von Patrick Gunti
Moneycab.com: Herr Brun, geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten prägen das internationale Umfeld. Welche besondere Rolle kommt der BEKB in solchen Zeiten für regionale Unternehmen und die Bevölkerung zu?
Armin Brun: In einem unsicheren Umfeld steigt das Bedürfnis nach persönlicher Beratung und langfristiger finanzieller Orientierung deutlich. Mit unserem Geschäftsmodell, das gezielt auf Kundennähe, Stabilität und nachhaltiges Wachstum ausgerichtet ist, bieten wir genau hier Halt. Das macht uns zu einer verlässlichen Partnerin für die Menschen und Unternehmen in unserer Region.
Die BEKB hat im vergangenen Jahr einen Reingewinn von 175 Millionen Franken erzielt, 2,9 Prozent weniger als im Rekordjahr 2024. Sind Sie dennoch zufrieden?
Die BEKB verzeichnete 2025 ein ausserordentliches Wachstum im Hypothekargeschäft und hat ihre Position im Anlagegeschäft deutlich gestärkt. Mit einem Gewinn von 175 Millionen Franken haben wir trotz des herausfordernden Zinsumfelds das zweitbeste operative Ergebnis unserer Geschichte erzielt. Dieses Resultat macht mich stolz und es bestätigt, dass sich unser Geschäftsmodell auch unter anspruchsvollen Bedingungen bewährt.
Sie sprechen von einem Zinsumfeld um null als eine der grössten Herausforderungen. Wo lagen 2025 für die BEKB konkret die schwierigsten Stellschrauben im Zinsengeschäft?
Im Zinsengeschäft war der anhaltende Margendruck 2025 die grösste Herausforderung. Dieser führte zu einem Rückgang des Erfolgs um rund 16 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr.
Aussagen sind in der aktuellen Situation zwar schwer. Dennoch: Wie lange wird die Nullzinsphase aus Ihrer Sicht anhalten – oder drohen doch noch Negativzinsen?
Negativzinsen auf Kundengelder sind bei der BEKB bis auf Weiteres kein Thema. Ich gehe davon aus, dass die Nullzinsphase noch mindestens bis 2027 anhält. Sollte es dennoch zu einer Leitzinssenkung kommen, sind wir dank unserer Erfahrung aus der langen Tiefzinsphase gut vorbereitet.
Während der Zinserfolg netto um 4,0 Prozent auf 376,7 Millionen Franken zurückging, gewann das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stark an Bedeutung. Wo sehen Sie hier noch ungenutztes Potenzial?
Die Weiterentwicklung des Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts ist für uns der Schlüssel, um die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft weiter zu verringern. Mit einer überdurchschnittlichen Steigerung von 9,5 Prozent im Jahr 2025 sind wir hier das zweite Jahr in Folge deutlich gewachsen und damit auf Kurs. Potenzial sehe ich darin, unsere Kundinnen und Kunden noch aktiver auf unsere Anlagelösungen anzusprechen.
«Die Weiterentwicklung des Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts ist für uns der Schlüssel, um die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft weiter zu verringern.»
Armin Brun, CEO BEKB
Trotz Margendruck wuchs das Hypothekar- und Kundenausleihungsgeschäft um 4,6 Prozent, wobei mit Hypotheken allein ein Plus von 6,2 Prozent erzielt wurde. Wie beurteilen Sie die Risiken dieses Wachstums in einem weiterhin angespannten Immobilienmarkt?
Das Wachstum im Hypothekar- und Kundenausleihungsgeschäft ist ausserordentlich, erfolgt aber nachhaltig und mit guter Risikostruktur. Unsere Kernkapitalquote ist 2025 von 17,3 auf 18,3 Prozent gestiegen. Damit liegen wir deutlich über unserem Ziel von 16 Prozent.
Die Bewertungen von Wohn- und Renditeliegenschaften geraten vielerorts unter Druck. Wie geht die BEKB mit tieferen Immobilienbewertungen um – insbesondere im Hypothekarbestand und bei der Beratung von Eigentümerinnen und Eigentümern?
Wir beobachten die Entwicklungen am Immobilienmarkt genau und beurteilen Hypothekarrisiken laufend. Unsere Kreditprüfungen basieren auf vorsichtigen Belehnungswerten, sodass wir auch bei temporären Rückgängen der Immobilienbewertungen gut abgesichert sind. Gleichzeitig beraten wir unsere Kundinnen und Kunden individuell und vorausschauend, damit sie ihre Immobilienfinanzierung langfristig sicher gestalten können.
«Das Wachstum im Hypothekar- und Kundenausleihungsgeschäft ist ausserordentlich, erfolgt aber nachhaltig und mit guter Risikostruktur.»
Die Nachfrage nach Anlage- und Vorsorgelösungen nimmt zu. Spüren Sie dabei eine höhere Risikobereitschaft oder eher ein stärkeres Sicherheitsbedürfnis bei den Kundinnen und Kunden?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Risikobereitschaft sehr individuell ist. Entsprechend bieten wir Anlage- und Vorsorgelösungen mit unterschiedlichen Risikoprofilen an. Grundsätzlich zeigt sich aber, dass Anlegerinnen und Anleger in unsicheren Zeiten eher auf stabile Titel und ihnen vertraute Märkte setzen, wie beispielsweise Schweizer Aktien. Zudem sind durch die geopolitischen Spannungen Währungsrisiken wieder stärker in den Fokus gerückt. Diese gilt es im Blick zu behalten und allenfalls abzusichern.
Der Netto-Neugeld-Zufluss beträgt 0,7 Milliarden Franken. Die verwalteten Vermögen legten um 5,8 Prozent auf 45,3 Milliarden Franken zu. Was überzeugt neue Kundinnen und Kunden aktuell am meisten von der BEKB?
Entscheidend für viele neue Kundinnen und Kunden ist unser partnerschaftlicher und langfristig ausgerichteter Ansatz. Wir werden als stabile und verlässliche Bank wahrgenommen, die Kundinnen und Kunden Seite an Seite durch unterschiedliche Lebensphasen und auch durch wirtschaftlich anspruchsvolle Zeiten begleitet.
Sie betonen den hohen Stellenwert von IT- und Cybersicherheit. Wie bereitet sich die BEKB auf eine wachsende Bedrohungslage vor?
Sicherheit ist für uns kein Projekt, sondern ein Dauerauftrag, den wir sehr ernst nehmen. Wir investieren kontinuierlich in Cybersecurity, Resilienz und unsere digitale Infrastruktur, um Sicherheit, Stabilität, und Effizienz für unsere Kundinnen und Kunden sicherzustellen.
Sie streben für 2026 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau an. Was müsste eintreten, damit die BEKB dieses Ziel verfehlt – und was würde positiv überraschen?
Belastend wäre insbesondere eine weitere unerwartete Verschlechterung der wirtschaftlichen oder geopolitischen Lage. Ebenso könnte ein nochmals anspruchsvolleres Zinsumfeld negative Auswirkungen haben. Positiv auf das Ergebnis würden sich hingegen ein stärker als erwartetes Wachstum im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft oder eine schnellere Realisierung der Effekte unserer Effizienssteigerungs-Massnahmen auswirken.
