von Bob Buchheit
Moneycab.com: Herr Barmettler, wie fällt Ihr Fazit für das Wintergeschäft 2025/26 aus. Hat der Schneeschub im März noch etwas gebracht?
Roman Barmettler: Nach dem Schneefall Ende März bestätigt Engelberg einmal mehr seinen Ruf als Mekka der Freeride-Szene. In den Tagen während und nach dem Schneefall zog es zahlreiche Freerider zu uns in die Berge. Die Ostertage waren gut besucht, und doch blieb es unter den Erwartungen. Wir gehen davon aus, dass die warmen Tage im Flachland die Gäste auf die Velos und ins Grüne zog. Ohne zusätzlichen Schneefall und wegen der warmen Temperaturen Mitte März hätten vermutlich nicht alle Pisten bis zum Schluss offen gehabt.
In der Schweiz machen sich zunehmend amerikanische Grossinvestoren im Skigeschäft breit. Hat das Rückwirkungen auf die Ticketpreise bei den kleineren Skigebieten?
Die Preisstrategie kann weiterhin eigenständig festgelegt werden, was eine flexible und marktgerechte Gestaltung der Angebote für unsere Zielgruppe die Familien ermöglicht. Aktuell sind keine negativen Auswirkungen auf die Nachfrage bei den Brunni-Bahnen spürbar – die Entwicklung zeigt sich stabil. Zusätzlich sind wir im Tarifverbund AlpsPass eingebunden. Dies bietet den Gästen einen erweiterten Mehrwert und stärkt die Attraktivität der Destination Engelberg.
Noch bis 8. Mai sind alle Bahnen geschlossen. Ein Monat ist eine lange Zeit…Was bedeutet das für das Dutzend Restaurants im Gebiet?
Unsere drei betriebseigenen Restaurants, drei an der Zahl, befinden sich aktuell in der Pause und bleiben vorübergehend geschlossen. Die Vorbereitungen für die kommende Wintersaison starten jeweils rund eine Woche vor dem Saisonbeginn. Unsere Mitarbeitenden aus der Gastronomie geniessen aktuell ein paar ruhigere Tage in den wohlverdienten Ferien. Weitere Restaurant im Brunni-Gebiet, die mit einem Auto erreichbar sind, haben grossmehrheitlich geöffnet oder zumindest reduzierte Öffnungszeiten.
«Wir freuen uns sehr, dass unsere Berggastronomie so grossen Anklang findet und für Qualität steht. Gleichzeitig bleibt unser zentrales Standbein weiterhin das Anlagen- und Freizeitangebot.»
Roman Barmettler, Geschäftsführer Brunni-Bahnen Engelberg, im Interview
Werden Ihre eigenen Restaurants bald die Hälfte des Betriebsertrags ausmachen?
Mit dem Zukauf der Brunnihütte auf 1860 Meter über Meer im Jahr 2024 konnte der Umsatz im Gastronomiebereich klar weiter gesteigert werden. Aktuell liegt der Anteil der Gastronomie am Gesamtumsatz bei rund 40 Prozent. Aufgrund der engen Abhängigkeit zwischen Bahnbetrieb und Gastronomie ist eine gleichmässige Umsatzaufteilung im Sinne eines 50:50-Verhältnisses nicht realistisch. Es hat zwar schon Tage gegeben, als das Wetter trüb war und wir grössere Gruppen im Gebiet hatten, dass unsere Gastro-Abteilung am Abend grössere Tageseinnahmen verbuchen konnten als der Bahnbetrieb. Das gab ein Schmunzeln intern. Wir sind aber froh, dass unsere Berggastronomie sehr gut ankommt und für Qualität steht. Unser Kerngeschäft ist und bliebt das Anlagen- und Freizeitgeschäft.
Die Frühlings- und Sommersaison steht bevor. Welche Neuigkeiten werden die Bergbahnen Engelberg Brunni auftischen?
