Boris Bischoff, CEO InstallerGroup Schweiz, im Interview

Boris Bischoff

Boris Bischoff, CEO InstallerGroup Schweiz. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Bischoff, vor einem Jahr sind Sie mit dem Ziel gestartet, die InstallerGroup in der Schweiz aufzubauen. Welche Bilanz ziehen Sie heute?

Boris Bischoff: Wir sind sehr zufrieden mit dem Erreichten. Seit unserem Markteintritt im Juni 2025 haben wir fünf starke Unternehmen in die Gruppe aufgenommen: die W. Rokitzky AG und Rohr Gebäudetechnik AG zum Start, dann die a3 Haustech AG, die BP Elektro AG und zuletzt die Elektro ERTI AG aus Bern. Damit haben wir uns geografisch über den Grossraum Zürich hinaus erweitert und decken mehrere Gewerke ab. Wichtiger als die Zahl der Akquisitionen ist für mich aber, dass wir mit jedem dieser Unternehmen eine echte Partnerschaft eingegangen sind.

Warum hat sich die erst 2023 gegründete dänische InstallerGroup bei ihrer internationalen Expansion als Erstes für die Schweiz entschieden?

Die Schweiz war für uns die logische Wahl: Die hiesige Wirtschaft ist stabil, der Markt resilient und ähnlich strukturiert wie in Dänemark – viele inhabergeführte KMU mit hoher Qualität, aber ähnlichen Herausforderungen wie Nachfolgeproblematik und Fachkräftemangel. Auch die Arbeitskultur ist in beiden Ländern sehr ähnlich. Zudem bietet der Schweizer Gebäudetechnikmarkt attraktive Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere im Bereich der Energiewende. Und Qualitätshandwerk geniesst hier einen hohen Stellenwert – das passt perfekt zu unserem Modell.

Wo liegen die grössten Herausforderungen beim Aufbau der Schweizer Organisation?

Die grösste Herausforderung ist, Vertrauen aufzubauen. Viele Unternehmer:innen sind skeptisch gegenüber Gruppen und Investoren – oft zu Recht, basierend auf Erfahrungen in der Branche. Wir müssen beweisen, dass unser dezentrales Modell tatsächlich funktioniert und dass wir unsere Versprechen einhalten. Das braucht Zeit und gelebte Praxis.

«Wir müssen beweisen, dass unser dezentrales Modell tatsächlich funktioniert und dass wir unsere Versprechen einhalten. Das braucht Zeit und gelebte Praxis.»
Boris Bischoff, CEO InstallerGroup Schweiz

Bei Ihrem Markteintritt hiess es, der Umsatz solle innerhalb von zwölf Monaten auf über 100 Millionen Franken gesteigert werden. Haben Sie dieses Ziel erreicht?

Wir haben dieses Ziel nicht ganz erreicht, aber Umsatz ist für uns nicht die wichtigste Kennzahl – uns ist wichtiger, dass die Unternehmer:innen unsere Werte teilen: Qualitätsorientierung, Partnerschaftlichkeit und unternehmerisches Denken. Denn nur so kann der weitere gemeinsame Weg zum Erfolg führen.

Was haben Sie aus den bisherigen Übernahmen gelernt?

Jede Akquisition ist anders, weil jedes Unternehmen seine eigene Geschichte und Kultur hat. Was wir gelernt haben: Der persönliche Fit ist entscheidend. Die Chemie zwischen uns und den Unternehmer:innen muss stimmen, denn wir gehen eine langfristige Partnerschaft ein. Ausserdem hat es sich für uns bestätigt, dass Transparenz von Anfang an zentral ist – klare Erwartungen auf beiden Seiten verhindern spätere Enttäuschungen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie potenzielle Partnerunternehmen aus?

