von Sandra Willmeroth
Moneycab.com: Herr Hilfiker, die Bilanzsumme der Hypothekarbank Lenzburg ist 2025 im Stammhaus um 14,3 Prozent gestiegen – fast ausschliesslich dank Kundengeldern. Wie nachhaltig ist dieses Wachstum in einem Umfeld sinkender Zinsen und steigender Liquiditätskosten?
Silvan Hilfiker: Wir hatten im vergangenen Jahr bewusst einen Fokus auf die Beschaffung von Passivgeldern gelegt. Der starke Kundengeldzufluss ist hauptsächlich in diesem Kontext zu sehen. Der Leitzins von 0 Prozent ist in der Tat für Banken das schlechteste aller Zinsszenarien. Hohe Liquidität ist nicht nur mit Kosten verbunden, sondern auch ein Zeichen der Stabilität und Kundengeldsicherheit. Der starke Kundengeldzufluss ist ein Zeichen des Vertrauens in unsere Bank. Zudem haben wir als Plattformbank mit BaaS-Geschäft einen höheren Liquiditätsbedarf als andere Regionalbanken.
Die Hypothekarforderungen sind rückläufig. Wie lange können Sie die Kreditvergabe strategisch drosseln, ohne Marktanteile oder Kundenbeziehungen zu gefährden?
Die Drosselung ist gezielt erfolgt. Strategisch streben wir ein Wachstum von 1 bis 3 Prozent an. In den vergangenen Jahren lagen wir immer darüber. Wir spüren zudem weiterhin die Auswirkungen der Credit-Suisse-Übernahme durch die UBS. Gewisse Kunden suchen nach Alternativen. Wir könnten wesentlich stärker wachsen. Allerdings müssen wir hier die Kapitalauslastung im Auge behalten. Da wir auch in Zukunft eine überdurchschnittliche Kapitalquote haben möchten, können wir nur gezielt wachsen. Auch wir spüren, dass die Refinanzierung anspruchsvoller geworden ist, obwohl wir bei den Passivgeldern zulegen konnten. Daher werden wir im Hypothekargeschäft weiterhin nur moderat wachsen.
«Der starke Kundengeldzufluss ist ein Zeichen des Vertrauens in unsere Bank»
Silvan Hilfiker, CEO Hypothekarbank Lenzburg, im Interview
Das Zinsdifferenzgeschäft ist um über 10 Millionen Franken eingebrochen. Wie stark bleibt die Bank mittelfristig von der Zinsentwicklung abhängig, und wie viel strukturelles Ertragspotenzial sehen Sie im Anlage-, BaaS- und Informatikgeschäft?
Wir diversifizieren die Ertragsbasis mit der Stärkung des Anlage- und Open-Banking-Geschäfts genau wegen der stärkeren Volatilität im Zinsgeschäft, die in den vergangenen Jahren zu beobachten war. 2025 machte das Zinsgeschäft 65 Prozent des Nettoerfolgs der Bank aus, das Kommissionsgeschäft 16 Prozent und der übrige ordentliche Erfolg 15 Prozent. Die Anteile der letzten beiden Bereiche sind damit gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Das Zinsgeschäft wird auch in Zukunft ein zentraler Bereich bleiben. Das Ziel ist es, gleichzeitig die Ertragsbasis im Anlage-, BaaS- und Informatikgeschäft weiter zu steigern.
Die Kundendepots sind um 30 Prozent gestiegen. Wie viel davon ist echter Nettozufluss, und wie stabil ist dieses Wachstum in einem volatileren Marktumfeld?
Der Nettozufluss beträgt deutlich mehr als die Hälfte, rund zwei Drittel. Die Zuflüsse sind die Folge höherer Assets under Management im Bereich «Execution only» mit unseren digitalen externen Vermögensverwaltern (EVV) und des Wachstums in der Vermögensverwaltung. Wir gehen davon aus, dass die Zuflüsse von unseren EVV-Partnerschaften sich weiter positiv entwickeln werden.
Das BaaS- und Informatikgeschäft wächst zweistellig. Wie hoch ist der Anteil wiederkehrender Erträge, und wie abhängig ist dieses Wachstum von einzelnen Partnern?
Wir haben ein breit diversifiziertes Portfolio mit Fintech-Partnerbanken und BaaS-Kooperationen. Auch in der Pipeline befinden sich interessante Projekte. Wir werden weiter bestrebt sein, dieses Portfolio nachhaltig weiterzuentwickeln. Dabei ist auch der EU-Markt im Fokus, für den erste Kooperationen in Vorbereitung sind.
