Johannes Feist, CEO MK Global Kapital, im Interview

Dr. Johannes Feist, CEO MK Global Kapital (Bild: MK Global Kapital, Moneycab)

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Feist, MK Global Kapital verwaltet derzeit rund 600 Millionen Euro über 11 Mikrofinanzinstitutionen mit 164 Filialen 9 Ländern. Welche drei Märkte absorbieren aktuell das höchste Volumen an Mikrokreditfinanzierungen, und wie sehen die Wachstumsraten dieser Regionen aus?

Johannes Feist: Die höchsten Volumina gehen in Märkte, in denen zwei Dinge zusammenkommen: Es gibt eine breite Nachfrage nach kleinen Unternehmenskrediten, und es gibt vor Ort Strukturen, die dieses Kapital sorgfältig vergeben können. Bei unserem ALTERNATIVE Fund waren die drei grössten Ländergewichte per Q1/2026 Tschechien mit 23,2 Prozent, Usbekistan mit 20,1 Prozent und Kasachstan mit 12,9 Prozent. Danach folgten unter anderem Rumänien mit 12,4 Prozent und Tadschikistan mit 11,9 Prozent.

«Unsere Investorenbasis ist heute deutlich breiter als in den Anfangsjahren. Sie umfasst institutionelle Investoren, Family Offices und Anleger, die neben dem finanziellen Ertrag auch wissen wollen, was ihr Kapital konkret finanziert.» Dr. Johannes Feist, CEO MK Global Kapital

Für Investoren ist nicht nur die Marktgrösse relevant. Entscheidend ist, ob ein Markt Kapital vernünftig aufnehmen kann. Also: Gibt es lokale Teams, gute Kreditprozesse, verlässliche Daten und eine laufende Kontrolle der Rückzahlungen? Wachstum ist in der Mikrofinanz kein Selbstzweck. Es muss zur Qualität des Kreditbuchs passen. Genau deshalb betrachten wir Wachstumszahlen immer im Zusammenhang mit Kreditnachfrage, Rückzahlungsverhalten und lokaler Umsetzung.

Welchen Anteil an den Investitionen machen jeweils institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen, welchen Anteil Family Offices, und welchen Anteil impact-orientierte Anleger aus? Wie hat sich diese Struktur seit der Gründung 2008 verändert, und welche Renditeerwartungen artikulieren diese verschiedenen Investorengruppen konkret?

Unsere Investorenbasis ist heute deutlich breiter als in den Anfangsjahren. Sie umfasst institutionelle Investoren, Family Offices und Anleger, die neben dem finanziellen Ertrag auch wissen wollen, was ihr Kapital konkret finanziert. Eine pauschale Prozentzahl über alle Produkte hinweg wäre allerdings wenig hilfreich, weil die Struktur je Vehikel unterschiedlich ist.

Was sich seit 2008 verändert hat: Die Fragen der Investoren sind professioneller geworden. Früher stand Mikrofinanz häufig stark unter dem Impact-Aspekt. Heute fragen Investoren sehr genau nach Risiko, Liquidität, Kosten, Währungsabsicherung, Reporting und historischer Stabilität. Institutionelle Investoren legen besonders viel Gewicht auf Governance und Nachvollziehbarkeit. Family Offices schauen stärker auf die Rolle im Gesamtportfolio. Impact-orientierte Anleger wollen zusätzlich belegen können, dass das Kapital bei kleinen Unternehmen und privaten Kreditnehmern ankommt. Renditeerwartungen hängen deshalb vom jeweiligen Produkt ab; wir sprechen bewusst nicht von pauschalen Versprechen.

Sie heben Ihre End-to-end-Kontrolle als Differenzierungsmerkmal hervor – von der Kapitalbeschaffung bis zur Kreditvergabe durch eigene lokale Mikrofinanzinstitutionen. Wie viele dieser 11 Partnerinstitutionen befinden sich mehrheitlich in Ihrem Eigentum oder unter direkter Kontrolle, und wie viele sind unabhängige Partner?

Von den 11 Partnerinstitutionen sind 10 komplett unter unserer Kontrolle, während wir bei 1 Minderheitsaktionär sind. Wir arbeiten nicht mit „unabhängigen Partnern“ zusammen. Die reine Zahl der Partnerinstitutionen erzählt nur einen Teil der Geschichte. Wichtig ist, wie eng die einzelnen Kreditplattformen in Prozesse, Kontrolle und Reporting eingebunden sind. Nicht jeder Markt funktioniert gleich, und nicht jede lokale Einheit hat dieselbe rechtliche Struktur.

