von Sandra Willmeroth
Moneycab.com: Herr Prader, die Bank konnte den Jahresgewinn trotz eines deutlich rückläufigen Zinsertrags leicht steigern. Was waren die wichtigsten Faktoren, die dieses positive Ergebnis in einem anspruchsvollen Umfeld ermöglicht haben?
Duri Prader: Wesentlich war, dass wir den Minderertrag aus dem Zinsgeschäft mit Mehreinnahmen aus den anderen Bereichen kompensieren konnten. Als Bank achten wir sehr darauf, dass wir gut diversifizierte Ertragsströme haben. Das macht unser Geschäftsmodel stabiler. Rund 50 Prozent unserer Bruttoerträge stammen aus dem Anlagegeschäft, je etwa 20 Prozent von den Immobilien und dem Zinsgeschäft und rund 10 Prozent aus dem Handel.
Besonders stark gewachsen ist das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, das um 14,9 Prozent auf 32,91 Millionen Franken zulegte. Welche Kundensegmente oder Dienstleistungen haben dieses Wachstum am stärksten getragen?
Allgemein können wir festhalten, dass unsere verwalteten Vermögen um 11,4 Prozent gewachsen sind. Das höhere Volumen führt selbstredend zu besseren Erträgen. Neugeld konnten wir sowohl im Private Banking als auch im Vorsorgegeschäft anziehen. Die gute Performance unserer Vermögensverwaltungs- und Anlagemandate sorgte zudem zusätzlich für Wachstum.
Gleichzeitig ist der Brutto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft um 25,9 Prozent zurückgegangen. Wie stark belastet dieser Rückgang das Gesamtergebnis – und welche Massnahmen haben Sie ergriffen, um diese Entwicklung abzufedern?
Als Bank verdienen wir besser, wenn die Zinsen höher sind. Als wir das Budget für das Geschäftsjahr 2025 erstellt hatten, sind wir davon ausgegangen, dass der Leitzins in der Schweiz ab Herbst wieder bei null sein wird. Das traf ein Quartal früher ein, aber wir erreichten trotzdem ziemlich genau den budgetierten Zinsertrag. Im laufenden Jahr gehen wir von einem weiteren Rückgang der Zinserträge aus. Wir wollen aber nicht mit mehr Kreditvolumen diese Mindererträge kompensieren, sondern wiederum mit zusätzlichem Geschäft in den anderen Bereichen. Die Stabilität unserer Bilanz geht der Ertragsoptimierung vor.
«Im laufenden Jahr gehen wir von einem weiteren Rückgang der Zinserträge aus. Wir wollen aber nicht mit mehr Kreditvolumen diese Mindererträge kompensieren, sondern wiederum mit zusätzlichem Geschäft in den anderen Bereichen.»
Duri Prader, CEO Lienhardt & Partner Privatbank Zürich AG
Auffällig ist die gegenläufige Kostenentwicklung: Der Personalaufwand ist gesunken, während der Sachaufwand aufgrund von Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung um 34,8 Prozent gestiegen ist. Wie beurteilen Sie diese Kostenstruktur und deren Nachhaltigkeit?
Wir achten auf ein striktes Kostenmanagement. Das lässt sich am besten verstehen, wenn wir uns auf die Gründung unserer Bank zurückbesinnen. Unsere heutige Privatbank wurde 1868 als Gewerbebank Zürich gegründet. Man verstand sich selbstredend als Bank der Gewerbetreibenden. Bodenständigkeit und Bescheidenheit war von zentraler Bedeutung. Dieses Selbstverständnis pflegen wir bis heute. Durch dasnachhaltige Wachstum über die letzten Jahre kommen wir aber nicht darum herum, substanziell in unsre Infrastruktur und die Digitalisierung zu investieren. Wir sind überzeugt, dass sich die Investitionen längerfristig auszahlen werden.
Der operative Geschäftserfolg liegt bei 20,59 Millionen Franken, die Cost-Income-Ratio bei 59,1 Prozent. Wie zufrieden sind Sie mit dieser operativen Performance im Vergleich zum Markt und zu Ihren eigenen Zielwerten?
