Gerald Klinck, CEO und CFO Peach Property, im Interview

Gerald Klinck

Gerald Klinck ist Chief Executive Officer und Chief Financial Officer der Peach Property Group. (Foto: zvg/mc)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Klinck, Peach Property hat in den vergangenen zwei Jahren tiefgreifende Veränderungen beim Immobilienbestand und bei der Finanzierung vorgenommen. Würden Sie sagen, dass der Turnaround inzwischen geschafft ist?

Gerald Klinck: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren entscheidende Voraussetzungen für einen nachhaltigen Turnaround geschaffen. Insgesamt haben wir knapp EUR 1 Mrd. an Krediten refinanziert, verlängert oder zurückgeführt, die Bilanz stabilisiert und den Immobilienbestand klar auf das Strategic Portfolio ausgerichtet.
Die Fortschritte werden inzwischen auch operativ sichtbar. Die Like-for-like-Nettomieteinnahmen des Strategic Portfolios stiegen im ersten Halbjahr um 5,1 % auf EUR 42,4 Mio., während wir die Leerstandsquote von 6,3 % auf 3,3 % reduzieren konnten. Vor zwei Jahren standen Refinanzierung und Bilanzstabilisierung im Mittelpunkt. Heute sprechen wir über Mietwachstum, Leerstand und weitere operative Verbesserungen. Das zeigt, wie stark sich die Ausgangslage verändert hat.

Das operative Ergebnis hat sich im ersten Halbjahr deutlich verbessert. Unter dem Strich steht aber weiterhin ein Verlust von 3,6 Mio. Euro. Was fehlt noch, damit Peach Property auch insgesamt wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreibt?

Der Verlust nach IFRS hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von EUR 9,6 Mio. auf EUR 3,6 Mio. deutlich reduziert. Das IFRS-Ergebnis ist allerdings nur bedingt aussagekräftig, da es zahlreiche nicht zahlungswirksame Effekte enthält, etwa Abwertungen im Zusammenhang mit Verkäufen. Deshalb fokussieren wir auf die operativen Kennzahlen NOI, Adjusted EBITDA und FFO. Das Adjusted EBITDA ist im ersten Halbjahr um 25 % auf EUR 29,9 Mio. gestiegen. Das zeigt, dass die operative Ertragskraft zunimmt.

Um auch unter dem Strich nachhaltig schwarze Zahlen zu erreichen, müssen wir diesen Weg fortsetzen. Die wesentlichen Hebel sind weiteres Mietwachstum, ein dauerhaft niedriger Leerstand, eine höhere operative Effizienz sowie die weitere Verbesserung des Finanzergebnisses durch den reduzierten Verschuldungsgrad und die langfristigere Finanzierungsstruktur. Auch die vollständige Veräusserung der Non-Strategic Assets wird dazu beitragen. Damit wird die Komplexität in unserem Portfolio weiter reduziert und wir können den Fokus vollständig auf unser Strategic Portfolio richten. All diese Massnahmen werden die Erträge dauerhaft stärken und mittelfristig zu einem positiven operativen Ergebnis führen.

Der Mittelzufluss aus dem laufenden Immobiliengeschäft ist trotz der operativen Verbesserung leicht zurückgegangen. Wie stark wirken hier die Verkäufe von Immobilien und die höheren Finanzierungskosten nach?

Mit den Verkäufen aus dem Non-Strategic Portfolio verzichten wir bewusst auf laufende Erträge dieser Bestände. Im Gegenzug reduzieren wir Schulden, schaffen Liquidität für Investitionen und verbessern die Qualität sowie die Effizienz des verbleibenden Portfolios. Gleichzeitig liegen die Finanzierungskosten aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus über dem Niveau früherer Jahre. Diese Aspekte schlagen sich in den operativen Zahlen nieder. Entscheidend ist dabei allerdings, dass der FFO im ersten Halbjahr mit EUR 8,9 Mio. trotz der Verkäufe annähernd stabil geblieben ist. Damit zeigt sich, dass die operative Verbesserung der strategischen Bestände die wegfallenden Erträge aus dem Non-Strategic Portfolio kompensiert. Wir haben daher die Guidance für 2026 bestätigt; sie liegt auf einem ähnlichen Niveau wie 2025.

