von Bob Buchheit
Moneycab.com: Herr Hammel, die Lauberhornrennen haben Zehntausende Zuschauer live am Pistenrand miterlebt. Spielt es marketingtechnisch eine Rolle, ob Marco Odermatt gewinnt?
Oliver Hammel: Für die Jungfraubahnen zählt, dass wir über die drei Lauberhornrenntage einen Top-Service bieten können, beim Transport der Gäste – dieses Jahr waren es über die drei Tage gesehen 72’000. Aber klar, die TV-Bilder, besonders wenn bei der Durchfahrt beim Brüggli-/Kernen-S gleich noch ein Zug der Wengernalpbahn über die Brücke fährt, sind eine tolle Werbung.
Bei einem Vergleich der grössten Schweizer Skiregionen schnitt die Jungfrau Ski Region am besten ab. Sind Skipisten in alle vier Himmelsrichtungen der Schlüssel zum Erfolg?
Das A und O für eine Wintersportregion wie die Jungfrau Ski Region sind moderne Bahnen, kaum Wartezeiten, Schneesicherheit und ein breites Wintersportangebot – nebst Skifahren und Snowboarden auch Winterwandern, Schlitteln und Adventure.
Im vergangenen Jahr hatte Grindelwald-First mit einem Plus von 7,1 Prozent auf 760’000 Ausflugsgäste den grössten Frequenz-Zuwachs. Das liegt sicherlich an den guten ganzjährigen Nutzungsmöglichkeiten, oder?
In den Jahren seit der Übernahme der Firstbahn durch die Jungfraubahnen zahlte sich eine glasklare Positionierung der Erlebnisberge aus – in dem Fall von Grindelwald-First – Top of Adventure. Unsere einheimischen und internationalen Gäste wissen, dass sie auf First das Adrenalin spüren und gleichzeitig vom First Cliff Walk und der Aussichtsplattform First View eine einmalige Aussicht geniessen können. Aber auch Spaziergänge sind möglich und ein gutes Gastroangebot gehören zum Erfolgsgeheimnis.
«Unsere einheimischen und internationalen Gäste wissen, dass sie auf First das Adrenalin spüren und gleichzeitig vom First Cliff Walk und der Aussichtsplattform First View eine einmalige Aussicht geniessen können.»
Oliver Hammel, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Jungfraubahnen
Im 2034 läuft die Konzession der Firstbahn aus. Die Planung läuft schon seit Längerem, und der Investitionsrahmen für den Neubau beträgt 100 Millionen Franken. Was ist Stand Februar infrastrukturseitig 2026 bereits definitiv – ausser dass man direkt vom Bahnhof in Grindelwald zur First kommt?
Aktuell wurde gerade der Mitwirkungsbericht von der Gemeinde Grindelwald veröffentlicht. Somit können wir schon bald das Projekt zur Vorprüfung beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung AGR einreichen. Die Linienführung ist klar – neu steht die Talstation nicht mehr mitten im Dorf, sondern beim Bahnhof Grindelwald mit einer direkten Anbindung an den öffentlichen Verkehr (Berner Oberland-Bahn, Wengernalpbahn und GrindelwaldBus, womit der Dorfkern vom Verkehr entlastet wird. Auch die Bahnsysteme sind bestimmt.
Die Jungfraubahn Holding Aktie hat zwischenzeitlich Rekordniveau erreicht. Die Ausschüttungsquote soll von hälftig auf bis zu zwei Drittel des Gewinns erhöht werden. Das lässt vermuten, dass Sie alle Investitionen locker stemmen werden?
Die starke Bilanz und der hohe Cashflow von 2025 bieten den nötigen Spielraum für höhere Ausschüttungen und gleichzeitig die Eigenfinanzierung nennenswerter Investitionen, die ein nachhaltiges Wachstum unterstützen. Zu den wichtigsten Zukunftsprojekten gehören die Erneuerung der Firstbahn sowie Ausbauprojekte auf dem Jungfraujoch und dem Eigergletscher.
«Zu den wichtigsten Zukunftsprojekten gehören die Erneuerung der Firstbahn sowie Ausbauprojekte auf dem Jungfraujoch und dem Eigergletscher.»
Ab 2030 sieht die Jungfraubahn Holding auch Raum für Zukäufe. Wo könnten die denn liegen?
Die Jungfraubahnen haben keine konkreten Akquisitionsprojekte. Aber wir beobachten die Märkte/Objekte genau.
Diesmal kam der Schnee in der Schweiz in den höheren Regionen ja rechtzeitig, und die Wintersportsaison startete für die Jungfraubahn Holding noch nie so gut. Wird 2025/2026 ein Rekordjahr werden?
Abgerechnet wird am Schluss. In der Jungfrau Ski Region verzeichneten wir den besten Saisonstart in der Geschichte. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie wichtig heutzutage die Garantie von Schneesicherheit und modernen Bahnen sind.
Bei der EBITDA-Marge wollen Sie mindestens 45% erreichen. Hilft Ihnen da das veränderte Verhalten der Hauptzielgruppe asiatische Touristen? Diese wollen ja neuerdings länger bleiben und mehr erleben.
Für uns sind alle Gäste wichtig – egal woher sie kommen. Es liegt natürlich auf der Hand, dass die Wertschöpfung pro Gast grösser ist, wenn sich dieser länger bei uns aufhält und mehrere Attraktionen besucht.
365 Tage Hochsaison bleiben klar das Ziel der Jungfraubahnen. Wo können denn überhaupt noch Lücken gefüllt werden? In den manchmal wechselhaften Frühlings- und Herbstwochen?
Alle Angebote der Jungfraubahnen haben noch Wachstumspotenzial. Auf dem Jungfraujoch liegt das Wachstumspotenzial der Frequenzen bei rund zehn Prozent – vor allem von November bis April und beim Tagesverlauf in den Morgen- und Abendstunden. Beim Wachstumspotenzial geht es aber nicht primär um die Kapazitäten, sondern um die Steigerung der Ausgaben pro Gast durch eine kontinuierliche Verbesserung der Angebote.
