von Bob Buchheit
Moneycab.com: Herr van der Haegen, Lösungen zur Kühlung von Rechenzentren machten im ersten Halbjahr 2026 etwas mehr als die Hälfte des Belimo-Umsatzwachstum und bald ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Kann das so weiter gehen?
Lars van der Haegen: Rechenzentren bleiben ein attraktiver Wachstumsmarkt. Die Nachfrage wird durch die Digitalisierung und insbesondere durch KI-Anwendungen unterstützt. Wir erwarten weiterhin Wachstum, gehen aber davon aus, dass die Dynamik über die Zeit schwanken kann. Entscheidend ist, dass wir auch in unserem traditionellen HLK-Geschäft (Heizung, Lüftung, Kühlung; A.d.R.) weiterhin solide wachsen.
Ihre RetroFIT+ Initiative hat selbst im klassischen Ersatzbau kräftige Zuwachsraten gezeigt. Ist Global Warming der Haupttreiber?
Der Klimawandel ist sicherlich ein Faktor. Mindestens ebenso wichtig sind aber steigende Energiekosten, regulatorische Anforderungen und der Wunsch von Gebäudeeigentümern, die Leistung bestehender Gebäude zu verbessern. Energieeffizienz entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Argument.
Der Reingewinn stieg im H1 um 23.3% auf CHF 124,9 Millionen Franken gegenüber rund 100 Millionen vor einem Jahr. Das ist vor allem auf das EBIT-Wachstum und ein verbessertes Finanzergebnis zurückzuführen ist. Legen im Moment vor allem Ihre mittlerweile zum Klassiker gewordenen IoT-Geräte (Datenaustausch von Geräten untereinander über das Internet, A.d.R.) zu?
Wir sehen eine breite Nachfrage über unser gesamtes Portfolio hinweg. Mich persönlich freut es sehr, dass Lösungen, welche die Energieeffizienz, Transparenz und digitale Vernetzung kombinieren, im Markt gut ankommen. Dazu gehören beispielsweise Energieventile sowie Sensoren und Zähler.
«Kurzfristig profitiert die deutsche Bauwirtschaft wohl eher von aufgeschobenen Projekten als von einer grundlegenden Trendwende.»
Lars van der Haegen, CEO Belimo
Selbst in Deutschland sind die Investitionen im Bauwesen nach vier Jahren des Rückgangs etwas gestiegen. Ist das der Beginn des Bürokratieabbaus oder liegt es eher am Basiseffekt?
Für eine abschliessende Beurteilung ist es noch zu früh. Wir sehen Stabilisierungstendenzen, gleichzeitig bleibt der Neubaumarkt anspruchsvoll. Kurzfristig profitiert der Markt wohl eher von aufgeschobenen Projekten als von einer grundlegenden Trendwende.
Die starke Dynamik in Asien-Pazifik, plus 58 Prozente in Lokalwährungen auf 94,8 Millionen Franken Umsatz, lässt vermuten, dass dort ein ungeheurer Bedarf besteht…
Asien-Pazifik bleibt für uns eine sehr attraktive Wachstumsregion. Neben Rechenzentren profitieren wir von Investitionen in Infrastruktur, Industrie und energieeffiziente Gebäude. Gleichzeitig gewinnen unsere Marktposition und lokale Präsenz weiter an Stärke.
Wieviel erwarten Sie vom Launch des neuen Energy Valves im H2 2026?
Wir sehen ein grosses Marktpotenzial. Das neue Energy Valve wurde speziell für die Anforderungen moderner Kühlsysteme entwickelt, insbesondere auch in Rechenzentren. Kurzfristig erwarten wir einen positiven Beitrag, wichtiger ist jedoch das langfristige Wachstumspotenzial.
«Das neue Energy Valve wurde speziell für die Anforderungen moderner Kühlsysteme entwickelt, insbesondere auch in Rechenzentren.»
Sensoren und Messsysteme machen erst ein Zwanzigstel des Belimo-Umsatzes aus. Besteht da überdurchschnittliches Wachstumspotenzial?
Ja. Sensoren und Zähler sind ein strategisches Wachstumsfeld für Belimo. Gebäude werden zunehmend digitalisiert, und dafür braucht es verlässliche Daten. Deshalb investieren wir gezielt in den Ausbau unseres Portfolios.
Ihre Nettoverschuldung lag Ende Juni bei 27,7 Millionen und der Eigenfinanzierungsgrad bei 61,2%. Das lässt Ihnen einen grossen Spielraum. Werden Sie ihn auch für Arrondierungskäufe nutzen?
Unsere Bilanz gibt uns grosse strategische Flexibilität. Grundsätzlich prüfen wir laufend Möglichkeiten, die unsere Strategie sinnvoll ergänzen.
Bei einer Rendite auf das eingesetzte Kapital von 41% dürfte es nicht einfach sein gute Zielunternehmen zu finden?
Deshalb verfolgen wir bei Akquisitionen einen sehr disziplinierten Ansatz. Entscheidend ist für uns, dass ein mögliches Unternehmen technologisch, kulturell und strategisch zu Belimo passt.
Die Informatik hat ja schon länger in der Gebäudeklimaregelung Einzug gefunden. Wo geht da langfristig die Reise hin?
Gebäude werden vermehrt vernetzt, datenbasiert und selbstoptimierend betrieben. Künstliche Intelligenz wird helfen, Energieverbrauch, Raumkomfort und Betriebssicherheit weiter zu verbessern.
