkte diskutiert und sichtbar gemacht werden.
Ihr starkes Engagement in der Golfregion ist ja nun völlig unerwartet gefährlich geworden. Wie schützen Sie dort Ihre Mitarbeiter und Geschäftspartner? Mittlerweile geht es ja um Leib und Leben.
Wir beobachten die Entwicklungen in der Region sehr aufmerksam und in enger Abstimmung mit unseren Partnern vor Ort. Die Sicherheit und das Wohlergehen unseres Teams, unserer Kundinnen und Kunden sowie aller Teilnehmenden haben für uns selbstverständlich stets höchste Priorität.
Welche Rolle spielen die bei Art Basel vergebenen Awards sowie die eigenen Auszeichnungen für Ihr Marketing?
Die Art Basel Awards sind uns ein ganz besonderes Anliegen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Auszeichnungen, die sich auf einzelne herausragende Leistungen konzentrieren, würdigen sie Praktiken und Beiträge mit weitreichendem und erheblichem Einfluss. Ins Leben gerufen haben wir sie, um innovative Künstlerinnen und Künstler zu ehren, die mit ihren Werken Grenzen überschreiten, sowie die Organisationen und Einzelpersonen, die sie bei der Schaffung eines transformativen kulturellen Wandels unterstützen.
Selbstverständlich freuen wir uns auch immer sehr, wenn unser eigenes Engagement mit einem Preis geehrt wird. So sind wir sehr stolz darauf, dass unsere Tochtergesellschaft MCH Global mehrfache Gewinnerin renommierter Auszeichnungen ist, und wir erst vor Kurzem für unsere Arbeit beim ESC ausgezeichnet wurden. Dies sind immer schöne Bestätigungen für das tägliche Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit viel Herzblut rund um den Globus für die MCH Group einsetzen.
Die Reingewinnmarge hat sich auf 7,5 Prozent verdreifacht. Welche Bereiche haben bei MCH die grösste Marge?
Dazu machen wir keine Angaben.
Sie haben den Werbeaufwand verdoppelt. Wo liegt jetzt die Hauptstossrichtung?
Wenn wir neue Formate lancieren oder neue Märkte erschliessen, investieren wir in der Anfangsphase gezielt in Sichtbarkeit und Bekanntheit. Das war bei der Premiere von Art Basel Qatar im Februar 2026 der Fall und gilt grundsätzlich für jede Neulancierung. Hinzu kommt, dass im ersten Halbjahr die Swissbau stattfand, die nur alle zwei Jahre durchgeführt wird.
Die MCH-Messen haben alle Event-Charakter. Könnte man mit Marshall McLuhan sagen «The Medium is the Message»?
Ein interessanter Gedanke, und in gewisser Weise trifft das zu: Das Erlebnis selbst – die Begegnung vor Ort, der direkte Austausch zwischen Menschen – ist heute oft ebenso bedeutsam wie der Inhalt, der vermittelt wird. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnt das physische, gemeinsame Erlebnis an Gewicht, und das Bedürfnis nach Messen und direkten Austauschplattformen bleibt ungebrochen gross. Gleichzeitig erwarten Ausstellende und Besuchende zunehmend mehr Inspiration und Raum für Networking – wir reagieren darauf, indem wir unsere Formate laufend weiterentwickeln und alle Akteure entlang der Wertschöpfungsketten der jeweiligen Branchen in die Gestaltung unserer Messen einbinden. Fünf Jahre nach Corona zeigt sich, dass Messen relevant und gefragt bleiben – unsere Besucherzahlen bestätigen das, ebenso wie die erfolgreiche Lancierung neuer Formate wie health.tech | global summit oder Art Basel Qatar.