«Das Kapital wird nicht anonym in einen Kreditpool gegeben. Es fliesst über lokale Plattformen in konkrete Kredite, die vor Ort geprüft, vergeben und anschliessend überwacht werden.»

Das Prinzip ist aber klar: Das Kapital wird nicht anonym in einen Kreditpool gegeben. Es fliesst über lokale Plattformen in konkrete Kredite, die vor Ort geprüft, vergeben und anschliessend überwacht werden. Für Investoren zählt am Ende weniger das Etikett einer einzelnen Einheit als die Frage, ob Kreditprüfung, Rückzahlungen, Kosten, Währungsrisiken und Berichtswesen über die gesamte Kette nachvollziehbar sind.

Wie beurteilen Sie die Kostenstruktur des Modells von Mikro Kapital im Vergleich zu fondsbasierten Mikrofinanzanbietern wie etwa BlueOrchard?

Ich würde diesen Vergleich nicht auf einen einzelnen Wettbewerber reduzieren. Mikrofinanzprodukte können von aussen ähnlich wirken, sind im Inneren aber oft sehr verschieden aufgebaut. Bei einem Fonds steht meist eine klassische Gebührenquote im Vordergrund. Bei bond- oder verbriefungsnahen Strukturen schauen Investoren stärker auf Kupon, Laufzeit, Rang, Kosten der Absicherung und die konkrete Zahlungslogik.

Bei MK Global Kapital werden Kosten und Gebühren in den jeweiligen Produktunterlagen ausgewiesen. Beim Silk Road Microlending Fund sind zum Beispiel eine Management Fee von 0,75 Prozent pro Jahr, eine Performance Fee von 10 Prozent und eine Fund Service Provider Fee von 0,28 Prozent pro Jahr genannt. Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht, ob ein Produkt auf den ersten Blick billig aussieht. Entscheidend ist, ob der Investor versteht, wofür Kosten anfallen: lokale Kreditprüfung, laufende Betreuung, Währungsabsicherung, Compliance und Reporting. Diese Arbeit ist in der Mikrofinanz kleinteilig. Sie muss bezahlt werden, sollte aber transparent sein.

Branchendaten zeigen, dass die Risk Costs im Mikrofinanzsektor 2023 unter 2% lagen. Wie hoch sind die historischen Ausfallquoten in Ihren eigenen Portfolios? Wie vergleichen sich diese Kennzahlen mit High-Yield-Unternehmensanleihen oder Emerging-Market-Corporate-Bonds?

Für ALTERNATIVE weist die Due-Diligence-Dokumentation eine kumulative Loan Default Rate von unter 1 Prozent aus. Das ist eine wichtige Zahl. Man sollte sie aber sauber einordnen. Bei Kreditportfolios kommt es immer darauf an, was genau gemessen wird: ein Zahlungsverzug, ein Ausfall, ein endgültiger Verlust oder eine Abschreibung. Ohne diese Definitionen kann man Zahlen leicht falsch vergleichen.

«Mikrokredite sind sehr granular. Es gibt viele kleine Kreditnehmer statt weniger grosser Emittenten. Auch die Rückzahlungsstruktur ist anders. Für Investoren ist das interessant, weil Risiken breiter verteilt sind.»

Ein Vergleich mit High-Yield-Unternehmensanleihen oder Emerging-Market-Corporate-Bonds ist deshalb nur begrenzt sinnvoll. Mikrokredite sind sehr granular. Es gibt viele kleine Kreditnehmer statt weniger grosser Emittenten. Auch die Rückzahlungsstruktur ist anders. Für Investoren ist das interessant, weil Risiken breiter verteilt sind. Es ersetzt aber nicht die Analyse. Man muss verstehen, wie Rückzahlungen überwacht werden, welche Sicherheiten bestehen, wie Verluste entstehen können und wie stark ein Portfolio über Länder und Kreditnehmer gestreut ist.

Wie präsentieren sich die durchschnittlichen annualisierten Nettorendite seit Fondsauflage, wie hoch ist die Sharpe Ratio Ihrer Produkte?

Hier muss man nach Produkt unterscheiden. Bei bond-basierten Produkten stehen Kupon, Laufzeit, Struktur und Zahlungsstrom im Vordergrund. Eine Sharpe Ratio ist dort nicht immer die aussagekräftigste Kennzahl, weil sie vor allem bei Fonds mit regelmässig berechnetem Anteilspreis verwendet wird.

