Stefan P. Butz, CEO DKSH, im Interview

Stefan P. Butz

Stefan P. Butz, CEO DKSH Gruppe. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Butz, mit Bosung in Korea und MedWorkz in Singapur hatten Sie zwei Medizintechnikfirmen übernommen. Sind in diesem Bereich die Margen besonders hoch?

Stefan P. Butz: DKSH verfolgt eine gezielte Akquisitionsstrategie mit Fokus auf attraktive Margen und strategische Wachstumsfelder. Entsprechend entfielen rund 80% der Akquisitionsausgaben der letzten fünf Jahre auf höhermargige Bereiche. Durch die fokussierten Akquisitionen unterstützen wir gleichzeitig die Wachstumsstrategien der jeweiligen Geschäftseinheiten. So stärken Akquisitionen wie Bosung, Biomedic, MDxK, Taqkey und Quantum Biotech die Position unserer Geschäftseinheit Technologie als führender Anbieter wissenschaftlicher Lösungen, während MedWorkz und Acutest Systems die Geschäftseinheit Gesundheit und damit den Ausbau unserer Präsenz in der fragmentierten Medizintechnikbranche im Asien-Pazifik-Raum vorantreiben.

Hat der Produktemix im vergangenen Halbjahr hauptsächlich den Reingewinn um 9,2 Prozent (bereinigt +13,3%) auf 105,2 Millionen Franken gesteigert?

Zu unserem soliden operativen Ergebnis haben insbesondere das beschleunigte organische Wachstum, die erfolgreiche Geschäftsentwicklung mit neuen und bestehenden Kunden sowie die konsequente Umsetzung strategischer Initiativen wie beispielsweise gezielte Akquisitionen beigetragen. Das Nettofinanzresultat wurde zusätzlich von positiven Währungseffekten beeinflusst.

«Business Development bleibt der wichtigste Wachstumstreiber unserer Geschäftseinheit Gesundheit.»
Stefan P. Butz, CEO DKSH

Wo liegen im Bereich Healthcare, der bei DKSH rund die Hälfte des Umsatzes ausmacht, die grössten Gewinnbringer der Zukunft?

Business Development bleibt der wichtigste Wachstumstreiber unserer Geschäftseinheit Gesundheit. Wir haben unser Portfolio deutlich ausgebaut, wobei rund 80% der Geschäftsmöglichkeiten auf Commercial-Outsourcing-Partnerschaften entfallen. Dabei priorisieren wir grössere und strategisch besonders relevante Partnerschaften wie die kürzlich angekündigte Zusammenarbeit mit Lilly, die unser Gesundheitsgeschäft weiter stärken wird. Gleichzeitig fokussieren wir auf wachstumsstarke Segmente in den Bereichen Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik sowie auf spezialisierte Therapiegebiete wie seltene Erkrankungen. Wir erweitern unsere Plattform zudem weiterhin durch gezielte Akquisitionen im Bereich Commercial Outsourcing sowie Eigenmarken in Asien und weiteren attraktiven Märkten.

Insgesamt hatten die negativen Währungseffekte die Umsatzentwicklung mit knapp 320 Millionen Franken belastet. Haben die etablierten Hedging-Prozesse in den Geschäftsbereichen Performance Materials und Technology nicht geklappt?

Unsere Hedging-Prozesse haben auch im letzten Halbjahr gut funktioniert. Der Einfluss von Wechselkursen ist für uns in erster Linie translationaler Natur, da wir in Schweizer Franken rapportieren. Im Rahmen unserer Geschäftstätigkeiten fallen Kosten und Umsätze in der Regel in derselben Währung an, weshalb wir von einem natürlichen Hedge profitieren. Wo dies nicht der Fall ist, sichern wir die entsprechenden Währungsrisiken ab. Zudem führen wir liquide Mittel regelmässig aus lokalen Märkten in Schweizer Franken zurück. Seit Jahresbeginn haben sich die Wechselkurse gegenüber dem Vorjahr ausserdem stabilisiert.

Die Spezialchemie hat weltweit Probleme. Merken Sie das auch in Ihrem Vertrieb bei Performance Materials?

Wir beobachten, dass der Markt weiterhin von Volatilität und Unsicherheit geprägt ist. Gerade in diesem Umfeld benötigen Kunden einen Partner wie DKSH, der sie dabei unterstützt, zunehmend komplexe Lieferketten, kürzere Innovationszyklen, regulatorische Anforderungen, steigende Nachhaltigkeitserwartungen und sich wandelnde Konsumententrends erfolgreich zu bewältigen. Unsere Geschäftseinheit Spezialchemie erzielte im ersten Halbjahr ein solides Umsatzwachstum, und wir sehen uns mit unserem diversifizierten Portfolio sowie unserem Fokus auf Produktivitätssteigerungen gut für die Zukunft positioniert.

