Marco Casagrande, CEO Aduno Pay, im Interview

Marco Casagrande

Marco Casagrande ist CEO und Mitgründer der Aduno Pay AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Casagrande, mit Aduno Pay tritt ein neuer Schweizer Player in einen stark konsolidierten Payment-Markt ein. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für einen neuen Anbieter?

Marco Casagrande: Der Schweizer Payment-Markt ist stark konsolidiert und gleichzeitig so dynamisch wie selten zuvor. Händlerinnen und Händler erwarten heute mehr Transparenz, mehr Flexibilität und mehr Nähe. Gleichzeitig wächst die Verunsicherung, weil zentrale Infrastruktur zunehmend von wenigen internationalen Konzernen gesteuert wird. Genau hier setzen wir an: Aduno Pay ist eine moderne, vollständig in der Schweiz verankerte Alternative und mit eigener Infrastruktur für die Abwicklung von Visa- und Mastercard-Zahlungen. Wir haben die Chance genutzt, eine Plattform von Grund auf neu zu entwickeln. Sie ist schlank, digital und auf die Bedürfnisse Schweizer Unternehmen ausgerichtet. Für viele Unternehmen ist jetzt der Moment, einen Anbieter zu wählen, der technologisch auf Augenhöhe ist, aber näher dran.

Aduno Pay ist aus der Checksum AG und der Lösung tapypay entstanden. Was ist mit dem jetzigen Marktstart tatsächlich neu: die Technologie, der Acquiring-Status, das Geschäftsmodell – oder vor allem die Marke?

Der Marktstart ist weit mehr als ein Rebranding. Wir haben uns von einer einzelnen Lösung zu einem vollintegrierten Schweizer Acquirer weiterentwickelt. Heute verantworten wir die Zahlungsabwicklung für Visa und Mastercard und somit ein grosser Schritt in der Wertschöpfungskette, selbst. Parallel dazu haben wir unsere Technologie massiv ausgebaut: Vom Bezahlen direkt auf dem Smartphone über mobile und stationäre Terminals bis hin zu integrierten Kassenlösungen und E‑Commerce bieten wir eine moderne, durchgängige Payment-Plattform. Checksum und tapypay waren der Anfang. Aduno Pay ist das vollständig weiterentwickelte Unternehmen dahinter.

Der Name Aduno ist im Schweizer Zahlungsverkehr alles andere als unbekannt. Warum holen Sie gerade diesen Namen zurück – und wie viel hat das heutige Aduno Pay mit der früheren Aduno ausser dem Namen und teilweise den handelnden Personen gemeinsam?

Der Name passt perfekt zu unserer Vision: «Aduno» bedeutet sinngemäss «zusammenführen». Genau das tun wir im Payment. Wir vereinen unterschiedliche Zahlungsmittel, Technologien und Services in einer Lösung aus einer Hand.

Gleichzeitig steht Aduno für Schweizer Payment-Geschichte und hohe Bekanntheit. Aber: Wir bauen nicht die frühere Aduno wieder auf. Das heutige Unternehmen ist technologisch, organisatorisch und eigentümerseitig komplett neu. Es gibt erfahrene Köpfe aus der Branche, aber keine gesellschaftsrechtliche Verbindung.

«Wir bauen nicht die frühere Aduno wieder auf. Das heutige Unternehmen ist technologisch, organisatorisch und eigentümerseitig komplett neu.»
Marco Casagrande, CEO Aduno Pay

Sie haben es gesagt, der Schweizer Zahlungsverkehr wird heute stark von grossen internationalen Anbietern geprägt. Wo sehen Sie eine Lücke, die Aduno Pay besetzen kann?

Wir besetzen die Lücke zwischen globalen Plattformen und den realen Bedürfnissen der Schweizer Händlerinnen und Händler. KMU wollen schnell starten, klare Konditionen, funktionierende Geräte und jemanden erreichen, wenn etwas nicht funktioniert. Grössere Unternehmen wollen Daten, Integrationen, Schnittstellen und Flexibilität. Genau diese Kombination aus standardisierter Technologie und lokalem Service sehen wir als Chance.

Technologisch funktionieren Kartenzahlungen heute weitgehend reibungslos. Weshalb kann ausgerechnet der Service wieder zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor im Payment-Geschäft werden?

Weil Payment heute geschäftskritische Infrastruktur ist. Die tausend erfolgreichen Transaktionen sind selbstverständlich. Entscheidend ist die eine, die nicht funktioniert. Service wird dann zum Wettbewerbsvorteil, wenn Händler ein neues Gerät brauchen, eine neue Filiale eröffnen, die bestehende Kasse integrieren möchte, oder eine Abrechnung nicht versteht. Payment ist geschäftskritische Infrastruktur. Deshalb bekommt Service einen hohen Stellenwert, sobald etwas vom Standardfall abweicht.

«Service wird dann zum Wettbewerbsvorteil, wenn Händler ein neues Gerät brauchen, eine neue Filiale eröffnen, die bestehende Kasse integrieren möchte, oder eine Abrechnung nicht versteht.»

Wo stossen Schweizer Händler bei grossen internationalen Payment-Anbietern heute konkret an Grenzen – eher beim Support, bei Vertragsmodellen, bei technischen Problemen oder bei individuellen Anforderungen?