Beim Silk Road Microlending Fund liegt der Zielertrag gemäss Produktunterlagen bei 7 bis 9 Prozent pro Jahr in Euro. In den Materialien wird für 2024 eine annualisierte Bruttorendite von 7,87 Prozent ausgewiesen; für 2025 lag die annualisierte YTD-Zahl auf Bruttobasis bei rund 8,50 Prozent. Für Investoren sind daneben Nettorendite, Gebühren, Schwankungen, Datenbasis und Zeitraum entscheidend. Eine einzelne Renditezahl reicht nicht. Sie muss zeigen, wie stabil das Ergebnis war und welches Risiko dafür eingegangen wurde.

Neben dem Kreditrisiko: Welche Risikofaktoren gewichten Sie am höchsten (Währungsrisiko, politische Risiken, operationelle Risiken) in entfernten Zielländern? Wie beurteilen Sie den Einfluss der aktuellen amerikanischen Politik auf den US-Dollar und seine Rolle als Hedge-Währung?

Neben dem Kreditrisiko schauen wir besonders auf drei Bereiche: Währungen, politische oder regulatorische Eingriffe und operative Risiken. Währungsrisiken können die Rendite stark beeinflussen, wenn Kredite in lokalen Währungen vergeben werden und Investoren in Euro oder Dollar rechnen. Deshalb ist die Absicherung der Währungen ein zentraler Teil der Struktur. Bei ALTERNATIVE werden lokale Währungsdarlehen systematisch in Euro abgesichert.

Politische Risiken sind sehr konkret. Es kann um Lizenzen gehen, um Verbraucherschutz, um Zinsobergrenzen oder um neue Vorgaben für Kreditgeber. Operative Risiken sind weniger spektakulär, aber genauso wichtig: Stimmen die Daten? Funktionieren Kontrollen? Werden Warnsignale früh erkannt? Beim US-Dollar wäre ich vorsichtig mit einfachen Aussagen. In Stressphasen kann der Dollar helfen, aber er ist kein verlässlicher Schutzmechanismus. Solider ist es, Währungsrisiken aktiv zu steuern, statt auf politische Entwicklungen zu wetten.

Mit einer hohen Zahl an Mikrokreditnehmer und durchschnittlichen eher kleinen Kreditbeträgen: Wie stellen Sie bei dieser grossen Fragmentierung die Einhaltung von Anti-Geldwäsche-Standards (AML), Know-Your-Customer-Vorgaben (KYC) und Datenschutzregulierungen sicher?

Die grosse Zahl kleiner Kredite ist eine Stärke, weil sie Klumpenrisiken reduziert. Gleichzeitig macht sie die Arbeit anspruchsvoll. AML, KYC und Datenschutz dürfen deshalb nicht nur in einer Richtlinie stehen; sie müssen Teil des Kreditprozesses sein.

«Die grosse Zahl kleiner Kredite ist eine Stärke, weil sie Klumpenrisiken reduziert. Gleichzeitig macht sie die Arbeit anspruchsvoll.»

Die Prüfung der Endkreditnehmer erfolgt lokal. Dabei geht es um Identität, wirtschaftlichen Hintergrund, Zweck des Kredits und die Plausibilität der Rückzahlung. Kreditentscheidungen werden dokumentiert und bleiben nachvollziehbar. Wichtig ist auch: Technologie kann unterstützen, aber sie ersetzt nicht die Verantwortung der lokalen Teams. Screening und laufende Kontrollen orientieren sich an lokalen Regeln und gruppenweiten Standards. Wenn etwas nicht passt, muss es erkennbar sein und weiterverfolgt werden. Beim Datenschutz gilt derselbe Grundsatz: So viele Daten wie nötig, aber nicht mehr.

In Gesprächen haben Sie schon die Ausrichtung an den UN Sustainable Development Goals und besonders die Förderung von Unternehmerinnen betont. Können Sie quantifizieren, welcher Anteil der Kredite an Frauen vergeben wird und wie sich diese Quote entwickelt? Welche konkreten ESG-Ausschlusskriterien wenden Sie an – etwa bezüglich Branchen, CO₂-Intensität oder Arbeitsstandards?

