Roman Barmettler, Geschäftsführer Brunni-Bahnen Engelberg AG, im Interview

Roman Barmettler

Roman Barmettler, Geschäftsführer Brunni-Bahnen Engelberg AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Barmettler, für die Monate Mai, Juni, Juli und August gab es gegenüber dem Sommer 2021 ein Gästeplus von 34 Prozent. Hat der Oktober jetzt noch ein Sahnehäubchen draufgesetzt?

Roman Barmettler: Der warme Herbst hat uns wirklich nochmals viele Gäste beschert. Umsatzmässig konnten die Brunni-Bahnen um sieben Prozent gegenüber einem starken Oktober 2021 zulegen. Der Herbst wird vermehrt zum zweiten Sommer, denn die Temperaturen sind angenehmer für Aktivitäten im Freien. Und es freut mich, dass wir viele Gäste in den Bergen begrüssen durften, obwohl die Reisen ins Ausland wieder stark zugenommen haben.

Im Durchschnitt bleiben Ihre Gäste aber weniger als zwei Tage. Kann man das verbessern?

Die Ticketstrukturen mit Mehrtageskarten und unterschiedlichen Abos sind bereits seit Jahren darauf ausgelegt, ein Angebot für Mehrtagesgäste zu schaffen. Es ist jedoch die geografische Lage, welche für die Aufenthaltsdauer ausschlaggebend ist. Engelberg ist im Vergleich zu anderen Bergdestinationen sehr gut mit dem Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr erreichbar. Mit Pauschalangeboten oder Events versuchen wir gemeinsam mit den touristischen Leistungsträgern die Gäste für mehrere Tage nach Engelberg zu holen. Dies wird aber eine immer grössere Herausforderung. Wir spüren das direkt bei unserer Berglodge mit den Familienzimmern. Konkret müssen wir unser Bettenangebot von Mehrbettzimmer auf Zweibettzimmer anpassen. Egal ob Familien oder Paare – die Privatsphäre geniesst einen hohen Stellenwert. Dies wird bei der Planung der Erweiterung der Bettenkapazitäten im Ristis berücksichtigt.

«Der Herbst wird vermehrt zum zweiten Sommer, denn die Temperaturen sind angenehmer für Aktivitäten im Freien.»
Roman Barmettler, Geschäftsführer Brunni-Bahnen Engelberg AG

Die begehrten Schlafplätze direkt unter dem Sternenhimmel in der Tiny House – Gondel waren fast immer ausgebucht. Wird Sie auch im nächsten Sommer noch einmal zum Einsatz kommen?

Es war bereits bei Projektstart klar, dass es eine einmalige Sache wird. Die neuen Besitzer suchen für das Tiny House immer wieder neue attraktive Standorte. Aber wir sind stolz, konnten wir die alte Brunni-Gondel als Tiny House zurück an ihre ehemalige Wirkungsstätte bringen. Das Projekt war auch für uns spannend und hat sich ausbezahlt. Dank hervorragender PR-Arbeit durch die neuen Besitzer in Zusammenarbeit mit den Brunni-Bahnen konnten wir nationale Aufmerksamkeit erwirken. Und es hat sogar einen Heiratsantrag gegeben. Die Kulisse ist nämlich wirklich sehr romantisch.

25 km Winterwanderwege stehen zur Verfügung. Haben Sie eine Ahnung, wie viele Leute pro Jahr einen Teil der Strecke unter die Füsse nehmen?

Ich gehe davon aus, dass rund zwanzig Prozent aller Gäste unsere präparierten Winterwanderwege benutzen. Das sind also rund 20 000 Personen. Was wir aber mit Sicherheit wissen, dass der Panoramawanderweg der beliebteste Weg ist. Mit einem wunderschönen Blick nach Engelberg und dem Hahnen zum Greifen nahe lockt er zahlreiche Gäste an.

«Ich gehe davon aus, dass rund zwanzig Prozent aller Gäste unsere präparierten Winterwanderwege benutzen.»

Letztes Jahr war besonders das Kinder-Abonnement gefragt gewesen. Was mögen die Kids am Brunni oder ist es der Preis, den die Eltern bezahlen müssen?

Vermutlich ist es die Kombination. Der Preis für Skimiete inklusive Abo ist äusserst attraktiv. Zudem schätzen die Eltern die Erreichbarkeit der Klostermatte und deren Überschaubarkeit. Die Kinder sind immer auf Sichtkontakt unterwegs, und das Gelände hat ein attraktives, konstantes Gefälle. Das ist auch für die kleinen Skifahrer/innen sehr angenehm. Gemeinsam mit Intersport Achermann wollen wir Basisarbeit betreiben. Denn die Kinder von heute, sind unsere Gäste von morgen. Wie oft hören wir in Gesprächen, dass man hier auf der Klostermatte vor zwanzig oder dreissig Jahren seine ersten Schwünge gemacht hat.

