von Robert Jakob
Moneycab.com: Herr Bonvin, der Jahresabschluss 2025 ist sehr erfreulich ausgefallen. Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Stéphane Bonvin: Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Unsere Priorität liegt nun darin, unser Wachstum durch gezielte Akquisitionen weiter voranzutreiben, bestimmte Assets neu zu positionieren – insbesondere durch die Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnraum – und strategische Transformationen umzusetzen, um unsere Erträge nachhaltig zu steigern. Unser Ziel ist klar: Mieterträge von 100 Millionen zu erreichen, bei gleichzeitig konservativer Verschuldung.
Was gab den Ausschlag für den Verkauf des Segments Real Estate Services an die finnische PHM Group und den vollständigen Ausstieg aus Ihrer Minderheitsbeteiligung?
Dies war ein konsequenter strategischer Schritt. Wir konzentrieren uns vollständig auf unser Kerngeschäft – den Erwerb und das Halten von Wohnimmobilien in der Genferseeregion. Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung und der steigenden Anforderungen im Immobilien-Dienstleistungsbereich war es zudem entscheidend, dieses Geschäft einem Akteur zu übergeben, der sich zu 100% auf diese Branche fokussiert. Das ermöglicht es uns, uns vollständig auf die Weiterentwicklung und Optimierung unseres Portfolios zu konzentrieren. Eine klassische Win-win-Situation.
«Unser Ziel ist klar: Mieterträge von 100 Millionen zu erreichen, bei gleichzeitig konservativer Verschuldung.»
Stéphane Bonvin, CEO Investis
Die Aufwertung des Portfolios um 113,5 Millionen Franken ist bemerkenswert. Ist der Genfer Immobilienmarkt nicht klar überhitzt?
Der Begriff der Überhitzung ist nicht zutreffend. Wir sehen vielmehr ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, das durch regulatorische Rahmenbedingungen wie die Raumplanungsgesetzgebung (LAT) zusätzlich verstärkt wird. Diese Situation stützt den Markt nachhaltig und sorgt für sehr solide Fundamentaldaten.
Seit dem Börsengang haben sich die Eigenmittel in zehn Jahren auf rund 1,5 Milliarden Franken verdreifacht. Das entspricht einer Rendite von knapp 12 Prozent…
Die Entwicklung bestätigt unser Geschäftsmodell. Wir investieren gezielt in einen Markt, in dem die Mieten aufgrund der starken Nachfrage kontinuierlich steigen. Diese Dynamik wird zusätzlich durch die natürliche Rotation unseres Portfolios verstärkt, die es uns ermöglicht, die Mieten regelmässig an das Marktniveau anzupassen. Darüber hinaus hat unsere Fähigkeit, Marktzyklen aktiv zu nutzen – durch Verkäufe und Investitionen zum richtigen Zeitpunkt – wesentlich zu dieser Performance beigetragen. Dies alles in einem sehr resilienten Segment und bei bewusst konservativer Verschuldung.
Ihre Mieteinnahmen liegen mittlerweile bei 85,8 Millionen Franken. Findet man angesichts dieser Dynamik überhaupt noch erschwingliche Wohnungen in Ihrem Marktgebiet?
Unser Portfolio besteht überwiegend aus Wohnungen im erschwinglichen Preissegment. Aus Investorensicht ist diese Anlageklasse heute besonders gefragt, was sie entsprechend rarmacht. Dies unterstreicht sowohl die Relevanz unserer Positionierung als auch die nachhaltige Attraktivität dieses Segments.
«Unser Portfolio besteht überwiegend aus Wohnungen im erschwinglichen Preissegment. Aus Investorensicht ist diese Anlageklasse heute besonders gefragt.»
Macht sich der Verlust von Arbeitsplätzen bei internationalen Organisationen in Genf bereits bei Investis bemerkbar?
Bis heute haben wir keinerlei Auswirkungen dieser möglichen Abgänge festgestellt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass ein grosser Teil der Mitarbeitenden dieser Organisationen im benachbarten Frankreich lebt, was den direkten Einfluss auf unseren Mietmarkt zusätzlich begrenzt. Genf bleibt darüber hinaus ein äusserst attraktiver internationaler Standort, getragen von der Vielfalt seiner Industrien sowie einer wettbewerbsfähigen Unternehmensbesteuerung.
Wie beurteilen Sie die Lage im Bereich der Gewerbeimmobilien?
Der Markt ist selektiver geworden. Gut gelegene und flexible Flächen bleiben gefragt, während weniger attraktive Objekte stärker unter Druck stehen. In diesem Kontext gehen wir davon aus, dass rund die Hälfte unserer Gewerbeimmobilien mittelfristig in Wohnraum umgewandelt werden kann, um der starken Wohnungsnachfrage gerecht zu werden und den Wert unseres Portfolios weiter zu optimieren.
«Der Markt ist selektiver geworden. Gut gelegene und flexible Flächen bleiben gefragt, während weniger attraktive Objekte stärker unter Druck stehen.»
Da 72 Prozent Ihrer Mietverträge an den Konsumentenpreisindex gebunden sind, können Sie wohl ruhig schlafen?
Wir haben dieses Modell bereits vor über 20 Jahren bei Investis eingeführt, und es hat seither seine Effizienz und Stabilität eindrücklich unter Beweis gestellt. Es bietet sowohl uns als auch unseren Mietern eine hohe Planbarkeit. Letztere profitieren in der Regel von Mietverträgen mit einer Laufzeit von fünf Jahren, was ihnen zusätzliche Sicherheit und Visibilität verschafft.
Wo sehen Sie im Kanton Waadt die besten Opportunitäten für neue Akquisitionen?
Wir suchen gezielt nach Städten, in denen die Mietentwicklung nachhaltig positiv ist, getragen von einer stabilen Nachfrage und soliden Fundamentaldaten. Diese Voraussetzungen finden wir insbesondere im Grossraum Lausanne, wo wir derzeit die attraktivsten Opportunitäten sehen.
