von Patrick Gunti
Mehr als 100 Meter unter der Oberfläche des Brünigmassivs entstehen Räume für Kunst, Daten, Wertsachen und Industriegüter. Brünig Mega Safe entwickelt in Lungern individuell ausgebaute Kavernen, die Sicherheit mit einer haushälterischen Bodennutzung verbinden sollen. Die ersten Hochsicherheitsräume sollen ab dem zweiten Quartal 2027 betriebsbereit sein. Käufer erwerben ein im Grundbuch eingetragenes Baurecht. Im Interview erklärt VR-Präsident und Hauptaktionär Thomas Gasser, welche Kunden das Unternehmen anspricht, wie sich die Geschäftsbereiche ergänzen und weshalb neben geopolitischen Spannungen auch Klimarisiken und langfristiger Werterhalt die Nachfrage prägen.
Moneycab.com: Herr Gasser, im Brünigmassiv entsteht eine Art unterirdische Hochsicherheitsstadt. Was genau baut Brünig Mega Safe dort, und welche Geschäftsidee steckt dahinter?
Thomas Gasser: Wir bauen in Lungern unterirdische Kavernen im Quintnerkalk des Brünigmassivs, über 100 Meter unter der Oberfläche. Es sind keine Bunker, sondern Räume, die Unternehmen und Private nach ihren Vorgaben bei uns bestellen: für Kunst, Archive, Daten, Wertsachen, aber auch für Rohstoffe, Maschinen und Produkte. Wir treten als Immobilienentwicklerin auf, vermitteln das Baurecht und erstellen die Kaverne als Totalunternehmerin im Auftrag und auf Kosten des Investors. Die Idee dahinter: Bauland ist knapp, und das Raumplanungsgesetz verlangt haushälterische Bodennutzung. Was sonst als Halle auf der grünen Wiese entstünde, bringen wir in den Fels. Auf diesem Gebiet haben wir Erfahrung: Brünig Indoor, Cantina Caverna und das Internationale Feuerwehr-Ausbildungszentrum stehen schon seit Jahren im Berg.
Mit MONSEC – individuell gestaltbaren Sicherheitskavernen im Fels, den Brünig Lagerhallen und dem Bruenig Institute deckt Brünig Mega Safe drei Geschäftsbereiche ab. Wie ergänzen sich diese, und wo sehen Sie das grösste wirtschaftliche Potenzial?
Ein sehr grosses Potenzial sehen wir bei den Brünig Lagerhallen, wo wir mehrere grossvolumige Kavernen für Industrie und Gewerbe, aber auch Private bauen. MONSEC ist ein spezieller Hochsicherheitsbereich für Käufer mit höchsten Sicherheits-Ansprüchen; dessen Bau ist schon weit fortgeschritten. Das Bruenig Institute AG ist im Aufbau und bildet Spezialistinnen und Spezialisten in Sicherheitstraining, Risikoanalyse und Resilienz aus. Gemeinsam ist allen Standbeinen das Engagement für die Sicherheit: Die Lagerhallen bringen Volumen, MONSEC Wertdichte, das Institut Fachwissen und Sichtbarkeit.
Im Januar 2026 wurde nach jahrelanger Vorbereitung mit dem Kavernenbau begonnen. Wie weit sind die Arbeiten inzwischen fortgeschritten, und wann können die ersten Kunden ihre Anlagen beziehen?
Die Baubewilligungen für Lagerhallen und Hochsicherheitsbereich liegen seit rund einem Jahr vor. Die Ausbrucharbeiten im Hochsicherheitsbereich sind weitgehend abgeschlossen und der Innenausbau ist im Gang. Die ersten Kavernen im Hochsicherheitsbereich werden ab dem zweiten Quartal 2027 betriebsbereit sein. Mit dem Ausbruch des Portals für die Lagerhallen starten wir im Januar 2027, betriebsbereit sollen sie im Laufe 2028 sein.
«Die ersten Kavernen im Hochsicherheitsbereich werden ab dem zweiten Quartal 2027 betriebsbereit sein.»
Thomas Gasser, VR-Präsident und Hauptaktionär Brünig Mega Safe AG
Welches Kundensegment sprechen Sie an? Sind es in erster Linie vermögende Privatpersonen, Kunstsammler und Family Offices, oder interessieren sich auch Unternehmen für Ihre Sicherheitslösungen?
Wir sprechen Private, Unternehmen und Organisationen an, auch aus dem Ausland. Das Spektrum reicht von Kunst und Kulturgütern über Archive und Daten bis zu Präzisionsgütern, Schmuck und Uhren. Bei den Lagerhallen sind es Industrie und Gewerbe. In der ersten Bauetappe ist bereits ein Grossteil der Parzellen reserviert oder verkauft.
Inwieweit steigt die Nachfrage wegen der verschlechterten internationalen Sicherheitslage? Spüren Sie die geopolitischen Spannungen in Ihrem Geschäft?
Das Thema Sicherheit und Resilienz beschäftigt unsere Kundschaft deutlich mehr als früher, das merken wir in den Gesprächen. Die Gründe sind aber vielfältig: Weltlage, Datensicherheit, Klimarisiken, Werterhalt und Standortdiversifikation spielen ebenso hinein. Wir bauen nicht für eine bestimmte Krise, sondern für Güter, die langfristig und geschützt aufbewahrt werden sollen.