Für den Ersatz des Schlepplifts auf die Schonegg wurde eine erste Machbarkeitsstudie erstellt. Wie läuft die Detailplanung?

Die Studie hat uns aufgezeigt, dass es sinnvoll ist, eine Ersatzanlage zu erstellen, die auch im Sommer genutzt werden kann. Die nächsten Monate beschäftigen wir uns in diversen Etappen mit dem Bauprojekt, von der Ausschreibung für die Seilbahn bis hin zum Plangenehmigungsverfahren. Wir rechnen mit einem Planungshorizont von vier bis fünf Jahren.

Die Eigenkapitalquote verbesserte sich letztens um zwei Prozent auf 65. Wo wird sie nach dem Ersatzbau zu liegen kommen?

Ein Ziel muss es sein, nicht unter 50 Prozent zu fallen. Dies hängt allerdings stark von dem Geschäftsgang der nächsten drei bis vier Jahre ab. Zudem stehen auch noch weitere kleinere Investitionsprojekte wie Sanierung des Vorplatzes bei der Talstation oder die Erneuerung von Anlagen im Kinderland Yeti-Park an. Diese Investitionen werden mit den erwirtschafteten Finanzmitteln bewerkstelligt.

Die Skisaison soll schon am 3. Dezember beginnen. Was passiert, wenn keinerlei Schnee fällt?

Die Brunni-Bahnen sind in der glücklichen Lage, dass wir in dieser Zeit ohne grossen Aufwand das Herbstprogramm hochfahren können. So werden beispielsweise die Rodelbahn, der Alpenspielplatz und die Grillstellen wieder in Betrieb genommen. Dieses Szenario hatten wir bereits im Winter 2018/19 und damit gute Erfahrungen gemacht. Die technische Beschneiung unterstützt uns, auch nur ein Teilgebiet zu öffnen. So kommt es im Kinderland Klostermatte oft vor, dass der Ausstieg bereits bei Stütze vier ist. Unsere kleinen Gäste wollen einfach in den Schnee, und machen bei der Pistenlänge keinen Unterschied.

«Für die Zukunft wünsche ich mir im Brunni-Gebiet einerseits kleine und feine Veranstaltungen, andererseits jährlich zwei bis drei grössere Events.»

Sie waren, bevor Sie CEO der Brunni-Bahnen wurden, Eventmanager und im Marketing engagiert. Was haben Sie für neue Ideen im Petto?

Die Brunni-Bahnen haben eine lange Tradition und spielten im Marketing ihre Stärken passgenau aus. Mir ist wichtig, erfolgreiche bestehende Partnerschaften weiterzuführen. Kontinuität ist auch im Marketing zentral. Mir schwebt in den nächsten Jahren vor, das CI/CD an die Destination anzunähern. Die Ausgangslage in der Eventorganisation hat sich mit Corona stark verändert. Aus meiner Erfahrung in Andermatt wurde ich in Sachen Planung vorsichtiger, um nicht unnötig Kosten zu verursachen. Für die Zukunft wünsche ich mir im Brunni-Gebiet einerseits kleine und feine Veranstaltungen, andererseits jährlich zwei bis drei grössere Events, die in Zusammenarbeit mit Leistungsträgern aus Engelberg wie Engelberg-Titlis Tourismus oder dem Kursaal Engelberg entstehen.

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2021/22 war mit siebeneinhalb Millionen umsatzmässig das zweitbeste in der Unternehmensgeschichte. Was braucht es, damit 2022/2023 das beste werden könnte?

Als wetterabhängige Branche brauchen wir noch einige hochfrequentierte Schönwettertage an Wochenenden und über die Festtage. Eine höhere Auslastung der Bergbahnen und Gastronomiebetrieb unter der Woche würden den Umsatzzahlen sicherlich nicht schaden, wobei wir mit
dem erreichten Umsatz aus 2021/22 äusserst zufrieden sind. Wir müssen auch realistisch sein. Unsere Infrastruktur und die Natur, in der wir Angebote kreieren, geben uns Grenzen vor. So erwarte ich umsatzmässig nicht mehr grosse Sprünge nach oben. Ich glaube die acht Millionen sind mit unserer aktuellen Aufstellung möglich, wobei sehr viele Faktoren stimmen müssen.

Brunni-Bahnen Engelberg AG

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