Wirkung sollte man nicht behaupten, sondern messen. Gemäss Impact Reporting 2025 sind 46 Prozent der Endkreditnehmer Frauen. Zusätzlich werden 60 Prozent der Endkreditnehmer als ländlich und 44 Prozent als First-time Borrowers ausgewiesen. Diese Zahlen sind für Investoren relevant, weil sie zeigen, wohin das Kapital tatsächlich fliesst.

Bei ESG arbeiten wir mit klaren Ausschlüssen und Prüfprozessen. Ausgeschlossen sind unter anderem Tabak, Waffen und Munition, Glücksspiel und Casinos, Pornografie und Prostitution, Zwangs- und Kinderarbeit sowie Regionen auf der FATF-Blacklist. Alkohol ist mit Ausnahmen für Bier und Wein ebenfalls ausgeschlossen. Dazu kommen bestimmte Umwelt- und Gefährdungsaktivitäten. Eine pauschale CO2-Schwelle würde ich ohne entsprechende Produktdokumentation nicht nennen. Wichtiger ist, dass Ausschlüsse, Prüfung und Berichterstattung nachvollziehbar sind.

Der Mikrofinanzsektor gilt als Vorreiter bei digitalem Scoring und Datenanalyse. Welche KI-Anwendungen setzen Sie konkret bereits ein – etwa bei der Bonitätsprüfung (Credit Scoring mit Machine Learning), der Betrugserkennung, dem Portfoliomanagement oder der Prognose von Ausfallwahrscheinlichkeiten?

Bei KI lohnt sich Nüchternheit. Mikrofinanz ist zwar datenintensiv. Aber gerade kleine Unternehmen, Selbständige oder Erstkreditnehmer lassen sich nicht immer sinnvoll über ein rein automatisiertes Scoring beurteilen. Lokale Marktkenntnis, Geschäftsmodell, Zahlungsdisziplin und persönliche Prüfung bleiben wichtig.

Wir sehen Technologie vor allem als Unterstützung. Sie kann helfen, Daten schneller zu erfassen, Portfolios laufend zu beobachten, Warnsignale früher zu sehen, Berichte zu verbessern und Betrugsmuster zu erkennen. Der entscheidende Punkt ist Erklärbarkeit. Ein System darf nicht einfach eine Entscheidung ausspucken, die niemand mehr nachvollziehen kann. Für Investoren ist das ebenfalls zentral. Sie wollen nicht nur hören, dass KI eingesetzt wird. Sie wollen verstehen, wie sie eingesetzt wird und wo die Verantwortung bleibt.

Welche weiteren Anwendungsbereiche für künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie evaluieren Sie für die kommenden drei Jahre? Sehen Sie Potenzial für dezentrale Finanzierung (DeFi) im Mikrofinanzbereich – etwa Tokenisierung von Mikrokreditportfolios für Zweitmarktliquidität?

KI und Blockchain sehen wir vor allem als Infrastrukturthemen. Sie können Prozesse schneller, transparenter und besser dokumentierbar machen. Sie ändern aber nicht den Kern des Geschäfts: Ein Kredit muss sauber geprüft, vernünftig bepreist und laufend überwacht werden. Auch KYC, AML und Investorenschutz bleiben unverändert wichtig.

«KI und Blockchain sehen wir vor allem als Infrastrukturthemen. Sie können Prozesse schneller, transparenter und besser dokumentierbar machen. Sie ändern aber nicht den Kern des Geschäfts.»

Bei tokenisierten Strukturen gibt es bereits konkrete Erfahrungen. Das Token-Bond-Programm weist per 30. Juni 2025 unter anderem Emissionen von USDT 6.205.100 über Bitfinex Securities auf der Blockchain Liquid sowie USDC 2.700.000 über Obligate AG auf der Blockchain Base aus. Der Nutzen liegt nicht darin, Mikrofinanz spekulativer zu machen. Interessant sind effizientere Abwicklung, bessere Nachvollziehbarkeit und potenziell ein breiterer Zugang für Investoren. DeFi beobachten wir, aber für institutionelle Investoren müssen Regulierung, Kontrolle und Schutzmechanismen Vorrang haben.

Welche drei politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen werden den Mikrofinanzmarkt in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Drei Entwicklungen werden den Markt besonders prägen. Erstens das Zinsumfeld. Wenn Refinanzierung und Währungsabsicherung teurer werden, verändert sich die Kalkulation entlang der gesamten Kreditkette. Anbieter müssen dann zeigen, dass sie Preise, Laufzeiten und Risiken diszipliniert steuern können.

