von Sandra Willmeroth
Moneycab.com: Herr Zwicky, die LLB Schweiz erzielte 2025 einen Gewinn von 35 Millionen Franken. Gleichzeitig stieg das Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft um 20,8 Prozent, während der Zinserfolg um 5,9 Prozent zurückging. Wie beurteilen Sie die Qualität dieses Ergebnisses vor dem Hintergrund des veränderten Zinsumfelds?
René Zwicky: Ich beurteile die Qualität des Ergebnisses als sehr hoch. Gerade in einem veränderten Zinsumfeld zeigt sich, wie wichtig ein breit abgestütztes Geschäftsmodell mit diversifizierten Ertragsquellen ist. Es freut mich besonders, dass wir im Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft sowie im Private Banking stark wachsen konnten. Der Rückgang im Zinserfolg überrascht angesichts der Leitzinssenkungen nicht. Umso wichtiger ist, dass wir unsere Wachstumsstrategie konsequent umsetzen und in den Bereichen Fortschritte erzielen, die weniger von Zinsentwicklungen abhängig sind. Das bestätigt, dass wir auf einem guten Fundament aufbauen können und für die Zukunft gut aufgestellt sind.
Die Netto-Neugelder beliefen sich 2025 auf 184 Millionen Franken. Welche Kundensegmente haben zu diesem Wachstum besonders beigetragen und wie nachhaltig ist dieser Trend?
Besonders erfreulich entwickelt hat sich das Private Banking-Geschäft. Gleichzeitig profitieren wir von unserer starken regionalen Verankerung, unserem starken Direktkundengeschäft und von langjährigen Kundenbeziehungen, die auf Vertrauen basieren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist unser Netzwerk. Viele unserer Kundinnen und Kunden schätzen den Austausch untereinander und die Möglichkeit, von unserem breit abgestützten Beziehungsnetzwerk zu profitieren. Als LLB Schweiz verstehen wir uns einerseits als starke Finanzpartnerin und andererseits auch als Türöffner und Vernetzerin. Diese Nachhaltigkeit in Kundenbeziehungen ist wichtiger als ein einzelnes Rekordjahr. Wir investieren kontinuierlich in unsere Beratungsqualität, in unsere Mitarbeitenden und in eine persönliche Begleitung unserer Kundinnen und Kunden. Genau daraus entsteht langfristiges Wachstum.
«Als LLB Schweiz verstehen wir uns einerseits als starke Finanzpartnerin und andererseits auch als Türöffner und Vernetzerin. Diese Nachhaltigkeit in Kundenbeziehungen ist wichtiger als ein einzelnes Rekordjahr.»
René Zwicky, CEO LLB Schweiz AG
Die Kundenausleihungen stiegen um 2,7 Prozent auf 7,6 Milliarden Franken. Viele Banken beobachten derzeit eine Abschwächung im Hypothekargeschäft. Wo sehen Sie für die LLB Schweiz aktuell die attraktivsten Wachstumsfelder?
Das Hypothekargeschäft bleibt für uns ein wichtiges Geschäftsfeld und ein zentraler Bestandteil unserer Kundenbeziehungen. Dabei setzen wir weiterhin auf gesundes und nachhaltiges Wachstum. Besonders attraktive Chancen sehen wir im Private Banking, bei Unternehmerinnen und Unternehmer sowie bei ganzheitlichen Lösungen rund um Vermögen, Finanzierung und Nachfolge. Unser Ziel ist es, Kundinnen und Kunden über verschiedene Lebensphasen hinweg zu begleiten und als verlässlicher Sparringpartner ganzheitlich zu unterstützen.
Sie haben 2025 die digitale Transformation der LLB Schweiz als strategische Priorität bezeichnet. Welche konkreten Prozesse oder Dienstleistungen haben sich für die Kunden bereits spürbar verändert – und wo stehen Sie noch am Anfang?
Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck. Sie muss unseren Kundinnen und Kunden einen konkreten Mehrwert bieten. In den vergangenen Jahren haben wir verschiedene Prozesse vereinfacht und die digitale Interaktion für unsere Kundinnen und Kunden weiter ausgebaut. Gleichzeitig bleibt die persönliche Beratung für uns zentral. Die meisten Kundinnen und Kunden möchten selbst entscheiden, wann sie digital unterwegs sind und wann sie das persönliche Gespräch suchen oder gar einen hybriden Weg gehen wollen. Weiteres Potenzial sehen wir bei neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz. Dort stehen wir erst am Anfang. Wir wollen die Möglichkeiten gezielt nutzen, um Prozesse zu vereinfachen und unsere Kundenberaterinnen und -berater noch stärker zu entlasten, damit sie mehr in die Kundenbetreuung und -beratung investieren können.
Aus der traditionsreichen Bank Linth wurde 2023 die LLB Schweiz. Wann würden Sie sagen, dass die kulturelle und operative Integration tatsächlich abgeschlossen ist – oder ist ein solcher Prozess nie ganz beendet?
Operativ sind wir heute sehr weit. Die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe funktioniert hervorragend und die Marke LLB Schweiz ist etabliert. Kultur hingegen ist kein Projekt mit einem Enddatum. Sie entwickelt sich laufend weiter. Mir ist wichtig, dass wir das Beste aus beiden Welten verbinden: die starke regionale Verankerung und Kundennähe mit der Stabilität, Kompetenz und den Möglichkeiten der LLB-Gruppe.
«Kultur ist kein Projekt mit einem Enddatum. Sie entwickelt sich laufend weiter.»
Die Bank Linth war über Jahrzehnte stark regional geprägt. Die LLB-Gruppe verfolgt dagegen eine internationale Wealth-Management-Strategie. Wie gelingt es Ihnen, die regionale Identität und Kundennähe zu bewahren und gleichzeitig neue Wachstumsambitionen umzusetzen?
Für mich schliesst sich das nicht aus – im Gegenteil. Unsere regionale Verankerung ist eine grosse Stärke. Sie hilft uns, die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden wirklich zu verstehen. Gleichzeitig profitieren unsere Kunden von den Möglichkeiten und dem Leistungsangebot einer internationalen Wealth-Management-Gruppe. Genau diese Kombination macht die LLB Schweiz heute aus: persönlich, nahbar und regional verankert – gleichzeitig aber mit einem starken Netzwerk und breiten Kompetenzen im Hintergrund. Dazu kommt, dass unsere Kundinnen und Kunden von einem wertvollen Netzwerk profitieren können. Gerade für Unternehmerinnen und Unternehmer entstehen daraus oft interessante Begegnungen und neue Perspektiven. Dieses Vernetzen gehört für mich ebenfalls zu einer modernen Bankbeziehung.
Sie sind Anfang 2024 von der UBS zur LLB Schweiz gewechselt. Welche kulturellen Unterschiede haben Sie zwischen einem globalen Finanzkonzern und einer regional verankerten Bank festgestellt – und welche Elemente wollten Sie bewusst verändern?
Beeindruckt hat mich von Anfang an die grosse Identifikation der Mitarbeitenden mit der Bank und die Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden. Bei einer kleineren Organisation sind die Wege kürzer und Entscheidungen oft schneller möglich. Gleichzeitig spürt man unmittelbar, welche Wirkung das eigene Handeln hat. Verändern wollte ich nicht die Kultur, sondern die Dynamik. Wir haben eine hervorragende Ausgangslage. Mein Anspruch ist es, diese Stärken zu nutzen und die Wachstumschancen, die wir insbesondere im Private Banking und Firmenkundengeschäft sehen, konsequent zu realisieren. Gleichzeitig liegt mir viel daran, das Direktkundengeschäft weiter zu stärken und der Kundschaft sichere und einfache digitale Lösungen anzubieten.
