Michael Artner, General Manager des 5-Sterne Hotels Severin*s Resort & Spa Öschberghof in Donaueschingen, im Interview.

Michael Artner, General Manager des 5-Sterne Hotels Severin*s Resort & Spa Öschberghof (Bild: zVg, Moneycab)

Von Jonathan Spirig

Nach fast 50 Jahren unter dem Dach von Aldi gehört das Luxusresort Öschberghof im Schwarzwald seit Juli zur Zech Group. Für General Manager Michael Artner eröffnet der Eigentümerwechsel neue Perspektiven – insbesondere bei der internationalen Vermarktung und im Einkauf. Im Gespräch erklärt er, weshalb sich für Gäste und Mitarbeitende dennoch kaum etwas ändern soll, wie sich das Buchungsverhalten verändert und welche Bedeutung der Schweizer Markt für das Haus hat.

Herr Artner, der Öschberghof gehört seit dem 1. Juli zu den  Severin*s Hotels & Resorts. Was bedeutet der Eigentümerwechsel für die strategische Entwicklung des Resorts?

Michael Artner: Ich sehe darin eine grosse Chance. Als ich erfahren habe, dass Aldi-Süd den Öschberghof nach fast 50 Jahren verkaufen will, gab es zunächst natürlich Unsicherheit: Was passiert jetzt? Beim ersten Besuch von Kurt Zech war für mich sehr schnell klar, dass es funktionieren könnte. Nachdem sich die erste Welle der Unsicherheit gelegt hatte, habe ich vor allem viele Chancen gesehen.

Welche Erwartungen hat der neue Eigentümer an Sie und den Öschberghof?

Den erfolgreichen Weg der vergangenen viereinhalb Jahre fortzusetzen, die Position des Öschberghof als eines der besten Resorts im DACH-Raum weiter zu stärken und dabei die langfristige Wirtschaftlichkeit zu sichern. An mich persönlich ist die Erwartung geknüpft, neue Impulse zu setzen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit meinem Team die nächste Entwicklungsphase erfolgreich zu gestalten. Das Vertrauen des neuen Eigentümers ist dabei für mich zugleich Wertschätzung und Auftrag.

«Ein Thema, das uns zunehmend beschäftigt, ist die Kurzfristigkeit der Buchungen. Es war früher eher die Ausnahme, dass vor allem bei gutem Wetter innerhalb kürzester Zeit noch einmal 30 Buchungen dazukamen. Heute sind die Buchungsverläufe deutlich dynamischer und damit auch schwieriger zu planen.» Michael Artner, General Manager des 5-Sterne Hotels Severin*s Resort & Spa Öschberghof

Wo liegen die grössten Vorteile, wenn ein bisher eigenständiges Resort Teil einer Hotelgruppe wird?

Es gibt einen sehr guten Austausch und wir entscheiden zusammen. Das erleben wir als sehr wertschätzend und haben das Gefühl, innerhalb der Gruppe eine wichtige Rolle zu spielen. Persönlich sehe ich es als grosse Chance, dass wir jetzt Teil einer Gruppe sind. Vor allem bei Prozessen im Hintergrund, im Einkauf und in der Entwicklung werden wir profitieren können. Auch bei der Vermarktung im Ausland sehen wir grosse Chancen.

Was ist seit dem Eigentümerwechsel konkret anders geworden?

Wir sind gerade dabei, die Logos zu ändern (lacht). Wir haben aber keinen Katalog mit Vorgaben bekommen. Für den Gast bleibt mit Ausnahme des Namens eigentlich alles beim Bewährten.

«Unsere durchschnittliche Auslastung liegt weiterhin bei über 70 Prozent. Und auch der Blick auf das kommende Jahr stimmt uns optimistisch, insbesondere die Entwicklung im Veranstaltungsbereich.»

Aus meiner Sicht gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einer Hotelkette und einer Hotelgruppe: In einer Gruppe kann sehr viel Individualität bestehen bleiben. Die Häuser haben unterschiedliche Gäste und sehr unterschiedliche Produkte. Wir leben stark von diesem Individualismus. Auch wenn vielleicht einmal die Kugelschreiber gleich sind, machen am Ende die Menschen, die hier arbeiten, den Unterschied.

Wie entwickelt sich das Geschäft?

Ein Thema, das uns zunehmend beschäftigt, ist die Kurzfristigkeit der Buchungen. Es war früher eher die Ausnahme, dass vor allem bei gutem Wetter innerhalb kürzester Zeit noch einmal 30 Buchungen dazukamen. Heute sind die Buchungsverläufe deutlich dynamischer und damit auch schwieriger zu planen.

Das sehen wir aber durchaus positiv. Wir wollen uns nicht beklagen – das Geschäft ist da. Unsere durchschnittliche Auslastung liegt weiterhin bei über 70 Prozent. Und auch der Blick auf das kommende Jahr stimmt uns optimistisch, insbesondere die Entwicklung im Veranstaltungsbereich. Das ist für uns ein wichtiges und positives Signal.

