Marc Aeschlimann, CEO Schaffner Gruppe, im Interview

Marc Aeschlimann

Marc Aeschlimann, CEO Schaffner Gruppe. (Foto: Schaffner)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Aeschlimann, Sie haben jetzt die 100 Tage-Linie im neuen Amt überschritten. Ein erstes Fazit?

Marc Aeschlimann: Ich habe Schaffner als globales Unternehmen kennengelernt, das in seinen Bereichen gut positioniert ist. Auf dem Gebiet der elektromagnetischen Verträglichkeit erzielen wir weiterhin ein gutes Wachstum und bauen unsere Position als Markführer stetig aus. Auch im Bereich Automotive ist Schaffner mit erfolgreichen Produkten und ansprechenden Margen gut unterwegs. Und der Turnaround in unserer dritten Division, dem Bereich Power Magnetics, macht planmässig Fortschritte.

Produkte zur besseren elektromagnetischen Verträglichkeit sind die wichtigste Kernkompetenz von Schaffner. Gibt es in diesem Bereich denn grosse technische Neuerungen?

Wie erwähnt sind wir mit der Division EMC Weltmarktführer. Einerseits stellt die Weiterentwicklung der Vorschriften und Normen stetig höhere Ansprüche an die Netzqualität. Zudem sehen wir auch neue Anwendungen wie zum Beispiel Ladestationen für die Elektromobilität, die Potenzial für unsere EMV-Lösungen bieten. In diesem Bereich beliefert die Division EMC bereits heute Hersteller von Bus- und Autoladestationen.

Das erwähnte Segment EMC macht die Hälfte des Schaffner-Umsatzes aus und wächst stetig. Bei der Division Power Magnetics konnte eine Stabilisierung erreicht werden. Das lässt hoffen, dass die mageren Jahre für Schaffner jetzt vorbei sind, richtig?

Unsere Märkte haben sich im ersten Quartal des aktuellen Geschäftsjahrs gut entwickelt. Wir verzeichnen in den Kernmärkten Antriebssysteme, Bahntechnik und Stromversorgung ein erfreuliches Wachstum, das an den oberen Grenzen unserer Erwartungen liegt. In den Märkten Automotive sowie Maschinen und Robotik bewegen wir uns auf dem sehr hohen Niveau des Vergleichsquartals im Vorjahr. Ebenso ist die Entwicklung in den Regionen erfreulich – auch Asien wächst wieder. Und wenn der Turnaround in der Division Power Magnetics abgeschlossen sein wird, wird auch das einen positiven Einfluss auf die EBIT-Marge haben.

«Wir verzeichnen in den Kernmärkten Antriebssysteme, Bahntechnik und Stromversorgung ein erfreuliches Wachstum, das an den oberen Grenzen unserer Erwartungen liegt.»
Marc Aeschlimann, CEO Schaffner Gruppe 

Allerdings dürften die Rohwarenpreise in diesem Jahr wohl kräftig steigen…

Die Entwicklung der Rohmaterialpreise ist eine ernstzunehmende Herausforderung. Wir führen deshalb unsere Optimierungsprogramme konsequent fort und arbeiten daran, die Materialkosten laufend zu optimieren. Unter anderem halten wir die Kostenbasis mit der Weiterentwicklung unserer Produkte und mit innovativen Designlösungen tief.

Mit 16,7 Millionen geben Sie fast 9 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Das ist ein sehr guter Wert. Gibt es besondere Schwerpunkte?

Forschung und Entwicklung ist für Schaffner wichtig. Einerseits bauen wir mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Produktfamilien unsere Marktstellung konsequent aus. Weiter entwickeln wir regelmässig kundenspezifische Produkte und auch neue Lösungen für neue Anwendungen. Ein aktuelles Beispiel ist wie erwähnt die Elektromobilität.

Wie viel dürfte im Berichtsjahr die Lieferung von Filtern für Elektrofahrzeuge zum Umsatz beitragen?

Die Elektromobilität dürfte in ein paar Jahren sehr wichtig werden. Im Moment ist der Umsatzanteil aber noch klein. Wir gehen davon aus, dass wir frühestens ab 2020 ein relevantes Wachstum sehen werden, sobald der Markt für die Elektromobilität eine substanzielle Grösse erreichen wird.