Die LLB Schweiz hat in den vergangenen zwei Jahren neue Standorte in Zürich und St. Gallen eröffnet und ihre Wachstumsstrategie konsequent vorangetrieben. Welche Anforderungen stellt ein solches Wachstum an Führung, Unternehmenskultur und die Gewinnung von Fachkräften?
Wachstum beginnt immer bei den Menschen. Neue Standorte und neue Kundinnen und Kunden bedeuten auch neue Anforderungen an Zusammenarbeit, Führung und Unternehmenskultur. Deshalb investieren wir gezielt in unsere Mitarbeitenden und schaffen ein Umfeld, in dem Verantwortung übernommen und Entwicklung ermöglicht wird. Gerade in einem anspruchsvollen Arbeitsmarkt sind engagierte und kompetente Mitarbeitende ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie machen letztlich den Unterschied für unsere Kundschaft aus.
Für 2026 sprechen Sie von qualitativem Wachstum. Was bedeutet das konkret? Geht es primär um zusätzliche Kundengelder, um höhere Profitabilität oder um eine weitere Verschiebung hin zum Private Banking und zu externen Vermögensverwaltern?
Qualitatives Wachstum bedeutet für mich nachhaltiges Wachstum. Natürlich wollen wir neue Kundengelder gewinnen und unsere Ertragskraft weiter stärken. Gleichzeitig achten wir darauf, dass Wachstum zu unserer Kultur, unserer Risikopolitik und unserem langfristigen Anspruch passt. Wir möchten langfristige, stabile und partnerschaftliche Kundenbeziehungen aufbauen. Wir sehen weiterhin attraktive Chancen im Private Banking und im Firmenkundengeschäft. Gleichzeitig bleibt unser starkes Direktkundengeschäft ein wichtiges Fundament, auf dem wir aufbauen. Entscheidend ist aber nicht die Geschwindigkeit, sondern wie bereits gesagt die Qualität des Wachstums.
«Natürlich wollen wir neue Kundengelder gewinnen und unsere Ertragskraft weiter stärken. Gleichzeitig achten wir darauf, dass Wachstum zu unserer Kultur, unserer Risikopolitik und unserem langfristigen Anspruch passt.»
Drei Jahre nach der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS ist der Schweizer Bankenmarkt stärker konzentriert als je zuvor. Welche Chancen ergeben sich daraus für Institute wie die LLB Schweiz – und wo sehen Sie Risiken für den Finanzplatz Schweiz?
Viele Kundinnen und Kunden wünschen sich neben Grösse und Stabilität auch persönliche Nähe, Kontinuität und kurze Entscheidungswege. Genau dort sehen wir Chancen für die LLB Schweiz. Gleichzeitig lebt der Finanzplatz Schweiz von Vielfalt und Wettbewerb. Unterschiedliche Geschäftsmodelle stärken die Innovationskraft und erhöhen die Wahlmöglichkeiten für Kundinnen und Kunden. Diese Vielfalt sollten wir erhalten.
Die Weltwirtschaft wird derzeit von geopolitischen Spannungen, hoher Staatsverschuldung und einer unsicheren Zinsentwicklung geprägt. Welche makroökonomischen Risiken bereiten Ihnen aktuell die grössten Sorgen, und wie positionieren Sie die LLB Schweiz für dieses Umfeld?
Die geopolitischen Unsicherheiten, die hohe Verschuldung vieler Staaten und die schwer vorhersehbare Zinsentwicklung beschäftigen aktuell wohl alle Marktteilnehmer. Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, ruhig zu bleiben und langfristig zu denken. Wir setzen auf eine solide Kapitalisierung, eine breite Diversifikation und ein umsichtiges Risikomanagement. Die LLB Schweiz ist regional stark verankert und gleichzeitig Teil einer erfolgreichen internationalen Gruppe, welche zu den sichersten Banken der Welt zählt. Diese Kombination gibt uns Stabilität und unseren Kundinnen und Kunden Sicherheit. Dies auch in einem anspruchsvollen Umfeld.
