von Sandra Willmeroth
Moneycab.com: Die Bank WIR hat den Gewinn 2025 erneut leicht gesteigert. Welche Faktoren waren ausschlaggebend – operative Effizienz, Zinsumfeld oder strategische Weichenstellungen?
Matthias Pfeifer: Das Ergebnis 2025 ist Resultat der konsequenten Umsetzung unserer eingeschlagenen Strategie – der Kombination aus Bank- und Fintech-Angebot – und der sehr guten operativen Leistungen. Eine umsichtige Pricing-Politik in Verbindung mit einer fokussierten Bilanzsteuerung hat es uns ermöglicht, das Ergebnis im Zinsengeschäft trotz herausforderndem Umfeld – Stichwort: Tiefzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – stabil zu halten. Ein Beispiel für das Zusammenspiel von Bank und Fintech ist VIAC, das zusammen mit uns und unseren Vorsorgestiftungen Vorsorge- und Anlagelösungen anbietet. Das Resultat: deutlich gesteigerte Kommissionserträge auf der Bankseite.
Das Bruttozinsergebnis ist auf 75,6 Mio. Franken gestiegen und markiert einen historischen Höchststand. Wie nachhaltig ist dieses Niveau im aktuellen SNB-Zinsumfeld?
In diesem bereits angesprochenen herausfordernden Zinsumfeld gehen wir aktuell von einem etwa gleichbleibenden Zinserfolg aus. Dies ist deshalb möglich, weil wir auf Grund der Zusammensetzung unseres Hypothekar-Portfolios – mit klarem Fokus auf Wohnrendite- und Gewerbe-Immobilien – im aktuellen Wettbewerbsumfeld von stabilen Margen ausgehen. Diese Prognose wird ebenfalls durch den Blick auf die derzeitigen Forward-Rates gestützt. Und auch für allfällig grössere Veränderungen im Zinsumfeld sind wir mit unserem ausgewogenen Zinsrisiko-Management gut aufgestellt. Den Beweis haben wir in den vergangenen Jahren auch bei grösseren Schwankungen der Marktzinsen liefern können.
Die Hypothekarausleihungen sind auf über 5 Mrd. Franken gewachsen. Wie stellen Sie sicher, dass dieses Wachstum qualitativ bleibt – gerade angesichts der Marktveränderungen im Immobiliensektor?
Unsere Devise lautet: umsichtiges und qualitativ hochwertiges Wachstum. Entsprechend haben wir unsere Wachstumsambitionen in den vergangenen beiden Jahren mit Augenmass angepasst. Zudem verfolgen wir den Ansatz eines differenzierten, risiko-adjustierten Pricings – und selektieren so bewusst in Bezug auf Risiko und Rendite.
Sie verweisen auf steigende Pfandbriefdarlehen als «Qualitätssiegel». Welche Bedeutung hat diese Refinanzierungsquelle für Ihre langfristige Bilanzstruktur?
Die Pfandbriefbank hat hohe Qualitätsanforderungen an die verwendeten Deckungen, was letztlich auch den Preis dieser Mittel beeinflusst. Wir erachten die gedeckte Refinanzierung über den Kapitalmarkt als wichtiges Element für eine gute und preislich optimale Beschaffung von Fremdkapital. Aber die wichtigste Quelle für unsere Refinanzierungen bleiben die Kundengelder.
Das «Bankpaket top» wurde als kostengünstigstes Angebot ausgezeichnet und hat sogar Neobanken überholt. Wie wollen Sie diesen Wettbewerbsvorteil verteidigen?
Die angesprochene Auszeichnung freut uns natürlich sehr, denn es ist unser Anspruch, für den Schweizer Mittelstand ein ehrliches Bankpaket anzubieten – frei von versteckten Devisenaufschlägen und Auslandgebühren. Wir ruhen uns auf diesen Lorbeeren nicht aus, sondern werten sie als Beweis dafür, dass unsere Strategie funktioniert. Und es ist für uns auch Ansporn: So werden wir schon in Kürze unser Daily-Banking-Angebot mit einem weiteren sehr attraktiven Element ergänzen. Bei uns finden die Kundinnen und Kunden ein solides Digital Banking ganz einfach über Digital Onboarding, die volle Bankfunktionalität zu Top-Konditionen und direkten Zugang zu attraktiven Fintechs.
«Wir werden schon in Kürze unser Daily-Banking-Angebot mit einem weiteren sehr attraktiven Element ergänzen.»
Die Kundeneinlagen sind auf über 4,7 Mrd. Franken gestiegen. Wie verändert dieses Wachstum Ihre Bilanzsteuerung und Risikopositionierung?
Die vorhin angesprochene Positionierung im Privatkundenbereich leistet einen weiteren Beitrag zur Optimierung unserer Bilanzstruktur, was uns eine aktive Steuerung des Zinsensaldos ermöglicht. Entsprechend erfolgt das Wachstum der Kundengelder sehr gezielt und abgestimmt auf das Wachstum der Aktivseite. Ziel ist letztlich eine jederzeitig «stabile» Finanzierung.