Was soll in den kommenden Jahren konkret investiert werden?

Dazu gibt es noch keine konkreten Pläne, die wir kommunizieren können. Aber es soll weiter in das Haus investiert werden.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt für den Öschberghof?

Nach Deutschland ist die Schweiz unser wichtigster Markt. Über ein Viertel unserer Gäste kommt aus der Schweiz. Das liegt natürlich an der Nähe, aber auch daran, dass wir sehr gut wissen, was Schweizer Gäste möchten. Ich kann mir den Öschberghof ohne Schweizer Gäste gar nicht vorstellen. Ihre Erwartungshaltung ist hoch. Ein gelungener Aufenthalt wird jedoch sehr häufig mit persönlichem Feedback wertgeschätzt.

Was unterscheidet den Öschberghof von anderen Luxusresorts – gerade auch aus Sicht eines Schweizer Gastes?

Es sind ganz klar unsere Gastgeberinnen und Gastgeber, die den Unterschied machen. Sie sind das Gesicht des Öschberghof und geben dem Haus seine ganz eigene Persönlichkeit. Wir können vieles bieten – ein aussergewöhnliches Produkt, Qualität und Service auf höchstem Niveau. Aber am Ende sind es die Menschen, die den Aufenthalt besonders machen.

«Nach Deutschland ist die Schweiz unser wichtigster Markt. Über ein Viertel unserer Gäste kommt aus der Schweiz.»

Gerade unsere Schweizer Gäste schätzen diese persönliche und herzliche Art sehr. Bei uns soll sich Luxus nicht distanziert anfühlen, sondern persönlich, authentisch und herzlich. Dieses Gefühl von echter Gastfreundschaft ist etwas, das man nicht einfach kopieren kann.

Verändert sich auch das Verständnis davon, was Luxus für die Gäste bedeutet?

Wir stellen fest, dass Luxus immer individueller wird. Jeder Gast hat seinen eigenen Anspruch daran. Für manche ist Luxus noch immer das, was er vor Jahrzehnten war. Für andere bedeutet Luxus ganz einfach, drei Tage Ruhe zu haben oder jeden Tag eine Runde um den Öschberghof zu joggen.

Eine sehr schöne Entwicklung ist aus meiner Sicht, dass der Gast immer stärker vorgibt, was er möchte – und nicht das Hotel. Nehmen wir die Essenszeiten: Wir wollen möglichst viel Freiheit ermöglichen. Genau dafür ist unser Angebot gut geeignet. Wir haben fünf völlig unterschiedliche Restaurants, rund 5000 Quadratmeter Spa und insgesamt sehr viel Raum auf unserem knapp 180 Hektar grossen Areal.

Sie haben eine ausgeprägte Mitarbeiter- und Ausbildungskultur aufgebaut. Wie haben Ihre Mitarbeitenden auf den Eigentümerwechsel reagiert?

Das Verantwortungsbewusstsein und die Herzlichkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein grosser Teil der Führungskultur und waren es schon immer. Natürlich gab es bei den Mitarbeitenden zunächst die Angst, dass sich nach knapp 50 Jahren Aldi etwas verändern könnte. Wir sind ländlich geprägt und eng mit der Umgebung verbunden. Viele Mitarbeitende haben einen sehr persönlichen Bezug zum Öschberghof.

Wir waren in dieser Phase so transparent wie möglich. Lieber ein Meeting mehr. Ich wollte nah am Team sein. Natürlich konnte ich am Anfang noch nicht alle Fragen beantworten. Mittlerweile kann ich aber mit gutem Gewissen sagen, dass unsere Kultur bleibt. Mit der Zeit haben alle erkannt, dass sich für sie eigentlich nichts ändert – ausser vielleicht bei gewissen Prozessen, die durch die Zugehörigkeit zu einer Hotelgruppe mit rund 20 Hotels vereinfacht werden können.

Wo wollen Sie mit dem Öschberghof in den kommenden Jahren hin?

Wir wollen unsere Position weiter ausbauen und gleichzeitig das bewahren, was den Öschberghof ausmacht. Die Aufgabe ist, die DNA zu erhalten und im Detail immer wieder eine Schippe draufzulegen. Der Eigentümerwechsel gibt uns dafür viele neue Möglichkeiten.


Der Gesprächspartner
Michael Artner (39) ist seit 2023 General Manager des Luxushotels Öschberghof in Donaueschingen im Schwarzwald. Der zweifache Vater steht für moderne, authentische Gastfreundschaft mit starkem Teamfokus.

Das Hotel
Der Öschberghof in Donaueschingen ist ein 5-Sterne-Superior-Golf- und Wellnessresort in Donaueschingen (Schwarzwald) mit fünf Restaurants, rund 5000 Quadratmetern Spa-Fläche und einem knapp 180 Hektar grossen Areal. Seit dem 1. Juli gehört das Haus zur Zech Group. https://www.oeschberghof.com/
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