Matijas Meyer, CEO Komax Group, im Interview

Matijas Meyer

Matijas Meyer, CEO Komax. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Meyer, die Börse hat den zweiten Dividendenausfall in Folge gar nicht goutiert. Für 2026 stehen die Ampel wohl auf «Wiederaufnahme»?

Matijas Meyer, CEO Komax Group: Wenn sich die Marktsituation etwas verbessert, werden wir sehr schnell ein deutlich besseres Geschäftsergebnis erzielen. Und wenn unser Ergebnis nach Steuern Ende Jahr positiv ist, werden wir gerne auch wieder eine Dividende ausschütten.

Die Umsatzverschiebung von 37% auf weniger als ein Drittel (32%) in Europa hat sich beschleunigt. Sind unsere Autos nicht mehr gefragt?

Da 62 Prozent unseres Umsatzes aus der Automobilindustrie stammen und sich die europäische Automobilindustrie in einer Schwächephase befindet, ist unser Umsatz in Europa zurückgegangen. Gleichzeitig verlagern unsere Kunden ihre Kabelbaumproduktion weiter von Osteuropa nach Nordafrika, wo die Personalkosten deutlich niedriger sind. Entsprechend ist unser Umsatzanteil in Afrika im Jahr 2025 von 10% auf 16% gestiegen. Betrachtet man Europa und Afrika gemeinsam, ist der gesamte Umsatzanteil in den letzten beiden Jahren nahezu unverändert geblieben. Unbestritten ist, dass sich europäische Kunden mit Investitionen zurückhalten, da die Produktionsvolumen stagnieren. Während 2025 weltweit 93 Millionen Fahrzeuge hergestellt wurden – drei Millionen mehr als 2024 – verharrte das Produktionsvolumen in Europa bei 17 Millionen Fahrzeugen. Das Wachstum fand nahezu vollständig in Asien statt.

«Während 2025 weltweit 93 Millionen Fahrzeuge hergestellt wurden – drei Millionen mehr als 2024 – verharrte das Produktionsvolumen in Europa bei 17 Millionen Fahrzeugen.»
Matijas Meyer, CEO Komax Group

Im dortigen Wachstumsmarkt China profitiert Komax von seiner Grösse. Wie gross ist der Abstand zur Nummer Zwei?

Komax ist rund sechsmal so gross wie das zweitgrösste Unternehmen unserer Branche, ein Mitbewerber aus China. Betrachtet man ausschliesslich den chinesischen Markt, erzielen beide Unternehmen einen vergleichbaren Umsatz.

Ist der Ausbau der Beteiligung an Hosver von 56 auf 67 Prozent eine Art Absicherungsstrategie?

2024 haben wir 56% an der chinesischen Firma Hosver übernommen. Hosver ist der führende Hersteller von Maschinen für die Verarbeitung von Hochvoltkabeln in China. Solche Kabel werden in Elektrofahrzeugen eingesetzt. Die vier Gründer von Hosver blieben mit je 11% am Unternehmen beteiligt und nahmen weiterhin zentrale Führungsfunktionen wahr. Da einer der Gründer im Jahr 2025 das Unternehmen verlassen hat, haben wir seinen 11%-Anteil erworben.

Wäre ein Ausbau der fünfprozentigen Beteiligung an dem chinesischen Unternehmen E-Plus, welches das in China am weitesten verbreitete Manufacturing Execution System (MES) für die Kabelbaumfertigung vertreibt, wünschenswert und machbar?

Ein Ausbau der Beteilung ist nicht ausgeschlossen, wenn wir darin einen Mehrwert sehen.

Der mit E-Plus, abgeschlossener Vertriebsvertrag ermöglicht den exklusiven Vertrieb deren Produktportfolios auch ausserhalb Chinas. Ist damit nur der asiatische Raum gemeint?

Nein, wir können das E-Plus-Portfolio weltweit vertreiben. Neben dem erwähnten MES, das eine Software für die optimale Produktionsplanung und -steuerung ist, sind auch elektronische Verlegebretter für Kabelbäume Teil des Smart-Factory-Portfolios von E-Plus.

Im Bereich Luft- und Raumfahrt & Bahn konnte Komax einen Umsatzanstieg von über zehn Prozent verzeichnen. Gibt es dort andere Ansprüche an die maschinelle Verkabelung als bei den vergleichsweise kleinen Autos?

Bei unseren Kunden im Marktsegment Aerospace & Railway ist der Automatisierungsgrad in der Kabelverarbeitung tendenziell noch geringer als in der Automobilindustrie, wo er bei rund zwanzig Prozent liegt. Das heisst, es gibt dort noch viel Potenzial für uns, das sich im letztjährigen Umsatzanstieg widerspiegelt. Die Qualitätsansprüche an die Kabelverarbeitung sind insgesamt noch höher als in der Automobilindustrie, wodurch in diesem Marktsegment unter anderem unsere Lösungen zur Qualitätsprüfung sehr gefragt sind.

«Im Marktsegment Aerospace & Railway gibt es noch viel Potenzial für uns.»

Sie konnten auch diverse Aufträge im Zusammenhang mit dem Bau von Rechenzentren gewinnen. Welchen Anteil haben diese mittlerweile am Gesamtumsatz?

Der Umsatzanteil bewegt sich im tiefen einstelligen Prozentbereich und ist somit noch gering. Doch dieser Bereich wächst extrem stark, was sich auch in den ersten Wochen dieses Jahres bestätigt hat.

Die Verarbeitung von Datenleitungen scheint eine immer grössere Rolle zu spielen. Welche Marktposition hat Komax da weltweit gesehen?

In modernen Autos, die zu fahrenden Computern geworden sind, gibt es immer mehr Datenleitungen, die enorm grosse Datenmengen übertragen. Beispielsweise für die Unterstützung der Fahrassistenzsysteme, wie Spurhalteassistent und Abstandstempomat, oder der Sensoren, von den es immer mehr gibt je autonomer unsere Autos fahren können. Für Komax haben somit Maschinen für die Verarbeitung von Datenleitungen einen hohen Stellenwert. Seit letztem Jahr produzieren wir solche Maschinen nicht nur in Europa, sondern auch in China, um den asiatischen Bedürfnissen noch besser gerecht zu werde. Weltweit sind wir auch in diesem Bereich die Nummer 1 und generieren den grössten Umsatz.

Sie sagen im Aktionärsbrief, dass die F&E-Quote von 12,2 Prozent zu hoch ist. Was macht ein Ziel von unter zehn Prozent denn tatsächlich wünschenswert?

Wir streben eine F&E-Quote von 8–9% an. Momentan liegt sie deutlich darüber. Obwohl wir unsere F&E-Aufwendungen in den letzten beiden Jahren um 10% – von CHF 78.8 Millionen auf CHF 70.9 Millionen – reduziert haben, wirkt sich die gleichzeitige starke Umsatzabnahme entsprechend auf die Quote aus. Unsere Innovationskraft ist einzigartig und ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Um diese Stärke zu bewahren und unsere Kunden weiterhin mit innovativen Lösungen zu begeistern, werden wir weiterhin konsequent in Forschung und Entwicklung investieren. Diese Aufwendungen sind entscheidend, um zukünftiges Umsatzwachstum zu ermöglichen und die Profitabilität unserer Produkte zu steigern. Gleichzeitig stellen sie einen bedeutenden jährlichen Kostenblock dar, der unser Geschäftsergebnis beeinflusst. Damit Forschung und Entwicklung langfristig einen nachhaltig positiven Beitrag zum Unternehmensergebnis leistet, erachten wir diese F&E-Quote von 8–9% als optimal.

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