Fabio Plebani, Chief International Officer idealo, im Interview

Fabio Plebani,

Fabio Plebani, Chief International Officer idealo. (Foto: idealo internet GmbH (c) Annette-Koroll)

von Patrick Gunti

Anfang 2027 startet idealo in der Schweiz. Der deutsche Preisvergleichsdienst sieht in dem kaufkräftigen, digital versierten Markt Raum für eine Plattform mit lokalen Händlern und Angeboten aus dem Ausland. Doch die Konkurrenz ist etabliert, und auch die Produktsuche verändert sich: Immer häufiger helfen KI-Assistenten bei der Kaufentscheidung. Im Interview erklärt Fabio Plebani, wie idealo Schweizer Besonderheiten bei Preisen, Versand und Zoll berücksichtigen will, weshalb verlässliche Produktdaten für KI-Anwendungen wichtig sind und welche Rolle unabhängige Preisvergleiche künftig noch spielen können.

Moneycab.com: Herr Plebani, idealo ist seit mehr als 25 Jahren im europäischen E-Commerce tätig. Anfang 2027 kommt die Schweiz hinzu. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für den Markteintritt?

Fabio Plebani: idealo wächst seit Jahren profitabel. Diese Basis gibt uns den Spielraum, in neue Märkte zu investieren. Die Schweiz ist einer der digital reifsten Märkte Europas. Wir möchten als Produktpreisvergleich unterstützen, der eine grosse Bandbreite an Produktkategorien und eine vielfältige Angebotsauswahl abbildet. Gleichzeitig verändert sich der Handel gerade grundlegend. KI-Assistenten mischen sich in die Produktsuche ein. Wer jetzt mit verlässlichen Preis- und Produktdaten klar Position bezieht, sichert sich eine Rolle für die kommenden Jahre.

Die Schweiz ist ein vergleichsweise kleiner, aber kaufkräftiger und bereits stark digitalisierter Markt. Was macht ihn für idealo besonders attraktiv?

Die Schweizer Bevölkerung shoppt intensiv online und informiert sich dabei häufig über Suchmaschinen und einzelne Onlineshops. Preisvergleichsportale spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle. Diese Ausgangslage, kombiniert mit hoher Kaufkraft und digitaler Reife, macht den Schweizer Markt für uns besonders attraktiv.

«KI-Assistenten mischen sich in die Produktsuche ein. Wer jetzt mit verlässlichen Preis- und Produktdaten klar Position bezieht, sichert sich eine Rolle für die kommenden Jahre.»
Fabio Plebani, Chief International Officer idealo

idealo will in der Schweiz nicht einfach eine weitere Länderwebsite aufschalten, sondern eine langfristig bedeutende Position im E-Commerce aufbauen. Was bedeutet das konkret – und wie gross sind Ihre Ambitionen?

Wir bauen idealo.ch von Grund auf für den Schweizer Markt auf – mit lokalen Händlern, landesspezifischen Zahlungs- und Versandinformationen und einer individuellen Redaktion. Wir wollen die erste Anlaufstelle sein, wenn Menschen in der Schweiz eine Kaufentscheidung treffen. Langfristig sehen wir idealo.ch als festen Bestandteil des Schweizer Onlinehandels. So, wie es idealo bereits in vielen anderen Ländern in Europa ist.

idealo spricht von einem speziell auf die Schweiz zugeschnittenen Vergleichserlebnis. Was muss man hier anders machen als beispielsweise in Deutschland oder Österreich?

Die Schweiz hat eigene Marktbesonderheiten: mehrere Landessprachen, den Franken als Währung, spezifische Zollregeln beim Einkauf im Ausland und eine eigene Händlerlandschaft. Eine unveränderte Übertragung des deutschen Modells würde diesen Eigenheiten nicht gerecht. Deshalb passen wir Händlerauswahl und Produktkategorien gezielt an das Schweizer Kaufverhalten an, statt ein bestehendes Modell einfach zu übertragen.