Wir bewegen uns in der Regel um eine Cost-Income-Ratio von 60 Prozent. Unser Geschäftsmodel ist aber einzigartig und lässt sich schwerlich mit anderen Banken oder Privatbanken vergleichen. Gut geführte Sparkassen und Kantonalbanken liegen regelmässig unter 50 Prozent, Privatbanken häufig über 70 oder sogar über 80 Prozent. Wir befinden uns ziemlich genau in der Mitte. Das passt zu unserem Geschäftsmodel und unseren Zielwerten.
Sie planen in den kommenden Jahren steigende Investitionen in Personal, IT-Infrastruktur und die Sanierung von Immobilien. Welche strategischen Prioritäten setzen Sie dabei – und welche konkreten Verbesserungen erwarten Sie für Kunden und Mitarbeitende?
Strategisch sind die Prioritäten klar bei den Mitarbeitenden und der IT-Infrastruktur. Eine Bank besteht aus diesen zwei zentralen Kostenblöcken. Die Investitionen in unseren Immobilienbestand hat hingegen mit dem Lebenszyklus der Liegenschaften zu tun und ist weniger strategischer Natur.
Ihr Geschäftsmodell basiert auf den drei Säulen Private Banking, Immobilien und Vorsorge. Wie entwickeln sich diese Bereiche aktuell – und wo sehen Sie die grössten Wachstumschancen für die nächsten Jahre?
Unser Geschäftsmodel richtet sich nach der Struktur der Vermögen unserer Kunden. Dieses besteht in der Regel aus Bankvermögen, Immobilien und Vorsorgeguthaben. Entsprechend führen wir die Bereiche Private Banking, Immobilien und Vorsorge. Im Private Banking sind wir eine Alternative zu den grossen Instituten und bieten verständliche und transparente Dienstleistungen an. Bei den Immobilen sind wir ein erstklassiger Anbieter in der Bewirtschaftung und Vermittlung von Immobilien. In der Vorsorge schliesslich sind wir ein B2B2C Anbieter, der eine Banking-as-a-Service Plattform (BaaS) betreibt. Wir bieten insbesondere Versicherungsgesellschaften integrierte Anlage- und Stiftungslösungen an wie 3a, 3b und FZ-Produkte. Wachstum sehe wir in allen drei Einheiten, aber der Fokus liegt klar beim Private Banking und bei der Vorsorge.
Die Bank weist eine sehr starke Kapitalisierung mit einer Gesamtkapitalquote von 26,1 Prozent und einer Leverage Ratio von 13,3 Prozent aus. Wie nutzen Sie diese Stärke strategisch, um sich im Schweizer Bankenmarkt weiter zu positionieren?
Wir haben in der Tat eine erstklassige Bilanz. Wenn Sie unsere Kennzahlen beispielsweise mit den Bilanzen systemrelevanter Banken in der Schweiz vergleichen, dann stellen Sie fest, dass wir faktisch überkapitalisiert sind. Für uns ist es wichtig, dass es keinerlei Zweifel oder Bedenken gibt bezüglich unserer Bonität. Diesen Komfort und diese Sicherheit schulden wir unseren Kunden. Sie sollen alle gut schlafen können.
Sie sprechen von einem Geschäftsjahr, das von geopolitischen Unsicherheiten geprägt war. Wie wirken sich diese globalen Spannungen auf das Verhalten Ihrer Kundinnen und Kunden aus – und wie stellen Sie die Bank darauf ein?
Alles deutet darauf hin, dass wir uns von einer multilateralen zu einer unilateralen Ordnung bewegen. Das ist grundsätzlich kein Vorteil für ein kleines Land, wenn man mit den Grossen und Mächtigen im Wettbewerb steht. Wir betreiben unser Geschäft aber operativ nur in der Schweiz. Insofern trifft uns diese Entwicklung nur indirekt über unsere Anlagepolitik. Hier denken wir langfristig. Im Iran und in der Ukraine herrscht zurzeit Krieg, was immer eine humanitäre Tragödie ist. Aber Aktienmärkte sind kaltherzig und rational. Solange Konflikte regional bleiben, beeinflussen sie die globalen Handelsströme nicht gravierend, führen kaum zu einer Rezession der Weltwirtschaft und entsprechend auch nicht zu einer Baisse an den Börsen. Für eine gute Anlageperformance ist nicht «Market Timing», sondern «Time in the Market» entscheidend. Das Aushalten der Marktschwankungen ist mitunter der Preis für den angestrebten Anlageerfolg.