Der Kommissionsertrag aus dem Wertschriften- und Anlagegeschäft ist dank VIAC um 40 Prozent gestiegen. Welche Rolle wird VIAC künftig im Geschäftsmodell der Bank WIR spielen?
VIAC ist für die Bank nicht nur ein wichtiger Ertragspfeiler, sondern auch ein Garant für Innovation. Wir arbeiten nach dem Motto: geerdet im Mittelstand, inspiriert von Fintechs und getragen von gelebten Werten. Die Kombination aus Bank-WIR-Angeboten und der VIAC-Anlageplattform ergibt in der Summe ein herausragendes Angebot für den Schweizer Mittelstand. Hier vereinen wir die Stabilität einer grundsoliden Genossenschaftsbank mit Konditionen wie bei einer Neobank. Aber zurück zur konkreten Frage betreffend VIAC: Digitale Geschäftsmodelle benötigen immer auch Investitionen in die bestehende Plattform und, wo sinnvoll, auch in deren Weiterentwicklung.
«Wir arbeiten nach dem Motto: geerdet im Mittelstand, inspiriert von Fintechs und getragen von gelebten Werten.»
Sie setzen stark auf die Kombination aus Bank- und Fintech-Angeboten. Welche weiteren Innovationsfelder sehen Sie – insbesondere im Vorsorge- und Anlagebereich?
VIAC ist bereits die führende digitale Vorsorge- und Anlageplattform in der Schweiz und wird regelmässig punkto Kosten und Performance ausgezeichnet. Ein Teil des Erfolgsrezepts ist, dass sich das VIAC-Team komplett auf den Betrieb und die Weiterentwicklung der Plattform konzentrieren kann. Deshalb sind wir laufend im Dialog, wie dieses Erfolgsmodell weiterentwickelt werden könnte.
Bank WIR betont ihre Rolle als Hauptbank für den Schweizer Mittelstand. Wie differenzieren sie sich in diesem Segment gegenüber Grossbanken und digitalen Wettbewerbern?
Wir unterscheiden uns klar von unseren Mitbewerbern, weil wir weder Grossbank noch «Fintech light» sind, sondern das Beste aus beiden Welten vereinen: Als Genossenschaftsbank stehen wir für Verlässlichkeit, Stabilität und unternehmerische Verantwortung und gegenüber digitalen Wettbewerbern punkten wir mit voller Bankfunktionalität und persönlicher Nähe. Dabei sind unsere Angebote bewusst einfach, klar strukturiert und auf echten Mehrwert ausgerichtet. Wir bieten nur Produkte an, die wir jederzeit auch unserer Familie und unseren Freunden empfehlen würden. Deshalb verzichten wir beispielsweise auf Derivate, Aktienhandel oder aktiv gemanagte Fonds. Somit verbinden wir die Sicherheit und genossenschaftliche Werte mit digitaler Innovationskraft und attraktiven Konditionen.
Wie entwickeln sich Ihre operativen Kosten im Verhältnis zum Wachstum – und wo sehen Sie die grössten Hebel für weitere Effizienzgewinne?
Wir wachsen, aber wir wachsen effizient. Die Bank WIR investiert dort, wo greifbarer Nutzen entsteht – beispielsweise in ein modernes Digital Banking oder in das Wachstum von VIAC. Effizienzgewinne sehen wir beispielsweise in automatisierten Prozessen oder in der Weiterentwicklung unseres Ökosystems. Gute Prozesse erlauben uns, Automatisierungen konsequent voranzutreiben. Und Künstliche Intelligenz setzen wir dort ein, wo sie zur Qualitätssteigerung beiträgt. Die Bank WIR hat – siehe die Beispiele VIAC oder amnis – nicht den Anspruch, alles selbst zu machen. Wir setzen auf starke Partner. Als Genossenschaftsbank haben wir den langfristigen Erfolg im Blick – und müssen nicht kurzfristig von Quartal zu Quartal denken.
«Die Märkte, die Zinspolitik und der technologische Wandel bleiben anspruchsvoll.»
Welche drei strategischen Schwerpunkte setzen Sie für 2026 – und wo sehen Sie die grössten Chancen und Risiken für die Bank WIR?
Wir sehen 2026 als Jahr, in dem wir unsere Stärken weiter ausspielen können – sei es im Daily Banking für Privatkundinnen und -kunden oder bei unserem Engagement im Bau- und Immobiliengeschäft mit KMU. Und dabei bleiben wir unseren genossenschaftlichen Werten treu. Die Märkte, die Zinspolitik und der technologische Wandel bleiben anspruchsvoll, aber genau deshalb setzen wir auf eine Strategie, die Effizienz, Innovation und Kundennähe kombiniert. So schaffen wir nachhaltiges Wachstum.