«Unser Anspruch ist es, den Schweizer Markt umfassend abzubilden. Dafür wollen wir mit einer Vielfalt an Händlern zusammenarbeiten und ein breites Angebot für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen.»

Welche Bedeutung haben lokale Händler für den Start? Müssen Digitec Galaxus, Brack oder andere grosse Schweizer Anbieter auf idealo vertreten sein, damit die Plattform für die Konsumenten wirklich attraktiv wird?

Lokale Händler sowie bereits bestehende Partner spielen für uns eine zentrale Rolle. Ein Preisvergleich lebt von der Breite und Relevanz seines Angebots. Zum Marktstart bauen wir unser Händlernetzwerk in der Schweiz gezielt auf und erweitern es kontinuierlich. Gleichzeitig ist idealo als Produktpreisvergleich grundsätzlich offen für Händler jeder Grösse. Unser Anspruch ist es, den Schweizer Markt umfassend abzubilden. Dafür wollen wir mit einer Vielfalt an Händlern zusammenarbeiten und ein breites Angebot für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen.

Mit bestehenden Preisvergleichsportalen trifft idealo in der Schweiz nicht auf einen unbesetzten Markt. Worin soll für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten der konkrete Mehrwert von idealo liegen?

Der Unterschied liegt in unserer Unabhängigkeit und der Breite unseres Angebots. Allein in Deutschland listet idealo rund 50.000 Händler mit mehr als 606 Millionen Angeboten und deckt nahezu alle relevanten Produktkategorien ab. Wir verkaufen selbst keine Produkte, sondern schaffen Transparenz über Händler und Preise. Wer bei uns vergleicht, erhält einen breiten Überblick über die am Markt verfügbaren Preise und Angebote, statt nur das Angebot eines einzelnen Anbieters zu sehen.

Die Schweiz ist zudem ein ausgeprägter grenzüberschreitender Einkaufsmarkt. Werden auf idealo.ch auch Angebote aus Deutschland oder anderen Ländern erscheinen, zum Beispiel Amazon?

Ja, grenzüberschreitendes Einkaufen gehört für viele Menschen in der Schweiz zum Alltag. idealo.ch wird das abbilden. Wir zeigen Angebote von Händlern ausserhalb der Landesgrenze, sofern sie in die Schweiz liefern und weisen zusätzliche Kosten wie Versand oder Zoll transparent aus. So sieht man den Gesamtpreis inklusive der ausgewiesenen Zusatzkosten und kann entscheiden, ob sich ein Einkauf im Ausland lohnt. Dabei profitieren wir von unserer Präsenz in unseren bestehenden Märkten Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Frankreich und Grossbritannien. Wir können auch dort verfügbare Angebote und Preise abbilden und so einen Überblick über Preise jenseits des heimischen Marktes ermöglichen.

«Wir zeigen Angebote von Händlern ausserhalb der Landesgrenze, sofern sie in die Schweiz liefern und weisen zusätzliche Kosten wie Versand oder Zoll transparent aus.»

2025 war nach eigenen Angaben für idealo das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. Gerade die internationalen Märkte verzeichneten beim Black Friday deutlich höhere Wachstumsraten als Deutschland. Ist weiteres Wachstum inzwischen vor allem ausserhalb des Heimatmarktes zu erwarten?

Unsere internationalen Märkte wachsen derzeit besonders dynamisch. Gleichzeitig entwickelt sich auch unser Heimatmarkt Deutschland weiterhin profitabel. Internationalisierung ist ein zentraler Bestandteil unserer langfristigen Strategie. Wir wollen idealo zu einem noch stärkeren europäischen Commerce Player entwickeln und unsere Stärken im Preisvergleich, bei Commerce-Daten und in der Zusammenarbeit mit Händlern in weitere Märkte bringen. Dabei konzentrieren wir uns auf Märkte, in denen wir mit einem breiten Produktkatalog und umfassender Preistransparenz einen echten Mehrwert schaffen können. Die Markteintritte in die Schweiz und nach Irland sind daher die logische Konsequenz.

