Eric Blattmann, Head of Public Distribution Financial Products Bank Vontobel AG

Eric Blattmann, Head of Public Distribution Financial Products, der Bank Vontobel AG

Von Dieter Haas, Derivative Partners AG, www.payoff.ch.

payoff im Gespräch mit Eric Blattmann, Head of Public Distribution Financial Products bei der Bank Vontobel AG, über die CLC-Offensive, die Vorteile dieses Produkttyps, die Favoriten der Anleger, Kostenüberlegungen sowie neue Einsatzfelder.

payoff: Was gab den Ausschlag für ihre im vergangenen Jahr ausgelöste Offensive in diesem 2012 von der Commerzbank im grossen Stile lancierten Produkttyp?

Eric Blattmann: Es handelte sich um das sogenannte «missing piece». Mit der Aufnahme von CLCs in unsere Produktpalette haben wir unser Hebelsegment letztlich vervollständigt.

Welches ist aus Ihrer Sicht der grösste Vorteil der CLCs im Vergleich zu den Warrants, den Mini-Futures und den Knock-out-Warrants?

Im Gegensatz zu Warrants ist ihre Laufzeit unbegrenzt und die Volatilität des Basiswerts übt währenddessen keinen Einfluss auf ihre Preisfindung aus. Auch bleibt ihr Hebel – der Faktor – im Zeitablauf konstant, damit heben sich Faktor-Zertifikate ebenfalls von Knock-out-Produkten ab. Und der Anleger muss bei seiner Investition keine Knock-out-Barriere beachten. Im Vergleich zu allen dreien ist es der konstant bleibende Hebel, der den grossen Vorteil gegenüber den anderen Hebelprodukten ausmacht.

Für welches Marktszenario bietet der Einsatz eines CLC die besten Gewinnchancen unter Hebelprodukten mit vergleichbaren Hebeleffekten?

Das ist der Fall, wenn ein stabiler Kurstrend vorliegt. Das bedeutet, die Kursrichtung kann positiv oder negativ sein und muss einem stabilen Pfad folgen.

Was würden Sie Anlegern mit auf den Weg geben, die noch nie mit Faktor-Zertifikaten gehandelt haben?

Das Wichtigste ist, dass man eine Marktmeinung hat, eine Erwartungshaltung über den potenziellen Verlauf der Märkte in einem bestimmten Zeitraum. Dann sollte man sich unbedingt Gedanken über seine Risikobereitschaft machen und sich überlegen, wie viel Verlust man akzeptieren möchte. Wenn nun ein Anleger zu dem Schluss kommt, dass sich ein starker Trend in einem bestimmten Basiswert herausgebildet hat, sollte er sich vor dem Einsatz von Faktor-Zertifikaten sehr genau über die Funktionsweise sowie die Chancen und Risiken dieser Finanzinstrumente informieren.

«Die Long CLCs mit einem Faktor von 10 und 12 auf den SMI resp. DAX zogen im bisherigen Jahresverlauf die grösste Nachfrage auf sich.»

Wo legen Sie Ihre Schwerpunkte und gehen bewusst keine Überschneidungen zum wichtigsten Konkurrenten ein?

Wir sind kein Nischen-, sondern ein Gesamtanbieter und möchten daher keine Schwerpunkte legen.

Gibt es noch weisse Flecken auf der Landkarte der CLCs in ihren angestammten Bereichen Aktien, Aktienindizes und Edelmetalle?

Schliesslich wollen wir unseren Kunden dasselbe Basiswertuniversum bei CLCs wie in unseren anderen Hebelproduktkategorien anzubieten.

Sie offerieren im Durchschnitt deutlich aggressivere Hebel als die Konkurrenz. Was waren Ihre Überlegungen?

Wir wollen unseren Kunden eine möglichst breite Palette bieten. Zudem sehen wir auch eine Nachfrage nach hohen Faktoren.

Planen Sie eine Dekotierung von CLCs, deren Kurse auf unattraktive Niveaus gefallen sind?