«Wir bauen nicht für eine bestimmte Krise, sondern für Güter, die langfristig und geschützt aufbewahrt werden sollen.»
Was macht die Sicherheit Ihrer Kavernen gegenüber herkömmlichen Tresoranlagen besonders? Gegen welche konkreten Bedrohungen sind die Anlagen ausgelegt?
Der Fels ist der Schutz. Die Kavernen liegen im dichten Quintnerkalk, mit über 100 Metern Felsüberdeckung und mindestens 12 Metern Abstand zwischen den Kavernen. Das schützt vor Hochwasser, Sturm, Hagel und Blitzschlag, und Bauwerke im Fels bewegen sich bei Erdbeben mit dem Gebirge. Dazu kommt die konstante Bergwärme von rund 13 °C, ohne Heizen oder Kühlen. Der Sicherheitsstandard ist auf höchstem Niveau durchaus vergleichbar mit jenem der Nationalbank. Der Zutritt für Personen und Fahrzeuge wird sehr streng und in mehreren Stufen kontrolliert.
Wie sieht das Geschäftsmodell mit den Hochsicherheitskavernen aus? Können diese gekauft werden oder werden sie langfristig vermietet?
Soweit wir wissen, können im Gegensatz zu den anderen Anbietern in der Schweiz bei uns die Käufer der Kavernen ein selbständiges und dauerndes Baurecht (Art. 675 und 779 ff. ZGB) erwerben, das im Grundbuch Lungern als eigenes Grundstück eingetragen wird. Sie sind damit Eigentümer, nicht nur Mieter, und können die Parzelle hypothekarisch belasten oder versichern. Das Land bleibt bei der Teilsame Obsee, die einen jährlichen Baurechtszins erhält und ein gesetzliches Vorkaufsrecht hat. Dazu kommen Betriebskosten nach transparentem Schlüssel, Strom und Wasser nach Verbrauch.
Wie individuell werden die Kavernen gebaut?
Sehr individuell. Wir bauen nach den Vorgaben des Kunden direkt vor Ort, in vier Grössentypen von 75 bis 1000 Quadratmetern Nutzfläche. Übergeben wird die Kaverne betriebsbereit mit einfachem Grundausbau, sodass man direkt einlagern kann. Den Innenausbau machen wir auf Wunsch ebenfalls, von Regalsystemen bis zu massgeschneiderten Lösungen, auch mit WC oder Dusche, unter Einhaltung des Brandschutzes. Jede Parzelle ist exklusiv nutzbar. Der Rahmen ist das Betriebskonzept, das sich auf die verbindlichen Vorgaben des Kantons Obwalden stützt.
«Wir bauen nach den Vorgaben des Kunden direkt vor Ort, in vier Grössentypen von 75 bis 1000 Quadratmetern Nutzfläche.»
Wie stellen Sie sicher, dass weder problematische Vermögenswerte noch unerlaubte Güter eingelagert werden?
Als Vermittlerin von Baurechten unterstehen wir weder dem Geldwäschereigesetz noch der FINMA. Wir wenden aber freiwillig erhöhte Sorgfalt an: Die Prüfung erfolgt vor dem Einzug und beim Zahlungsweg. So müssen Interessenten uns schon in den Vorgesprächen nachvollziehbar über die geplanten Lagerinhalte dokumentieren und eine positive interne Controlling-Abklärung vorweisen. Sie werden vor Vertragsabschluss identifiziert und mit der SECO-Sanktionsliste abgeglichen, bei Bedarf mit externen Hintergrundchecks. Gezahlt wird ausschliesslich über eine Schweizer Grossbank mit eigener KYC-Prüfung, nie bar und nie in Kryptowährung. Ungeeignete Anfragen haben wir bereits mehrfach abgelehnt. Die Verantwortung für den Inhalt trägt grundsätzlich der Eigentümer. Ein Compliance-Konzept erarbeiten wir zurzeit, eine externe Auditierung ist geplant. Die gewerbliche Edelmetalllagerung liegt bei einem Eigentümer, der einer FINMA-anerkannten SRO (VQF) angeschlossen und für die Herkunftsabklärung selbst verantwortlich ist.
Mit dem Bruenig Institute engagieren Sie sich in der Sicherheitsausbildung und im Risikomanagement. Welche Nachfrage sehen Sie hier?
Die Nachfrage besteht durchaus. Das Bruenig Institute läuftaber zurzeit noch nicht auf normaler Betriebstemperatur, weil wir die verfügbare Expertise schwergewichtig in den Bau der Kavernen investieren müssen. Geplant sind im Normalbetrieb Sicherheitstrainings, Risikoanalyse und Resilienzverhalten. Dabei können wir uns auf die Erfahrungen von erfahrenen Experten stützen, aber auch auf die bereits im Brüning bestehende Expertise: Brünig Indoor mit über 30’000 Schützinnen und Schützen im Jahr und das Internationale Feuerwehr-Ausbildungszentrum.