«Aktienmärkte sind kaltherzig und rational. Solange Konflikte regional bleiben, beeinflussen sie die globalen Handelsströme nicht gravierend, führen kaum zu einer Rezession der Weltwirtschaft und entsprechend auch nicht zu einer Baisse an den Börsen.»
Die Kommissionen aus dem Immobiliengeschäft sind um 17,4 Prozent gestiegen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage im Zürcher Immobilienmarkt – und welche Trends prägen Ihre Beratung in diesem Segment?
Der Immobilienmarkt in der Region Zürich beurteilen wir unverändert positiv. Sollten die Zinsen wieder in den negativen Bereich abgleiten, was wir nicht ausschliessen, dann sehen wir bei den Bewertungen zusätzliches Potential. Immobilien haben den Vorteil, dass sie per se keine negative Rendite erzielen, solange kein aufgestauter Unterhaltsbedarf und kein Leerstand bestehen. Die Erklärung ergibt sich aus dem simplen Umstand, dass Mieterträge stets höher sind als der ordentliche Unterhalt. Immobilien sollten daher in einem Negativzinsumfeld als Anlageklasse mit einer Prämie bewertet werden.
Das tiefere Zinsumfeld hat zu deutlich gesunkenen Zins- und Diskonterträgen geführt. Wie verändert diese Situation die Wettbewerbsdynamik im Schweizer Bankenmarkt – und welche Rolle spielt Beratung in einem Umfeld niedriger Zinsmargen?
Ein Null- oder Negativzinsumfeld führt im Kreditgeschäft dazu, dass Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften wieder vermehrt im Hypothekargeschäft tätig werden, was generell zu einem Margendruck in der Branche führt. Häufig besteht dann für Banken die Versuchung, mit mehr Volumen die Mindererträge zu kompensieren. Das erhöht grundsätzlich die Risken im Bankensektor. Im Anlagegeschäft führt die Situation dazu, dass ein klassisch ausgewogenes Portfolio mit Aktien und Obligationen wenig zielführend ist. Die Tendenz besteht dann, dass Kunden mehr Risiken in Kauf nehmen als eigentlich gewünscht. Das bedarf umsichtiger Beratung. Sonst führt das zu Verdruss.
«Wenn KI zukünftig aus unstrukturierten Datenmengen intelligente Schlussfolgerungen ziehen kann, dann führt das nicht nur zu einer Neuorganisation der Arbeitswelt, sondern auch zu einer ganz neuen Infrastruktur.»
Lienhardt & Partner gibt es seit 1868. Wie $ gelingt es Ihnen persönlich, diese lange Tradition mit der Notwendigkeit zu verbinden, die Bank in eine zunehmend digitale Zukunft zu führen?
Eine lange Tradition kann man nur haben, wenn man sich nicht nur über das kommende Jahr Gedanken macht, sondern sich immer wieder die Frage stellt, wo man in fünf Jahren noch ein Mehrwert für Kundinnen und Kunden erwirtschaften kann. Insofern steht Tradition nicht im Widerspruch zu Innovation. Die Zukunft ist nie klar. Auch in der heutigen Zeit bestehen bekanntlich gewichtige Herausforderungen und Chancen. Wenn KI zukünftig aus unstrukturierten Datenmengen intelligente Schlussfolgerungen ziehen kann, dann führt das nicht nur zu einer Neuorganisation der Arbeitswelt, sondern auch zu einer ganz neuen Infrastruktur. Aus heutiger Sicht weiss ich nur, dass es mit Sicherheit spannend werden wird.