«Mit den Verkäufen aus dem Non-Strategic Portfolio verzichten wir bewusst auf laufende Erträge dieser Bestände. Im Gegenzug reduzieren wir Schulden, schaffen Liquidität für Investitionen und verbessern die Qualität sowie die Effizienz des verbleibenden Portfolios.»
Gerald Klinck, CEO und CFO Peach Property

Die Mieteinnahmen aus dem weitergeführten Kernportfolio sind auf vergleichbarer Basis um 5,1 % gestiegen. Welcher Teil dieses Wachstums kommt aus höheren Mieten und welcher aus weniger Leerstand beziehungsweise einer besseren Vermietungsleistung?

Rund ein Drittel des Like-for-like-Mietwachstums entfällt auf den Leerstandsabbau und etwa zwei Drittel auf Fluktuation und Mietanpassungen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete stieg auf EUR 6,68 pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Marktmiete vergleichbarer Bestände liegt bei EUR 7,54 pro Quadratmeter. Daraus ergibt sich auch künftig ein Mietsteigerungspotenzial von rund 13 %, das wir schrittweise realisieren wollen.

Besonders auffällig ist der Rückgang des Leerstands von 6,3 auf 3,3 %. Was haben Sie im Vermietungsmanagement konkret verändert?

Wir haben die Wiedervermietung freier Wohnungen beschleunigt und die operative Steuerung weiter verbessert. Dazu gehören eine gezieltere Vermarktung, ein aktiveres Forderungsmanagement und frühzeitige Investitionen in leerstehende Wohnungen, damit diese dem Markt noch schneller zur Verfügung stehen. Unser Ziel bleibt ein Leerstand von nachhaltig unter 3 % im Strategic Portfolio. Diesem Ziel sind wir in den vergangenen Jahren ein gutes Stück näher gekommen.

«Unser Ziel bleibt ein Leerstand von nachhaltig unter 3 % im Strategic Portfolio. Diesem Ziel sind wir in den vergangenen Jahren ein gutes Stück näher gekommen.»

Parallel zur operativen Verbesserung wollen Sie sich vollständig von den Immobilien trennen, die nicht mehr zum langfristigen Kernbestand gehören. Wie weit sind Sie damit inzwischen, welchen zeitlichen Horizont setzen Sie sich für den Abschluss?

Der im Dezember 2025 vereinbarte Verkauf von rund 2.000 Einheiten wurde im ersten Halbjahr fast vollständig vollzogen. Zusätzlich haben wir 292 Einheiten veräussert und für weitere 359 Einheiten notarielle Kaufverträge abgeschlossen. Das verbleibende Non-Strategic Portfolio umfasst damit rund 3.000 Einheiten mit einem Marktwert von etwa EUR 185 Mio. Unser Ziel bleibt, diese Bestände bis Ende 2027 vollständig zu veräussern. Die verbleibenden Verkäufe erfolgen überwiegend in kleineren Paketen und sind damit operativ anspruchsvoller als die bisherigen Transaktionen. Gleichzeitig stehen wir nicht unter Verkaufsdruck. Die Veräusserungen dienen der weiteren Entschuldung, Investitionen in das Strategic Portfolio sowie zusätzlichen Effizienzgewinnen durch eine stärkere Portfoliokonzentration.

Das Verhältnis zwischen Schulden und Immobilienwert ist innerhalb eines halben Jahres deutlich gesunken. Ist damit beim Schuldenabbau das Wesentliche erreicht?

Der Rückgang des LTV von 49,2 % zum Jahresende 2025 auf 45,2 % zum Ende des ersten Halbjahres 2026 ist ein wesentlicher Fortschritt. Damit haben wir unser Ziel eines LTV von unter 45 % nahezu erreicht.

Es geht heute nicht mehr um eine grundlegende Stabilisierung der Kapitalstruktur, sondern um deren weitere Optimierung. Durch die weiteren Verkäufe werden wir auch künftig das Kreditvolumen reduzieren. Vorgesehen sind Rückführungen von weiteren EUR 124 Mio. sowie EUR 30 Mio. im Zusammenhang mit den Schweizer Liegenschaften und dem Verkauf der Wohneinheiten der Projektentwicklung Peninsula Wädenswil. Neben dem Verhältnis von Krediten zu Immobilienwerten betrachten wir dabei auch die Verschuldung im Verhältnis zur operativen Ertragskraft. Mit dem für 2028 angestrebten Ergebnisniveau soll sich auch diese Kennzahl deutlich verbessern.