«Wir haben ein breit diversifiziertes Portfolio mit Fintech-Partnerbanken und BaaS-Kooperationen. Auch in der Pipeline befinden sich interessante Projekte.»
Sie haben realisierte Gewinne aus Finanzanlagen genutzt, um den Ertrag zu stützen. Wie viel Ergebnisvolatilität akzeptieren Sie, und wo ziehen Sie die Grenze zwischen aktiver Steuerung und Verwässerung der Ergebnisqualität?
Wir haben aufgrund der positiven Marktentwicklung entschieden, einen Teil der Gewinne unserer Finanzanlagen zu realisieren. Das ist keine Ergebniskosmetik. Gleichzeitig zu den Veräusserungen haben wir nämlich auch neu investiert: Insgesamt haben unsere Finanzanlagen Ende 2025 gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 826 Millionen Franken zugenommen. Und die operativ starke Qualität unseres Ergebnisses haben wir mit deutlichen Wachstumsraten in verschiedenen Bereichen unter Beweis gestellt. Wir haben ein qualitativ starkes Resultat erzielt in einem äusserst anspruchsvollen Umfeld.
Der Geschäftsaufwand steigt um 2,4 Prozent, während der Ertrag leicht sinkt. Welche konkreten Massnahmen sollen 2026/27 die Kosteneffizienz spürbar verbessern?
Grundsätzlich investieren wir weiter in die Zukunft und entwickeln damit Wachstumsbereiche. Damit dies möglich ist, müssen wir effizienter werden, indem wir Prozesse konsequent automatisieren und vereinfachen. Dies bedeutet keine Entlassungen, aber vielleicht ein verändertes Berufsbild. Wir wollen zudem mit der Schaffung der Gruppenstruktur und speziell in der Zusammenarbeit mit Swiss Bankers Synergieeffekte realisieren.
«Grundsätzlich investieren wir weiter in die Zukunft und entwickeln damit Wachstumsbereiche. Damit dies möglich ist, müssen wir effizienter werden, indem wir Prozesse konsequent automatisieren und vereinfachen.»
Die neue Gruppenstruktur mit Hypothekarbank Lenzburg, Swiss Bankers und Finstar soll Klarheit schaffen. Welche Synergien erwarten Sie operativ und finanziell – und in welchem Zeithorizont?
Die genaue Strategie wird wie angekündigt 2026 ausgearbeitet. Vereinfacht gesagt wird die Gruppe das machen, was die Bank bisher machte. Jetzt aber fokussierter, weil die einzelnen Gesellschaften konsequenter auf ihre jeweils spezifischen Märkte ausgerichtet werden können. Es herrschen im Informatik-, BaaS- und Retailbank-Geschäft unterschiedliche kulturelle, marktspezifische und bankfachliche Bedingungen. Diesem Umstand wollen wir mit der HBL-Gruppe stärker Rechnung tragen. Wir schaffen so mehr Entwicklungsmöglichkeiten, auch mit der Möglichkeit von Beteiligungen von Drittparteien bei den einzelnen Gesellschaften.
Swiss Bankers hat 2025 noch Verluste geschrieben. Wann rechnen Sie mit einem Turnaround, und welche Rolle spielt das BaaS-Geschäft in diesem Prozess?
Der Turnaround ist vor allem eine Frage der strukturellen Anpassungen im laufenden operativen Geschäft von Swiss Bankers. Hier haben wir im zweiten Halbjahr 2025 bereits Fortschritte erzielt und ein Turnaround bis Ende 2026 wird angestrebt. Die BaaS-Komponente ist mehr Zukunftsmusik, die im Zusammenspiel mit der Hypothekarbank Lenzburg und Finstar als Gruppe und im Plattformgeschäft Potenzial entfalten soll.
Finstar tritt ab 2026 als eigenständige AG auf. Wie positionieren Sie Finstar im Wettbewerb mit grossen Kernbankensystemen, und wie viel externes Wachstum ist realistisch?
An der Positionierung von Finstar wird sich vorerst nichts ändern. Der Fokus liegt jetzt auf der Aufnahme des operativen Geschäftsbetriebs, der Stabilisierung der vorhandenen Grundpfeiler für die Realisierung weiterer Wachstumsoptionen und generell für die operative Weiterentwicklung der Unternehmensstruktur. Finstar stellt im erwähnten Plattformbusiness für Banken, banknahe Unternehmen, Fintech-Startups und andere Unternehmen im Kontext der neuen HBL-Gruppe die technologische Speerspitze dar. Die offene Systemarchitektur von Finstar – Stichwort Open API – ist und bleibt zentral.