Wir suchen etablierte, gut geführte KMU mit einer starken lokalen Verankerung und einem guten Ruf. Wichtig ist uns eine starke Unternehmenskultur, die unsere Werte widerspiegelt, dass die Unternehmen profitabel sind und Potenzial für Weiterentwicklung haben. Und idealerweise sind die Unternehmer:innen bereit, auch nach dem Anschluss operativ in der Führung zu bleiben.

Gibt es Unternehmensgrössen und Regionen, die besonders interessant sind?

Grundsätzlich sind wir offen für verschiedene Grössen. Regional haben wir mit dem Grossraum Zürich begonnen und uns jüngst mit der Elektro ERTI AG erstmals in die Region Bern erweitert. Langfristig wollen wir eine schweizweite Präsenz aufbauen – die Deutschschweiz steht dabei aktuell im Fokus, aber auch die Romandie ist für uns interessant.

Wo sehen Sie die Grenzen Ihrer Wachstumsstrategie? Wann wird Integration wichtiger als weitere Zukäufe?

Integration und Wachstum sind für uns keine Gegensätze. Unser Modell ist skalierbar und hat sich gruppenweit bei über 40 Akquisitionen in drei Jahren bewährt. Die Unternehmen arbeiten weiterhin eigenständig, weshalb wir beides parallel verfolgen können. Trotzdem achten wir darauf, dass wir nicht schneller wachsen, als wir Beziehungen aufbauen können. Die Qualität der Partnerschaften hat Vorrang vor der Quantität.

«Integration und Wachstum sind für uns keine Gegensätze. Unser Modell ist skalierbar und hat sich gruppenweit bei über 40 Akquisitionen in drei Jahren bewährt.»

Die InstallerGroup wirbt mit einem dezentralen Modell, bei dem die Unternehmen ihre Identität behalten. Wie funktioniert das konkret im Alltag?

Die Unternehmer:innen führen ihre Betriebe weiterhin selbst. Unser dezentrales Modell ist erprobt, und die Zufriedenheit der Unternehmer:innen im Verbund ist hoch. Wir haben bewusst eine schlanke Zentrale, die nicht in den Alltag eingreift, sondern dort unterstützt, wo es Sinn ergibt: beim Einkauf, bei strategischen Fragen, beim Wissensaustausch. Die Unternehmen behalten ihren Namen, ihre Marke, ihre Kundenbeziehungen und vor allem ihre Entscheidungshoheit.

Wo profitieren die Gruppengesellschaften heute von der Zugehörigkeit zur InstallerGroup?

Konkret profitieren sie von besseren Einkaufskonditionen dank der Grössenvorteile der Gruppe, vom Wissensaustausch mit anderen Unternehmer:innen, die ähnliche Herausforderungen kennen, und von der finanziellen Stabilität im Hintergrund, die dazu beiträgt, ihr Unternehmen langfristig zu sichern. Zudem sind sie finanziell an der Gruppe beteiligt und profitieren somit als Miteigentümer:innen vom gemeinsamen Erfolg des Verbunds.

Welche Rolle spielen Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und Energiewende für Ihre weitere Strategie?

Diese drei Themen sind zentral für die Zukunft der Branche – und damit auch für unsere Strategie. Dem Fachkräftemangel begegnen wir mit gezielter Nachwuchsförderung und der Weiterentwicklung von Schlüsselfachkräften. Als Gruppe können wir Karriereperspektiven bieten, die in einem einzelnen KMU oft nicht möglich wären. Bei der Digitalisierung stellen wir unseren Unternehmen Schulungen und Tools zur Prozessautomatisierung zur Verfügung. Beim Thema Nachhaltigkeit unterstützen wir mit gruppenweiten Reportings, wie sie grosse Kunden zunehmend verlangen. Und die Energiewende sehen wir als grosse Chance: Unsere Unternehmen sind direkt an der Umsetzung beteiligt – von Wärmepumpen bis zu intelligenter Gebäudetechnik. Genau hier wollen wir als Gruppe einen Unterschied machen: die Schweizer Gebäudetechnik fit für die Zukunft machen, indem wir die Energiewende zur Realität werden lassen.

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