«Es geht heute nicht mehr um eine grundlegende Stabilisierung der Kapitalstruktur, sondern um deren weitere Optimierung. Durch die weiteren Verkäufe werden wir auch künftig das Kreditvolumen reduzieren.»

Sie haben im ersten Halbjahr Kredite von rund 170 Mio. Euro zurückgeführt, und die nächste grössere planmässige Kreditfälligkeit steht erst 2028 an. Gleichzeitig haben Sie einen weiteren Teil der Hybridanleihe zurückgekauft. Wie solide ist die Finanzierung von Peach Property heute?

Unsere Finanzierung ist heute langfristig solide aufgestellt. Sämtliche Kredite sind nunmehr grundpfandrechtlich besichert. Anders als in der Vergangenheit basiert unsere Finanzierung damit fast vollständig auf klassischen Immobilienfinanzierungen und verfügt über eine deutlich einfachere Struktur. Der schrittweise Rückkauf unserer Hybridanleihe trägt ebenfalls zu dieser Vereinfachung bei.

Für das Gesamtjahr halten Sie an Ihrer Prognose fest. Welche Faktoren müssen in der zweiten Jahreshälfte zusammenkommen, damit Sie Ihre Ziele erreichen – und wo sehen Sie derzeit die grössten Risiken?

Mit einem FFO von EUR 8,9 Mio. im ersten Halbjahr befinden wir uns auf Kurs für unsere Gesamtjahresprognose von EUR 17 Mio. bis EUR 19 Mio. Voraussetzung ist, dass wir die positive Entwicklung bei Vermietung und Mieteinnahmen fortsetzen, die Kosten weiter konsequent steuern und die vorgesehenen Portfolioverkäufe planmässig umsetzen. Die Prognose setzt dabei keine grundlegende Beschleunigung voraus, sondern im Wesentlichen die Fortsetzung der im ersten Halbjahr erreichten operativen Entwicklung.
Risiken liegen in unseren Augen in externen Faktoren wie dem konjunkturellen und regulatorischen Umfeld oder in einer möglichen erneuten Eintrübung des Immobilien- und Transaktionsmarktes.

Ihre Zielsetzung für 2028 sieht einen stärker fokussierten Immobilienbestand, weniger Schulden und eine deutlich höhere Ertragskraft vor. Wie soll Peach Property Ende 2028 konkret aussehen – und ab welchem Punkt wird aus der heutigen Transformations- und Entschuldungsstory wieder eine Wachstumsstory?

Unsere Target Vision 2028 beschreibt die Peach Property Group als fokussiertes Wohnimmobilienunternehmen mit einem vollständig strategischen Portfolio, einer stabilen Kapitalstruktur und einer deutlich höheren Ertragskraft. 2028 ist dabei kein Endpunkt, sondern eine Stichtagsbetrachtung. Das Jahr soll erstmals zeigen, wie unser Unternehmen ohne die Auswirkungen laufender Portfolioverkäufe aussieht und welche Ertragskraft das vollständig fokussierte Strategic Portfolio entfalten kann. Bis 2028 streben wir eine durchschnittliche Nettokaltmiete von über EUR 7 pro Quadratmeter, einen Leerstand von unter 3 %, einen LTV von unter 45 %, einen FFO von EUR 30 Mio. bis EUR 32 Mio. sowie ein Adjusted EBITDA von EUR 50 Mio. bis EUR 55 Mio. an.

Wohnimmobilien sind ein Geschäft, das stark von Skaleneffekten geprägt ist. Deshalb stellt sich nach Abschluss der Transformation die Frage, welche Struktur langfristig den grössten Wert für die Aktionäre schaffen kann. Genau deshalb prüft der Verwaltungsrat verschiedene strategische Optionen für die weitere Entwicklung von Peach. Welche Option am Ende den grössten Wert schafft, lässt sich heute nicht vorwegnehmen.

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