Geplant sind derzeit keine Dekodierungen von CLCs. Fällt jedoch ein Index eines Referenzwerts auf ein sehr tiefes Niveau, wird eine Kündigung und eine anschliessende Dekotierung ausgelöst. Welches Indexniveau dafür relevant ist, ist abhängig vom Leverage-Faktor sowie vom jeweiligen Referenzwert. Ein generell gültiger Wert gibt es nicht. Falls es zu einer Kündigung kommen würde, wird mindestens fünf Tage vor dem Kündigungstag eine Mitteilung gemacht. Der Kündigungstag ist jeweils der letzte Bankarbeitstag am Ende eines Kalendermonats. Im Anschluss vervollständigen wir unsere Palette grundsätzlich wieder und lancieren einen neuen Index und die entsprechenden CLC darauf.

Die Bank Vontobel verrechnet im Schnitt die höheren jährlichen Indexgebühren als ihr schärfster Konkurrenz Commerzbank. Was sind die Gründe für die Differenzen?

Was die Vontobel CLC auszeichnet, ist die transparente und nachvollziehbare Struktur dank des zugrunde liegenden Factor-Index. Jedem Faktorzertifikat liegt ein eigens bei der SIX registrierter Index zugrunde. Wir haben in diesem Zusammenhang ein spezielles Factor-Index-Portal (https://indices.vontobel.com) eingerichtet. Über das Indexportal lassen sich weitergehende detaillierte Informationen zur Entwicklung und Ausgestaltung der verschiedenen Factor-Indizes einfach und schnell abrufen. Da sich so viele relevante Indexinformationen schnell finden lassen, sind eine einfache Orientierung und eine gute Nachvollziehbarkeit gewährleistet.

Welche drei CLCs zogen im bisherigen Jahresverlauf die grösste Nachfrage auf sich?

Das sind Long CLCs mit einem Faktor von 10 und 12 auf den SMI resp. DAX.

Welche CLCs der Bank waren 2015 von einer untertägigen Indexanpassung betroffen?

Da gibt es ein paar davon. Vor allem am 15. Januar mit dem SNB-Entscheid, die Euro-Untergrenze aufzugeben, hatten wir einige untertägige Indexanpassungen.

Im Unterschied zur Commerzbank haben Sie bislang keine CLCs auf Zinsen, Rohstoffe (ex Edelmetalle) und alternative Basiswerte (Volatilität) emittiert. Planen Sie in den kommenden Monaten einen Ausbau Ihres Spektrums?

Wir planen in den nächsten Wochen CLCs auf Commodity Futures zu emittieren.

«Wir wollen unseren Kunden bei CLCs dasselbe Basiswertuniversum anbieten wie in unseren anderen  Hebelproduktkategorien.»

Werden CLCs anderen gehebelten Produkten den Rang ablaufen?

Ich denke nicht, dass sie den anderen Hebelprodukten den Rang ablaufen werden. Schliesslich sind sie nicht ein Ersatz für bestehende Hebelprodukte, sondern eine gute Ergänzung, und sie vervollständigen somit das Hebelsegment.

 Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

Der Gesprächspartner:
Eric Blattmann ist Leiter Public Distribution Financial Products bei der Bank Vontobel AG. Er hat einen Abschluss in Betriebsökonomie an der Universität St. Gallen (lic. oec. HSG) mit Vertiefungsrichtung «Finance & Capital Markets». Während des Studiums war er 1997 Mitgründer von Wasescha & Blattmann Research GmbH, die heute als Derivative Partners Holding AG in Zürich firmiert und sich auf bankenunabhängige Analysen und Beratung für Strukturierte Produkte spezialisiert hat. 2004 verliess Blattmann die Firma und übernahm die Position des Head Public Distribution Switzerland im Investmentbanking bei der ABN AMRO Bank. Danach wechselte er zu Merrill Lynch Capital Markets. Seit 2009 zeichnet er als Leiter Public Distribution Financial Products für den öffentlichen Vertrieb von Strukturierten Produkten bei der Bank Vontobel AG verantwortlich.

 

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