Michael Nellen, Geschäftsführer Belalp Bahnen AG, im Interview

Michael Nellen

Michael Nellen, Geschäftsführer Belalp Bahnen AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Nellen, an nur sechs Prozent der Wintertage fiel auf der Belalp Schnee. Ist das der Fluch des Wallis?

Michael Nellen: Das schöne Wetter als einen Fluch zu bezeichnen, wäre für einen Bahn- und Tourismusverantwortlichen ein unverzeihlicher Fehler. Nein, das schöne Wetter in unserer Region ist trotz der Schneeknappheit ein Segen, der den Gästen wenigstens erlaubt, die ersehnte Bergsonne zu geniessen. Das wahre Schneesporterlebnis ist wahrlich schöner, wenn man sich in einem tief verschneitem Berggebiet befindet, doch können wir auf der Belalp mittlerweile mit einem grossen Anteil von technisch beschneiten Pisten auftrumpfen, die es auch während einem schneearmen Winter, wie er 2016/17 anzutreffen war, ermöglicht, mit Genuss Schneesport zu betreiben.

Sonnensicherheit ist, wie sie ja erwähnen, im „Spanien der Schweiz“ ein Trumpf. Wie werden Sie dann die Sommerattraktivität ausbauen? Die Verkehrserträge Sommer respektive Winter blieben ja im letzten Geschäftsjahr haargenau stabil.

Das Sommergeschäft hinkt dem Winter seit jeher hinterher, obwohl wir eine einzigartige alpine Landschaft gekoppelt mit alten Traditionen und einer Vielfalt von Outdoor-Aktivitäten bieten können. Um das bereits heute reichhaltige Angebot aber noch erweitern zu können, bedarf es auch zusätzlicher Investitionen in Infrastruktur und Marketing. Wir haben aber schon heute konkrete Projekte und Ideen für die Zukunft, mit denen wir auch noch zusätzliche Sommerangebote bieten können.

Letzten Winter hatten Sie jedoch so wenige „Skifahrertage“ wie nie in diesem Jahrzehnt. Werden Sie ein Opfer der Gigantomanie der Grossstationen à la Zermatt Bergbahnen?

Ich würde den Rückgang der Skierdays auf keinen Fall auf die Konkurrenz der grösseren Schneesportgebiete zurückführen, sondern vielmehr auf die letzten schneearmen Winter. Die Besuchertage werden mit Sicherheit wieder ansteigen, wenn wir im kommenden Winter wieder den gewohnten Schnee und die damit verbundene Winterstimmung in Blatten-Belalp haben werden.

«Ich würde den Rückgang der Skierdays auf keinen Fall auf die Konkurrenz der grösseren Schneesportgebiete zurückführen, sondern vielmehr auf die letzten schneearmen Winter.»
 Michael Nellen, Geschäftsführer Belalp Bahnen AG

Mit der für Winter 2017/18 lancierten Familienkarte wollen Sie sich sicher für Familien aus dem Tal und aus der Ferne positionieren, oder?

Die Familienkarte ist ein Produkt, das den Familien die Schönheit der Winterlandschaft auf der Belalp vor Augen führen und den Spass am Schneesport verdeutlichen wird. Anders gesagt ist die Familienkarte eine gut überdachte Investition in die Zukunft.

Ähnlich wie Zermatt wollen Sie nicht über Preissenkungen die Konkurrenz aushebeln. Was wird – in einem Satz – der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg der Tourismusregion Blatten-Belalp?

Wir haben eine klare Positionierung auf Familien und Outdoorsportler, die wir mit speziell dafür zugeschnittenen Produkten erfolgreich ansprechen. Die Qualität des Angebotes wird unseren Erfolg sichern.

Wie kann man noch Angebote mit Naters und Brig bündeln?

Wir haben schon heute eine enge und gute Zusammenarbeit auf dem ganzen Gemeindegebiet von Naters. Die Angebote im Tal ergänzen diejenigen am Berg und umgekehrt, so dass wir zwischen 600 Metern in Naters und dem Aletschhorn auf 4195 Metern zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter die Wünsche unserer Gäste zu erfüllen wissen.