Zweitens wird Regulierung wichtiger. Kundenschutz, Transparenz, Nachhaltigkeitsangaben und lokale Kreditvorgaben nehmen zu. Das erhöht den Aufwand, trennt aber auch solide Plattformen von reinem Wachstum.

Drittens wird Digitalisierung den Markt verändern. Bessere Daten können Kreditprüfung und Kontrolle verbessern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz, Cybersecurity und Betrugsprävention. Kurz gesagt: Der Markt wird professioneller. Das ist gut für Investoren, aber es erhöht die Messlatte.

Wie bewerten Sie die Auswirkungen steigender Zinsen in Industrieländern auf Ihre Refinanzierungskosten, und wie reagieren Sie auf zunehmende Regulierung, etwa die neuen EU-Offenlegungsverordnungen (SFDR) oder mögliche Zinsobergrenzen in wichtigen Zielmärkten?

Steigende Zinsen sind für Mikrofinanz sehr relevant. Sie beeinflussen, zu welchen Kosten Kapital aufgenommen werden kann, wie teuer die Währungsabsicherung ist und welche Konditionen am Ende in den lokalen Märkten möglich sind. Neue Bonds müssen deshalb immer im aktuellen Marktumfeld betrachtet werden. Höhere Zinsen dürfen aber nicht dazu führen, dass die Kreditqualität geopfert wird.

Regulierung behandeln wir als Teil des Risikomanagements. Beim Silk Road Microlending Fund ist in den Materialien eine Einstufung als SFDR Article 9 ausgewiesen. Lokale Zinsobergrenzen sind ein anderes Beispiel. Sie können Margen, Produktmix und Laufzeiten verändern. Darauf kann man reagieren, etwa über angepasste Konditionen, kürzere Laufzeiten, andere Produkte oder eine geringere Aktivität in einzelnen Segmenten. Wichtig ist, solche Risiken früh zu erkennen und nicht erst dann, wenn sie sich in Ausfällen zeigen.

Luxemburg ist Ihr Hauptsitz, Sie haben ein Büro in Hong Kong für die APAC-Expansion – welchen Stellenwert hat die Schweiz als Kapitalmarkt für Mikrofinanzierungen im Vergleich zu Luxemburg, London oder Singapur?

Die Schweiz ist für Mikrofinanzierungen ein wichtiger Kapitalmarkt, weil Investoren hier genau hinschauen. Sie fragen nicht nur nach der Zielrendite. Sie wollen wissen, wie ein Produkt strukturiert ist, welche Kosten anfallen, wie Währungsrisiken kontrolliert werden und wie die Wirkung gemessen wird. Das passt gut zu einer Anlageklasse, die erklärungsbedürftig ist.

«Die Schweiz ist für Mikrofinanzierungen ein wichtiger Kapitalmarkt, weil Investoren hier genau hinschauen.»

Luxemburg bleibt als Hauptsitz und Strukturierungsstandort zentral. London und Singapur spielen je nach Investorensegment als internationale Finanzplätze eine Rolle. Hong Kong steht im Unternehmenskontext für die APAC-Präsenz. Eine quantitative Rangfolge der Standorte sollte man nur mit freigegebenen Zahlen zur Kapitalherkunft nennen. Qualitativ ist die Schweiz aber klar relevant: vor allem für professionelle Investoren und Family Offices, die Diversifikation suchen, aber keine Black Box akzeptieren.

Welche Projekte oder strategischen Initiativen beschäftigen Sie als CEO derzeit am intensivsten?

Mich beschäftigen derzeit vor allem drei Themen. Erstens: Wachstum, ohne die Kreditqualität zu verwässern. Im Kreditgeschäft ist mehr Volumen nicht automatisch besser. Wenn Prüfung, Kontrolle und lokale Prozesse nicht mithalten, steigt das Risiko schneller als das verwaltete Vermögen.

Zweitens geht es um den Zugang zum Kapitalmarkt, einschliesslich tokenisierter Bond-Strukturen, sofern sie reguliert und für Investoren verständlich umgesetzt werden.

Drittens arbeiten wir an Impact-Messung, ESG-Standards und Governance. Investoren wollen heute nicht nur eine Renditezahl sehen. Sie wollen verstehen, wie diese Rendite entsteht: in welchen Ländern, mit welchen Kreditrisiken, welchen Kosten, welcher Währungsabsicherung und welcher messbaren Wirkung. Genau dort liegt die nächste Professionalisierungsstufe.


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