von Patrick Gunti
Moneycab.com: Herr Degen, Sie leiten die SZKB seit gut einem Jahr, zuerst ad interim, seit Juni definitiv. Was hat Sie in diesem Jahr besonders beschäftigt?
Michel Degen: Das wirtschaftliche Umfeld war 2025 geprägt von geopolitischen Spannungen, zunehmenden Handelshemmnissen sowie geldpolitischen Anpassungen. Die Schweizerische Nationalbank senkte den Leitzins in zwei Schritten auf 0%. Gleichzeitig blieben die Refinanzierungsbedingungen für Banken herausfordernd. In diesem Umfeld behauptete sich die SZKB dank ihrer starken Eigenkapitalbasis, gezielter Investitionen in die Digitalisierung und einer konservativen Risikopolitik als stabile und verlässliche Partnerin.
Sie haben es angesprochen – geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und wirtschaftliche Unsicherheiten prägen das internationale Umfeld. Welche besondere Rolle kommt der SZKB in solchen Zeiten für regionale Unternehmen und die Bevölkerung zu?
Gerade in solchen Phasen braucht es Stabilität und Verlässlichkeit. Als gut kapitalisierte und regional stark verankerte Kantonalbank können wir Orientierung, Sicherheit und langfristige Partnerschaft bieten.
Was treibt die Kundinnen und Kunden der Schwyzer Kantonalbank aktuell am stärksten um?
Das Umfeld bleibt anspruchsvoll und teils schwer vorhersehbar. Die grössten Unsicherheiten liegen im geopolitischen Umfeld und in der weiteren Zinsentwicklung. Dank unserer breiten Ertragsbasis, vorsichtigen Risikopolitik und starken Kapitalisierung sind wir jedoch gut aufgestellt, um auch anspruchsvolle Phasen erfolgreich zu meistern.
«Das Umfeld bleibt anspruchsvoll und teils schwer vorhersehbar. Die grössten Unsicherheiten liegen im geopolitischen Umfeld und in der weiteren Zinsentwicklung.»
Michel Degen, CEO Schwyzer Kantonalbank SZKB
Der Gewinn der SZKB sank 2025 unter dem Strich um 4,3 Prozent auf 84,5 Millionen Franken, der Geschäftserfolg lag 8,3 Prozent unter dem Vorjahr. Wie stark hat die Senkung des Leitzinses auf 0 Prozent Ihre Ertragsstruktur beeinflusst?
Die bereits im Vorjahr von der SNB eingeleitete Senkung des Leitzinses führte zu deutlich niedrigeren Zinserträgen auf der Aktivseite, namentlich bei den SARON-basierten Hypotheken – welche einen grossen Anteil an den Hypotheken bei der SZKB ausmachen. Diese Rückgänge konnten durch die Entlastung der Passivzinsen der verschiedenen Anlagegelder nicht vollständig ausgeglichen werden. Obwohl wir im Anlagegeschäft mit 15% Zuwachs kräftig zulegen konnten, vermochte dieser Zuwachs die Reduktion des Zinserfolges nicht vollständig kompensieren. Umso wichtiger war es, dass wir den Geschäftsaufwand nahezu konstant halten konnten.
Die SZKB hat im zweiten Halbjahr die Refinanzierungsstrategie angepasst. Wie nachhaltig ist dieser Effekt?
Wir denken, dass sich die angepasste Refinanzierungsstruktur günstig auf den Zinserfolg für das laufende Jahr 2026 auswirken wird. Selbstverständlich müssen wir allenfalls taktische Massnahmen einleiten, sollte die SNB den Leitzins in diesem Jahr anpassen.
Das Aktivgeschäft wuchs profitabel weiter. Wo setzen Sie aktuell Grenzen beim Wachstum – insbesondere im Kredit- und Hypothekargeschäft?
Wir wollen vorwiegend im Marktgebiet – Kanton Schwyz – wachsen und damit die nachhaltige Entwicklung im Kanton unterstützen. Mit einem Ausleihungswachstum von rund 500 Mio. Franken im 2025 fühlen wir uns komfortabel.
