Ein Privatjet-Erlebnis ohne eigenen Jet: Mit PeakJet verkauft das Schweizer Unternehmen PeakPlus einzelne Sitzplätze auf Flügen mit festen Zeiten und Tarifen. Das Angebot soll den Komfort der Privatfliegerei einem breiteren Publikum zugänglich machen. Im Interview erklärt Gründer und CEO Gianni Tronza, wie das Geschäftsmodell mit bestehenden Flugkapazitäten funktioniert, weshalb der Start im August aus seiner Sicht gelungen ist und welche neuen Destinationen er ins Auge fasst. Zudem spricht er über die Technologie hinter PeakJet, den Vertrieb über Reisebüros und die Perspektiven einer Plattform, die künftig auch andere Mobilitätsanbieter nutzen könnten.
Moneycab.com: Herr Tronza, mit PeakJet wollen Sie das Privatjet-Erlebnis einem breiteren Publikum öffnen. Wie funktioniert das Angebot – und was macht das Reisen damit besonders?
Gianni Tronza: Wir möchten das Privatjet-Erlebnis einer breiteren Kundschaft zugänglich machen. Unsere Passagiere müssen keinen ganzen Jet chartern, sondern können einen einzelnen Sitzplatz buchen – nach einem festen Flugplan und zu einem festen Tarif. Ein weiterer Unterschied ist das Reiseerlebnis. Das Fliegen selbst ist meistens nicht das Problem. Es sind die ganzen Abläufe darum herum, denn eigentlich sind Sie ja nur am Warten und stehen in der Schlange – vom Einchecken, über die Sicherheitskontrolle bis zum Gate und Einsteigen. Bei uns gelangen die Gäste über ein Privatterminal fast direkt zum Flugzeug. Das Gepäck wird gleichzeitig transportiert, der Pilot begrüsst die Passagiere persönlich. Wir möchten, dass die Ferien schon mit der Reise beginnen.
Sie beschreiben ein Reiseerlebnis mit deutlich weniger Wartezeiten. Wen wollen Sie damit vor allem ansprechen?
Unsere Kunden sind zum Beispiel beruflich stark eingespannte Menschen mit wenig Zeit, Besitzer von Zweitwohnungen in Südfrankreich oder auf den Balearen, Unternehmer oder Sportbegeisterte. Wir sprechen Menschen an, die wenig Zeit haben und für ein besseres Reiseerlebnis zu bezahlen bereit sind.
Um dieses Angebot zu ermöglichen, gehen Sie auch beim Betrieb einen anderen Weg: PeakJet besitzt keine eigenen Flugzeuge. Wie funktioniert das?
Wir haben uns gefragt: Warum muss man eigentlich Flugzeuge besitzen, um ein Flugangebot zu vermarkten? Airbnb hat keine eigenen Hotels, Uber keine eigene Taxiflotte. Wir wollen dieses Prinzip auf die Aviatik übertragen. Wir nutzen bereits vorhandene Flugkapazitäten und verbinden sie mit unserer Technologie.
Woher kommen dann die Flugzeuge, in denen Ihre Kunden sitzen?
Unser derzeitiger Partner ist VistaJet, ein grosser Anbieter der Privatfliegerei. Er stellt die Flugzeuge und den operativen Betrieb bereit; wir organisieren das Angebot und vertreiben die Sitzplätze. Das Modell ist aber nicht auf einen Anbieter beschränkt. Wir können weitere Betreiber und unterschiedliche Flugzeuggrössen integrieren. Und wir nutzen dabei immer Kapazitäten, die ohnehin existieren. Gerade in der Privatfliegerei stehen sehr viele Maschinen oft am Boden. Wir können vorhandene Flugzeuge besser auslasten, statt zusätzliche ins System zu bringen.
«Airbnb hat keine eigenen Hotels, Uber keine eigene Taxiflotte. Wir wollen dieses Prinzip auf die Aviatik übertragen. Wir nutzen bereits vorhandene Flugkapazitäten und verbinden sie mit unserer Technologie.»
Gianni Tronza, CEO und Gründer PeakPlus
Damit sind Sie Anfang August auf der Strecke Zürich–Palma gestartet. Wie fällt die Bilanz nach knapp drei Monaten aus?
Wir ziehen eine sehr positive Bilanz. Unser Proof of Concept hat genau so funktioniert, wie wir es geplant hatten – es lief wie ein Schweizer Uhrwerk. Wir hatten weder Verspätungen noch Annullationen. Wir haben bewiesen, dass sich ein kommerzielles Linienangebot mit bestehenden Privatjets und unserer eigenen Technologie zuverlässig umsetzen lässt.
Und wie zufrieden sind Sie mit der Nachfrage und der Auslastung?
Wir haben bewusst im Hochsommer begonnen, wenn die Reisetätigkeit hoch ist. Mit der Auslastung sind wir gemessen an unseren Planungen zufrieden. Mindestens ebenso wichtig war für uns in dieser ersten Phase, dass der gesamte Flugbetrieb nahtlos funktioniert und die Plattform zuverlässig arbeitet. Beides ist gelungen.
Beim Preis wollten Sie offenbar ebenfalls neue Kunden gewinnen. Was hatte es mit dem Einführungstarif von 495 Franken für einen Flug nach Nizza auf sich?