Seit März 2026 ist idealo mit einer eigenen App in ChatGPT integriert. Wenn Konsumenten Produkte künftig direkt mit einer KI suchen und vergleichen können: Braucht es langfristig überhaupt noch klassische Preisvergleichsportale?

Das Suchverhalten kann sich mit der Zeit verändern, der Bedarf an verlässlichen Daten dahinter nicht. Eine KI kann nur so gut vergleichen, wie die Daten sind, auf die sie zugreift. Gerade bei Kaufentscheidungen sind Vertrauen, verlässliche Produkt- und Preisdaten sowie die Seriosität der angebundenen Shops entscheidend. Faktoren, die wir durch geprüfte Daten und vertrauenswürdige Quellen sicherstellen. Wie künftig gesucht wird, wird sich wandeln, die Notwendigkeit von Transparenz nicht.

«Das Suchverhalten kann sich mit der Zeit verändern, der Bedarf an verlässlichen Daten dahinter nicht. Eine KI kann nur so gut vergleichen, wie die Daten sind, auf die sie zugreift.»

Könnte idealo sich dadurch vom Preisvergleichsportal zu einer Art Daten- und Commerce-Infrastruktur entwickeln, deren Produkt- und Preisdaten im Hintergrund von KI-Assistenten genutzt werden?

Wir bewegen uns nicht vom Preisvergleich weg, und unser Geschäftsmodell bleibt unverändert. Was sich verändert, sind Technologie und Nutzerverhalten. Darauf reagieren wir. Unser Anspruch ist, Menschen auch künftig dort zu erreichen, wo sie Produkte suchen, Preise vergleichen und shoppen. Wenn KI-Assistenten dabei eine größere Rolle spielen, wollen wir auch über diese mit unseren verlässlichen Produkt- und Preisdaten präsent sein. Unsere eigenen Plattformen bleiben dabei im Fokus. Die Integration in KI-Assistenten ergänzt sie um einen neuen Zugang zu unseren Services.

Wenn die Produktsuche über ChatGPT oder andere KI-Systeme stattfindet, wer besitzt am Ende den direkten Zugang zum Konsumenten – idealo oder der KI-Anbieter?

Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf unseren eigenen Plattformen und dem direkten Kontakt zu unseren Usern. Schon heute erreichen uns viele Menschen über andere Kanäle, etwa über klassische Suchmaschinen. Mit KI-Assistenten entstehen nun weitere Touchpoints. Entscheidend ist für uns, auf Veränderungen im Nutzerverhalten zu reagieren und mit unseren Services dort präsent zu sein, wo Menschen Produkte suchen und Preise vergleichen.

Amazon, Google, grosse Marktplätze und nun auch KI-Assistenten konkurrieren um den Moment, in dem die Kaufentscheidung fällt. Welche Rolle kann ein unabhängiger Preisvergleich wie idealo in diesem Umfeld in fünf Jahren spielen?

Je stärker sich die Produktsuche verändert und auf unterschiedliche Plattformen und KI-Assistenten verteilt, desto wichtiger werden Transparenz, Vergleichbarkeit und ein offener Zugang zum digitalen Handel. Genau darin sehen wir auch in fünf Jahren die Rolle von idealo. Wir schaffen einen transparenten Überblick über Produkte, Preise und Händler und bringen kaufbereite Konsumentinnen und Konsumenten mit Online-Händlern zusammen. So schaffen wir einen Mehrwert für alle und tragen zugleich zu Vielfalt und Wettbewerb im Schweizer E-Commerce bei.

Über idealo
idealo (idealo internet GmbH) ist eine 2000 in Berlin gegründete Preisvergleichsplattform, seit 2004 in Österreich aktiv und Mitglied im Handelsverband. Mit Millionen Angeboten tausender geprüfter Händler in Österreich hilft idealo Menschen dabei, Produkte und Preise unabhängig zu vergleichen. idealo ist in insgesamt sechs Ländern aktiv (Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Grossbritannien) und zählt zu den führenden Produktpreisvergleichsplattformen Europas. 2027 kommen die Schweiz und Irland dazu.

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