Viele internationale Anbieter liefern hervorragende Technologie. Die Grenzen entstehen meist dort, wo die Händler vom Standardprozess abweichen: Individuelle Konditionen, spezifische Integrationen, komplexere Organisationsstrukturen oder Situationen, in denen schnell eine konkrete Person gebraucht wird. Unsere Grösse ist hier ein Vorteil. Entscheidungen haben kurze Wege. Produkt, Technik, Operations und Management arbeiten eng zusammen.

Wenn ein Zahlungsterminal oder die Zahlungsabwicklung ausfällt, geht es für einen Händler unmittelbar um Umsatz. Wie kritisch kann ein solches Problem gerade für kleinere Unternehmen werden?

Extrem kritisch. Für viele Betriebe repräsentieren Kartenzahlungen heute einen grossen Teil des Umsatzes. Ein Ausfall am Samstagabend im Restaurant oder im Geschäft während eines Verkaufstags ist schlicht nicht tragbar. Darum reduzieren wir Abhängigkeiten. SoftPOS macht jedes kompatible Android-Gerät zum Terminal. Gerätewechsel sind schnell möglich. Unser Ziel ist, dass Händlerinnen und Händler immer handlungsfähig bleiben.

Aduno Pay betont den persönlichen Support und lokale Ansprechpartner. Was können diese in einer Problemsituation leisten?

Vor allem eines: Verantwortung übernehmen. Händlerinnen und Händler sollen nicht herausfinden müssen, welcher technische Dienstleister, Acquirer oder andere Partner für ihr Problem zuständig ist. Wir nehmen das Problem auf und kümmern uns darum. Weil wir grosse Teile der Wertschöpfung selbst verantworten und unsere Partner eng angebunden sind, können wir Probleme schnell einordnen, gezielt eskalieren und bei Bedarf auch Geräte sofort ersetzen.

Grosse internationale Anbieter profitieren von Skaleneffekten und standardisierten Prozessen. Wie viel Spielraum haben Sie als Schweizer Anbieter bei Preisen, Verträgen und individuellen Lösungen?

Mehr, als man vielleicht erwarten würde. Moderne Payment-Infrastruktur ist heute softwaregetrieben. Wir haben deshalb eine deutlich schlankere Kostenstruktur ohne die schweren Legacy-Systeme klassischer Payment-Anbieter. Als Acquirer für Visa und Mastercard haben wir zudem direkte Gestaltungsmöglichkeiten beim Pricing. Wir setzen auf einen starken, skalierbaren Kern, der für alle Unternehmen funktioniert. Flexibilität bieten wir dort, wo sie für unsere Kundschaft einen echten wirtschaftlichen oder operativen Nutzen bringt.

«Moderne Payment-Infrastruktur ist heute softwaregetrieben. Wir haben deshalb eine deutlich schlankere Kostenstruktur ohne die schweren Legacy-Systeme klassischer Payment-Anbieter.»

Wo liegen die Grenzen der Flexibilität?

Bei Sicherheit, Regulierung und Stabilität machen wir keine Kompromisse. Als Payment-Unternehmen bewegen wir uns in einem stark regulierten Umfeld. KYC, Geldwäschereiprävention, Kartenscheme-Regeln und technische Sicherheitsstandards setzen klare Grenzen. Auch technologisch entwickeln wir keine Einzelprodukte für einzelne Unternehmen. Individuelle Anforderungen sollen möglichst plattformfähig werden.

Was muss Aduno Pay bieten, damit ein KMU bereit ist, den bestehenden Anbieter zu verlassen?

Der Wechsel muss für ein Unternehmen spürbare Vorteile bringen und er muss einfach sein. Preis allein genügt nicht. Wenn jemand ein paar Basispunkte spart, dafür aber einen komplizierten Wechselprozess durchlaufen muss, fehlt oft die Motivation. Darum müssen wir mehrere Dinge gleichzeitig liefern: Transparente Konditionen, eine schnelle Inbetriebnahme, moderne Geräte, persönliche Betreuung und einen unkomplizierten Wechsel. Unser digitales Onboarding dauert in der Regel nur wenige Minuten. Am Ende soll ein Unternehmen sagen können: Ich habe weniger Aufwand, besseren Service und eine moderne Lösung zu einem fairen Preis.

Lässt sich ein solches serviceorientiertes Modell überhaupt skalieren? Besteht nicht die Gefahr, dass genau die persönliche Betreuung verloren geht, wenn Aduno Pay stark wächst?

Das ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Persönlicher Service bedeutet für uns nicht, jeden manuellen Prozess mit mehr Mitarbeitenden abzubilden. Im Gegenteil: Alles, was die Händler einfach selber erledigen können, wollen wir automatisieren. Onboarding, Geräteverwaltung, Transaktionsdaten, Exporte oder administrative Prozesse gehören ins Self-Service-Portal.
Dadurch bleibt unserem Team Zeit für die Situationen, in denen die Händlerin oder der Händler tatsächlich einen Menschen braucht. Unser Ziel ist deshalb, den Standardfall konsequent zu automatisieren und beim Ausnahmefall persönlich erreichbar zu sein. Genau dieses Modell wollen wir skalieren.

Aduno Pay
Die Aduno Pay AG (ehemals checksum AG) ist ein unabhängiger Schweizer Zahlungsdienstleister mit Sitz in Baden. Das Unternehmen entwickelt und betreibt moderne Zahlungsarchitekturen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Schweiz. Mit eigener Visa- und Mastercard-Acquiring-Infrastruktur bietet Aduno Pay transparente, flexible und persönliche Lösungen für die Zahlungsakzeptanz vor Ort und online.

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