Die 495 Franken waren ein zeitlich begrenzter Einführungstarif, bei dem mindestens zwei Plätze gebucht werden mussten. Wir wollten damit Menschen erreichen, die bisher gar nicht daran gedacht hatten, in einem Privatjet zu fliegen. Warum nicht einmal mit der Familie für ein Wochenende nach Nizza? Wir ermöglichen dieses Erlebnis zu einem fairen Preis. Nach der Einstiegsaktion gelten wieder die regulären Tarife. Wir haben aber auch weitere Angebote wie Familien-, Gruppen- und spezielle Einstiegstarife, um das Erlebnis einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
«Grundsätzlich können wir dort ein Angebot schaffen, wo ein Betreiber uns ein Flugzeug samt Crew zur Verfügung stellt und wo wir eine Nachfrage sehen.»
Welche Destinationen planen Sie als Nächstes – und wonach entscheiden Sie?
Palma und Málaga haben wir saisonal betrieben und möchten sie im nächsten Frühling wieder anbieten. Bei Nizza sehen wir eine ganzjährige Nachfrage, insbesondere von Schweizer Kunden mit Verbindungen nach Südfrankreich. Deshalb haben wir die Frequenz dort erhöht. Auf unserer Liste stehen auch München, Mailand, Paris, Barcelona oder Madrid.
Aber es muss nicht immer ein grosser Flughafen sein. Mit einem kleineren Flugzeug könnten wir etwa nach La Môle bei Saint-Tropez fliegen oder von Saanen, Samedan oder Sion aus starten. Wir können Verbindungen für bestimmte Jahreszeiten, Sport- und Kulturevents oder Unternehmen anbieten. Der grosse Vorteil: Wir müssen keine eigene Flotte permanent auslasten. Grundsätzlich können wir dort ein Angebot schaffen, wo ein Betreiber uns ein Flugzeug samt Crew zur Verfügung stellt und wo wir eine Nachfrage sehen.
Hinter diesem Konzept steht viel Erfahrung in der Luftfahrt. Wie entstand nach Ihren vielen Stationen in der Aviatik die Idee zu PeakPlus/PeakJet?
Ich bin durch und durch Aviatiker. Mein erster Job war bei Crossair unter Moritz Suter, dann ging es über Swissair zu British Airways und American Airlines. Später wechselte ich zu Etihad nach Abu Dhabi. Dort habe ich erlebt, was sich mit grossen finanziellen Mitteln aufbauen lässt. Nach fast 28 Jahren und vielen Stationen im Ausland bin ich in die Schweiz zurückgekehrt. Zusammen mit meinem Mitgründer der PeakPlus-Plattform, Peter Baumgartner, dem ehemaligen CEO von Etihad Airways, betreute ich anschliessend verschiedene Beratungsmandate. Daraus entstand die Idee zu einer Plattform und später zu PeakJet. Wir haben gezielt erfahrene Leute aus der Aviatik und der Technologie zusammengebracht. Das Unternehmen haben wir bewusst in der Schweiz aufgebaut: Hier gibt es viel Know-how in beiden Bereichen.
«Das Entscheidende ist, dass die Plattform nicht nur einen Sitz verkauft. Sie muss auch Sicherheitsinformationen, Abläufe an den Flughäfen und Serviceleistungen korrekt abbilden. Das haben wir neu entwickelt.»
Was kann die Technologieplattform PeakPlus, was herkömmliche Buchungssysteme nicht leisten?
Die traditionellen Reservationssysteme wie Sabre oder Amadeus sind über Jahrzehnte gewachsen. Sie funktionieren, aber sie sind ziemlich starre Gebilde. Wir wollten nicht noch ein solches System bauen, sondern eine moderne Retail-Plattform, die unterschiedliche Betreiber, Strecken und Angebote über Schnittstellen zusammenführt. Damit können wir selbst bestimmen, welche Produkte wir anbieten und wie wir sie vermarkten – statt dass uns das Reservationssystem vorgibt, was möglich ist. Das Entscheidende ist, dass die Plattform nicht nur einen Sitz verkauft. Sie muss auch Sicherheitsinformationen, Abläufe an den Flughäfen und Serviceleistungen korrekt abbilden. Das haben wir neu entwickelt.
Wenn sich damit unterschiedliche Anbieter integrieren lassen: Soll PeakPlus künftig auch unabhängig von PeakJet genutzt werden?
Grundsätzlich ja. Wir können kleinere und mittelgrosse Fluggesellschaften anbinden. Aber wir wollen nicht das Reservationssystem einer grossen Airline ersetzen. Für solche Unternehmen ist ein Wechsel aus den bestehenden Systemen enorm schwierig, und das ist nicht unser gegenwärtiges Ziel. Spannend sind neue Mobilitätsangebote, die noch keine etablierten Vertriebssysteme haben. Dazu gehören elektrisch betriebene Flugtaxis, sogenannte eVTOLs. Wir rechnen damit, dass diese Angebote in den nächsten Jahren auch in Europa aufkommen.
Sie haben PeakJet auch für Reisebüros geöffnet. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Unsere Plattform verfügt über eine API-Schnittstelle. Darüber können Reisebüros direkt auf verfügbare Sitzplätze zugreifen und Buchungen vornehmen. Wir können eigene Tarife und Kommissionen für die Agenturen hinterlegen und die Abrechnung vereinfachen. So öffnen wir einen zusätzlichen Vertriebskanal.