Das Freizeitangebot für Familien wurde weiter ausgebaut: Auf dem Holzkugelpfad sorgen neu sechs zusätzliche Bahnen für noch mehr Spiel- und Erlebniswert. Auch in der Brunnihütte wurden gezielte Aufwertungen vorgenommen. Das «Stübli» und die «Gaststube» sind einem Facelifting unterzogen worden, um so die Aufenthaltsqualität für die Gäste zu verbessern. Neu wird zudem ein Älplerbrunch angeboten, der das kulinarische Angebot auf der Hütte an auserwählten Sonntagen erweitert. Parallel dazu hat das Technikteam in der Revisionszeit wichtige Arbeiten wie Laufwerkrevision und Rollenbatterien unterhalten, damit unsere Anlagen reibungslos in den Sommer starten können.
Zum Familienberg Brunni trägt sicherlich auch die dauerhafte Sommerfreifahrt für alle Kinder bei. Ich nehme an, Sie erwarten dennoch einen Umsatzzuwachs fürs reine Sommergeschäft?
Der Sommer, inklusive Frühling und Herbst, entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Umsatztreiber und zeigt eine klar aufstrebende Tendenz. Insbesondere die freie Fahrt für Kinder wird von Familien sehr geschätzt und ist ein zentraler Bestandteil unserer Positionierung. Wir merken, dass die Familien immer preissensibler werden. Gleichzeitig ist ein wachsendes Interesse am Wandern oder allgemein am Aufenthalt in der Natur festzustellen. Die Aktivität gewinnt weiter an Beliebtheit, nicht zuletzt, weil der Einstieg niederschwellig ist und nur wenig spezielle Ausrüstung erfordert.
«Der Sommer, inklusive Frühling und Herbst, entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Umsatztreiber und zeigt eine klar aufstrebende Tendenz.»
Die unverbilligte Bergfahrt für Gleitschirmpiloten ist mit 31,50 für die Bergfahrt nicht gerade billig. Wieso hat man da eine dreifache Staffelung in Zehnerschritten, Halbtax zu 21,50, GA zu 11,50, eingeführt?
Die Tarife leiten sich aus den Einzelfahrten ab und basieren auf der SBB-Ausfallsentschädigung, die jährlich aus dem Halbtax- und GA-Gefäss an uns gelangen. Dieses Modell ermöglicht eine nachvollziehbare und konsistente Preisgestaltung. Die Gebühr von CHF 1.50 umfasst Start- und Landegebühren und kommt direkt den Grundeigentümern am Berg und im Tal zugute. Damit wird eine faire Beteiligung an der Nutzung der Landflächen sichergestellt.
Die erfahrungsgemäss schwächeren Monate Mai und Juni entwickelten sich im letzten Geschäftsjahr erstaunlich gut. Lässt die Erderwärmung da grüssen?
Für den Erfolg der frequenzschwächeren Monate in der Nebensaison spielt das Wetter an Feiertagen und Wochenenden eine entscheidende Rolle. Stimmen die Bedingungen, wirkt sich dies unmittelbar positiv auf die Besucherzahlen aus. Fallen zudem auch die Wochentage wetterbedingt attraktiv aus, können vermehrt Schulklassen und Gruppen im Gebiet begrüsst werden, was zusätzlichen Umsatz generiert. Ob und in welcher Form die Erderwärmung hierfür direkt für unsere Zahlen verantwortlich ist, ist sehr schwierig zu sagen. Feststellbar ist jedoch, dass die Wetterbeständigkeit aber auch die Wetterwechsel in den Bergen in den letzten Jahren zugenommen haben.
Sie selbst stammen ja aus Stans. Ist die Ticket-Kooperation mit der Stanserhornbahn, Stichwort Bergsehnsuchtspass, für Sie eine Herzensangelegenheit?
Dass der Wohnort in Stans mit einer bestehenden Kooperation der Stanserhorn Bahn zusammenfällt, ist rein zufällig. Die Zusammenarbeit wurde bereits von meinen Vorgängern als Produkt initiiert und hat sich seither etabliert. Das freut mich sehr. Vielmehr steht diese Kooperation exemplarisch für die enge Partnerschaft innerhalb der Region. Ziel ist es, sich gegenseitig zu unterstützen und den verschiedenen Zielgruppen einen echten Mehrwert zu bieten. Aber ja, freuen tut mich persönlich die Zusammenarbeit sehr.