Preisdifferenzierungen über „meteo-dynamisches Pricing“ soll ein Instrument sein, um die Skifahrertage zu erhöhen. Muss ich neu drei, vier Pullover überstülpen, um preisgünstig Ski- oder Snowboard zu fahren?

Der letzte Winter hat gezeigt, dass die Nutzer der meteo-dynamischen Tickets auch nach dem Skitag sehr zufrieden waren. Viele Schneesportler haben auch Spass an einem Skitag bei nicht perfektem Wetter. Wir als Bergbahn haben bei zweifelhaftem Wetter eine kaum ausgenutzte Transportkapazität, die wir lieber besser ausnutzen wollen.

Zurzeit stehen Ihnen 15 Schneemaschinen und 80 Lanzen zur Verfügung. Wird das in den nächsten Jahren reichen?

Wenn wir uns mit dem heutigen Anteil der technisch beschneiten Abfahrten zufrieden geben würden, ja. Unser Ziel ist ganz klar der weitere Ausbau der Schneeanlage, dem wir höchste Priorität zumessen. Wir werden daher in Zukunft mit Sicherheit zusätzliche Schneeerzeuger einsetzen.

«Zu erwartende Investitionen und der angestrebte Schuldenabbau werden uns kaum erlauben, in den kommenden Jahren eine Dividende auszuzahlen.»

Trotz der anspruchsvollen meteorologischen Rahmenbedingungen konnte beim Cashflow seit 1993 ein neuer Rekord eingefahren werden. Der macht mittlerweile stolze 35,4% vom Umsatz aus. Neue Transportanlagen wird es wohl auf absehbare Zeit nicht brauchen?

Der Wunsch unserer Gäste nach Schneesicherheit und komfortablen Transportanlagen wird uns auch in den kommenden Jahren dazu bewegen, unsere Anlagen zu erweitern. Wir gehen nach dem Grundsatz: Stillstand = Rückschritt. Aus diesem Grund werden wir versuchen, neben dem geplanten Schuldenabbau auch jeweils die nötigen Investitionen zu tätigen um für unsere Kunden attraktiv zu bleiben.

Bestünde nicht die Möglichkeit, die Aktionäre mit einer Dividende profitieren zu lassen oder werden Sie lieber, wie in den letzten Jahren geschehen, scheibchenweise die ohnehin gute Eigenkapitaldecke weiter stärken?

Unser Anteil an Eigenkapital hat sich zwar erfreulich entwickelt, doch werden uns die schon erwähnten Investitionen und der angestrebte Schuldenabbau kaum erlauben, in den kommenden Jahren eine Dividende auszuzahlen.

 

Die Skiunfälle gehen auf Belalp seit 2013 Jahr für Jahr zurück. Liegt das an Präventionskampagnen?

Sicherheit für unsere Mitarbeiter und Gäste ist ein teures aber auch unschätzbar wertvolles Gut, das mit jährlichen Massnahmen in der Anlage der Abfahrten, den zugehörigen Sicherungsmassnahmen und einer guten Markierung stets verbessert wird. Die Kampagnen von SBS, bfu und SUVA werden aber sicher auch ihren Teil beim Rückgang der Unfallzahlen beitragen.

Zum Gesprächspartner:
Michael Nellen war zunächst (1995 – 1999) Hochbauzeichner bei Bürcher & Albrecht in Naters, ehe er Berg- und Cannyoning-Führer (IVBV) beim Schweizer Bergführerverband wurde (2001-2004). 2006 wurde er auch Pisten- und Rettungsfachmann Seilbahnen Schweiz. Anschliessend machte eine Ausbildung (2008 – 2009) zum Fachmann im Tourismusmanagement an der Hochschule Luzern. Von 2010 bis 2016 war Michael Nellen bereits Leiter Pisten- und Rettungsdienst bei den Belalp Bahnen, wo er 1999 als einfacher Patrouilleur anfing. Seit 2017 ist er dort Geschäftsführer. Michael Nellen ist Präsident des Beirates für Sicherheit auf Schneesportabfahrten sowie Delegierter in der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen (IKAR), Delegierter im Nationalen Kernteam für Lawinenprävention (KAT) und Leiter der Ausbildung der Rettungsspezialisten der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation.

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