Ihr weltweiter Emissionsfussabdruck ist im letzten Jahr um ein ganzes Viertel gesunken. Worauf war das im Einzelnen zurückzuführen?

Wir sind stolz auf dieses Ergebnis, denn es zeigt, wie wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie konsequent verfolgen. Wir haben die Emissionen im Einklang mit unseren Klimazielen reduziert, die von der Science Based Targets initiative SBTi validiert wurden. Zu den wichtigsten Massnahmen zählen der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, höhere Energieeffizienz, die Optimierung von Transporten und der Ausbau elektrischer Fahrzeugflotten. Dadurch konnten wir unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen in den letzten fünf Jahren bereits um 65% reduzieren.

«Wir konnten unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen in den letzten fünf Jahren bereits um 65% reduzieren.»

Auch bei DKSH war der Boom im Bereich Technology stark durch den Daten-Zentren-Ausbau getrieben. Wie lange meinen Sie könnte diese Bonanza anhalten?

Wir profitieren von der steigenden Nachfrage im Bereich der Datenzentren, für die wir Lösungen zur Notstromversorgung liefern, installieren und warten. Angesichts der anhaltenden Investitionen in künstliche Intelligenz, Cloud-Anwendungen und digitale Infrastruktur sehen wir diesen Markt auch künftig als attraktiven Wachstumsbereich. Insgesamt verfügen wir über eine starke Pipeline an Geschäftsmöglichkeiten im Technologiebereich, sehen insbesondere in Bezug auf die Datenzentren weiteres Wachstumspotenzial.

«Wir verfügen über eine starke Pipeline an Geschäftsmöglichkeiten im Technologiebereich, sehen insbesondere in Bezug auf die Datenzentren weiteres Wachstumspotenzial.»

Was bedeutet das wiederum für Ihren Fussabdruck?

Die Nutzung von Datenzentren hat keinen wesentlichen Einfluss auf die direkten Emissionen von DKSH, da sie beim Betreiber anfallen. Der steigende Energiebedarf von Datenzentren ist eine Herausforderung, der insbesondere durch den Ausbau erneuerbarer Energien begegnet werden kann. DKSH setzt selbst konsequent auf Strom aus erneuerbaren Quellen und bezog 2025 bereits rund 80% seines weltweiten Strombedarfs aus erneuerbaren Energien.

Der auffällig hohe Freie Cash Flow von knapp 150 Millionen Franken ruft nach der Frage: Welche M&A liegen auf Ihrer Zielscheibe?

Wir haben erst kürzlich die Übernahme der Marke Meliane von Bayer in 30 Märkten in Europa, Nordafrika, Asien und dem Nahen Osten unterzeichnet. Damit stärken wir beispielsweise unser Eigenmarkenportfolio im Geschäftsbereich Gesundheit und bauen unsere Position in margenstärkeren Gesundheitssegmenten und Dienstleistungen weiter aus. Darüber hinaus verfügen wir über eine attraktive Pipeline an mittelgrossen Akquisitionsmöglichkeiten, von denen mehrere im zweiten Halbjahr 2026 umgesetzt werden könnten.

Hat Sie die Ablehnung der vollständigen Übernahme von DKSH Malaysia durch deren Minderheitsaktionäre sehr enttäuscht?

Wir haben den Entscheid zur Kenntnis genommen und prüfen weitere Schritte zu gegebener Zeit. Unabhängig davon bleibt DKSH dem malaysischen Markt langfristig verpflichtet. Malaysia zählt zu den grössten und wichtigsten Märkten von DKSH, und wir sehen dort weiterhin attraktive Wachstumschancen.

Welche Rolle wird bald das neue Innovationszentrum in Spanien spielen?

Das neue Zentrum in Barcelona, das auf die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ausgerichtet ist und die bestehenden Kapazitäten im Bereich Körperpflegeprodukte ergänzt, reiht sich in das globale Netzwerk von 56 Innovationszentren der Geschäftseinheit Spezialchemie ein. Im Rahmen dieses Netzwerks entwickeln wir marktreife Formulierungen, die aktuelle Markttrends und Kundenbedürfnisse aufgreifen und erarbeiten innovative Lösungen für mögliche Produktionsherausforderungen unserer Kunden. Unsere Fachexpertinnen und -experten verbinden fundiertes Inhaltsstoff- und Formulierungswissen mit regulatorischer Expertise und Marktkenntnissen, um Kunden dabei zu unterstützen, Innovationszyklen zu beschleunigen und ihre Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Das stärkt unsere Position als bevorzugter Innovations- und Entwicklungspartner für unsere Kunden und Geschäftspartner.

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