«Die Elektromobilität dürfte in ein paar Jahren sehr wichtig werden. Im Moment ist der Umsatzanteil aber noch klein.»

Zu schaffen machten Schaffner im schlimmen Geschäftsjahr 2015/2016 die Flaute im Öl-, Gas- und Bergbaugeschäft. Sie sorgte dafür, dass die Nachfrage für die Division Power Magnetics zurückging.

Vor ein paar Jahren ist der Umsatz in zwei wichtigen Märkten der Division Power Magnetics, Öl und Gas sowie erneuerbare Energien, eingebrochen. Schaffner hat umgehend Massnahmen eingeleitet, um die Division Power Magnetics strukturell der neuen Situation anzupassen. Jetzt arbeiten wir daran, die Effizienz der Werke weiter zu steigern. Und vor allem sind wir auch daran, neue Projekte mit attraktiven Margen zu akquirieren.

Welche langfristigen Auswirkungen wird der Brand in Ihrem Werk vom 30. Dezember 2017 im thailändischen Lamphun haben?

Die Auswirkungen des Brandes in einem Teil des Schaffner Werks in Thailand Ende 2017 haben zum Glück keinen negativen Einfluss auf die zukünftige operative Geschäftsentwicklung. Dank der hervorragenden Arbeit des lokalen Teams von Schaffner Thailand konnte die Lieferbereitschaft gegenüber den Kunden aufrechterhalten werden.

Die zunehmende Bedeutung der Netzstabilität macht Schaffner-Komponenten immer wichtiger für eine Vielzahl von Anwendungen. Wird das für Schaffner in Zukunft der grosse Stabilitätsanker?

Wie erwähnt ist die stetige Weiterentwicklung der Normen wichtig für Schaffner. Als Weltmarktführer profitieren wir von dieser Entwicklung.

Ist eine EBIT-Marge von 8 Prozent weiterhin ein realistisches Mittelfristziel?

Wir sind auf Kurs. Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir die EBIT-Marge auf 5,9 Prozent gesteigert und sind auch im laufenden Geschäftsjahr gut unterwegs. Mein Ziel ist, Schaffner zuverlässig auf das Mittelfristziel einer EBIT-Marge von über 8 Prozent zuzubewegen.

Zur Person:
Marc Aeschlimann (1968) wurde per 1. September 2017 zum Chief Executive Officer der Schaffner Gruppe ernannt. Der dipl. El.-Ing. ETH hält einen MBA der University of Southern California. Vor seinem Engagement bei Schaffner leitete er als CEO die R&S Group und war davor CEO von Pfiffner Messwandler und Franke Coffee Systems. Bei der Franke Gruppe sammelte er in China auch mehrere Jahre Erfahrungen im asiatischen Markt als Verantwortlicher des Bereichs Food Service Systems für die Region Asia, Pacific & Middle East. Marc Aeschlimann ist verheiratet und hat drei Söhne. In seiner Freizeit kocht er gerne. Zu seinen Hobbies zählen auch Segeln und Skifahren.

Zum Unternehmen:
Die Schaffner Gruppe ist eine international führende Anbieterin von Lösungen, die durch das gezielte Umformen von elektrischer Leistung den effizienten und zuverlässigen Betrieb leistungselektronischer Systeme sicherstellen. Die Angebotspalette der Schaffner Gruppe umfasst EMV-Filter, leistungsmagnetische Bauteile sowie Power-Quality-Filter mit den dazugehörigen Dienstleistungen. Für die Automobilindustrie entwickelt und produziert Schaffner Antennen für schlüssellose Zugangssysteme sowie Filterlösungen für Elektrofahrzeuge. Komponenten von Schaffner finden weiter Anwendung in elektronischen Motorsteuerungen, in Wind- und Fotovoltaikanlagen, in der Bahntechnik, in Werkzeugmaschinen und Robotern, der elektrischen Infrastruktur sowie in der Stromversorgung von elektronischen Geräten. Die Schaffner Gruppe mit Hauptsitz in der Schweiz betreut Kunden weltweit mit Entwicklungs- und Produktionszentren in Asien, Europa und in den USA.

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