Die langfristigen Kundeneinlagen konnten weiter gestärkt werden. Spüren Sie dabei eher einen Vertrauenszuwachs oder eine zunehmende Vorsicht der Kundinnen und Kunden?
Kundinnen und Kunden suchen Orientierung, Stabilität und langfristige Perspektiven in einem anspruchsvollen Umfeld. In diesem Umfeld braucht es eine verlässliche Partnerin: eine Bank, die Stabilität bietet, Qualität lebt und langfristig ausgerichtet ist. Die Schwyzer Kantonalbank versteht sich genau in dieser Rolle – als starke Anlage-, Vorsorge-, Finanzierungs- und KMU-Bank für Bevölkerung, Wirtschaft und den Kanton.
Die Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit der SZKB zeigen sich nicht nur im täglichen Kundengeschäft, sondern auch in klar messbaren Ergebnissen und externen Bewertungen. Wir spüren nach wie vor ein hohes Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden in die Schwyzer Kantonalbank, was sich auch in einer deutlichen Steigerung des Kundenvermögens im Geschäftsjahr 2025 manifestiert.
Wie verändern sich die Bedürfnisse der Kundschaft im Anlagegeschäft in einem Umfeld hoher Unsicherheit und tiefer Zinsen?
In einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld braucht es eine Bank, die Stabilität, Qualität und langfristige Orientierung bietet. Die Schwyzer Kantonalbank nimmt diese Rolle wahr: Ob in der Anlage- und Vorsorgeberatung, bei der Finanzierung von Wohneigentum oder in der Begleitung von KMU bei Fragen zur Nachfolge/Kontinuität.
Wie schafft man es, in diesen turbulenten Börsen- und Markt-Zeiten die passenden Anlagemöglichkeiten zu bieten?
Unser Research-Team beobachtet und analysiert den Markt konstant. Durch diese Marktnähe können wir Entwicklungen antizipieren und für unsere Kundinnen und Kunden interessante Anlagemöglichkeiten bieten.
Mit einer Gesamtkapitalquote von 23.8 Prozent zählt die SZKB zu den bestkapitalisierten Banken der Schweiz. Wie nutzen Sie diesen Spielraum strategisch, ohne die konservative Risikopolitik zu verwässern?
Wir wachsen bewusst qualitativ und nicht rein volumengetrieben. Das bestätigt die Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells. Wir glauben daran, dass dem Kanton Schwyz gedient ist, wenn «ihre» Kantonalbank robust aufgestellt ist und ausserordentliche Ereignisse aus eigener Kraft absorbieren kann. Wir wollen vor allem organisch wachsen.
«Wir wachsen bewusst qualitativ und nicht rein volumengetrieben. Das bestätigt die Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells.»
Sie erwarten 2026 einen Geschäftserfolg auf dem Niveau von 2025, verweisen aber auf hohe Prognoseunsicherheit. Welche externen Faktoren bereiten Ihnen aktuell am meisten Sorgen – und wo sehen Sie Chancen?
Die grössten Unsicherheiten liegen im geopolitischen Umfeld und in der weiteren Zinsentwicklung. Die Unsicherheiten rund um Handelshemmnisse und Zölle belasten die exportorientierten KMU im Kanton Schwyz. Zweitrundeneffekte wie eine schwächelnde Konjunktur könnten sich in höheren Wertberichtigungen im Kreditportfolio niederschlagen. Wir haben jedoch eine ausgezeichnete Risikovorsorge und sind gerüstet für solche exogenen Schocks. Die Einführung eines negativen Leitzinses seitens SNB würde wiederum operative wie auch marktbasierte Anpassungen erfordern. Wir sind für dieses Szenario gewappnet. Chancen sehen wir darin, dass wir eine verlässliche Partnerin für die zukünftigen Herausforderungen von Bevölkerung, Wirtschaft und Kanton sind – über alle Generationen hinweg als starke Anlage-, Vorsorge-, Finanzierungs- und KMU-Bank, digital und persönlich nah. In Zeiten hoher Unsicherheit wird Vertrauen zur härtesten Währung. Wir nutzen die aktuelle Stärke, um die Bank operativ so schlank und schlagkräftig zu machen, dass wir auch in einer Seitwärtsphase der Wirtschaft Marktanteile gewinnen können.
