Thomas Suter, CEO QCAM Currency Asset Management, im Interview

Thomas Suter

Thomas Suter, CEO QCAM Currency Asset Management. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Suter, warum ist Währungsmanagement für Schweizer Anleger heute besonders wichtig?

Thomas Suter: Grosse Teile der Vermögen werden in Fremdwährungen, vor allem Dollar und Euro gehalten. Damit wird das Portfolio automatisch anfällig für Wechselkursschwankungen. Viele Anleger merken gar nicht, wie stark die Bewegungen der Währungen ihre Rendite beeinflussen. Der Dollar verlor beispielsweise im letzten Jahr über 10% gegenüber dem Franken. Das hatten so wenige erwartet.

Wie beurteilen Sie das aktuelle globale Währungsumfeld, insbesondere im Zusammenspiel mit niedrigen Zinsen und dem starken Schweizer Franken – resp. dem schwachen Dollar?

Der Dollar ist nicht schwach. Die Abwertung im letzten Jahr hat lediglich einen Teil seiner handelsgewichteten Überbewertung korrigiert. Gegenüber dem Franken befinden wir uns aktuell mehr oder weniger auf dem Niveau der Kaufkraftparität. Gleiches gilt im Übrigen auch für den Euro gegenüber dem Franken. Der japanische Yen hingegen ist gegenüber dem Dollar noch immer ca. 50% unterbewertet.

«Der Dollar ist nicht schwach. Die Abwertung im letzten Jahr hat lediglich einen Teil seiner handelsgewichteten Überbewertung korrigiert.»
Thomas Suter, CEO QCAM Currency Asset Management

Spricht etwas dafür, dass sich an dieser Situation in näherer Zukunft etwas ändern wird?

Nein. Aber Prognosen bleiben in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld schwierig. Der Franken bleibt wahrscheinlich stark. Der Dollar dürfte weiter volatil bleiben, solange die US‑Fiskalpolitik nicht glaubwürdiger wird und die Unabhängigkeit der FED durch die amerikanische Regierung weiter angezweifelt wird.

Aus Ihrer täglichen Erfahrung: Welche Währungsrisiken werden von Investoren derzeit am häufigsten unterschätzt?

Es sind nicht bestimmte Währungsrisiken, sondern generell das Risiko, die Entwicklung von Währungen falsch einzuschätzen. Wie erwähnt sind Prognosen diesbezüglich grundsätzlich schwierig. Wer die Währungsentwicklung bei Anlagen in Fremdwährungen jedoch nicht genügend berücksichtigt, holt nicht das Optimum aus seinem Portfolio heraus beziehungsweise riskiert, dass die Gewinne auf steigenden US-Aktienkursen durch den schwächelnden Dollar reduziert werden oder die Gesamtrendite gar negativ ausfällt.

Wie verändert das Niedrigzinsumfeld die Attraktivität eines passiven Currency Overlays?

In Zeiten, in denen die Schweizer Zinsen deutlich unter denen der abzusichernden Fremdwährungen liegen, sind Absicherungen zwangsläufig teurer und damit weniger attraktiv.

Sollte darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit einer Franken Aufwertung gering sein und die abzusichernden Anlagen im Vergleich zu den Sicherungskosten nur niedrige Renditen erzielen, kommt es zur Grundsatzfrage, ob Absicherungsgeschäfte überhaupt Sinn machen.

Wie funktioniert diese passive Grundabsicherung in einfachen Worten?

Eine passive Grundsicherung reduziert das Fremdwährungsrisiko systematisch auf eine vorgegebene Absicherungsquote (Hedge-Ratio). In der Regel erfolgt die Absicherung über Devisentermingeschäfte (Forwards/Futures), alternativ werden auch Sicherungen über Optionskontrakte vorgenommen.

Welche Vorteile ergeben sich durch passives Currency Overlay in Kombination mit einer aktiven Bewirtschaftung von abgesicherten Positionen?

Langfristig betrachtet bietet diese Kombination die Chance, Absicherungskosten durch taktische Abweichungen von der Ziel-Absicherungsquote (Benchmark) zu reduzieren. Das gelingt jedoch nur, wenn die aktive Bewirtschaftung Handelsmodellen folgt, die sich in unterschiedlichsten Markt-Szenarien bewährt haben. Ein langer Atem und eine ruhige Hand, auch bei vorübergehend negativen Beiträgen des aktiven Teils des Overlays, sind Grundvoraussetzung.

«Langfristig betrachtet bietet die Kombination von passivem Currency Overlay in Kombination mit einer aktiven Bewirtschaftung von abgesicherten Positionen die Chance, Absicherungskosten durch taktische Abweichungen von der Ziel-Absicherungsquote (Benchmark) zu reduzieren.»

Wie bestimmen Sie, welche Teile eines Portfolios passiv abgesichert werden und wo aktive Bewirtschaftung sinnvoll Mehrwert generieren kann?

Dies ist eine zentrale Frage, die jeder verantwortliche Vermögensverwalter für sich selber beantworten muss. Auch sollte die dritte Option nicht verworfen werden, also Teile der Fremdwährungsanlagen unter Umständen gar nicht zu sichern.

Es gibt hier keine goldenen Regeln. Geht man nach Textbuch vor, heisst das zunächst, die Währungsrisiken zu quantifizieren, Absicherungskosten zu analysieren und aufgrund historischer Daten die Risiken zu beschreiben. Letzteres geschieht vorwiegend basierend auf Korrelationsanalysen. In Zeiten wie heute ist das jedoch eine suboptimale Vorgehensweise. Insbesondere das vergangene Jahr hat uns eindeutig gezeigt, dass historisch gewachsene Beziehungen durchaus nachhaltig beschädigt werden können und die besagten Risikoanalysen zumindest in Frage gestellt werden müssen.

Unserer Meinung nach sind die wichtigsten zu beantwortenden Fragen folgende:

• Welches konkrete Ziel wurde verfolgt bei der Entscheidung, eine Anlage in Fremdwährung zu tätigen?
• Wurde bereits vorab ein Zeitraum dafür definiert?
• Wie hoch ist der Anteil der Fremdwährungen im gesamten Portfolio?
• Ist das Anlageziel des Portfolios bzgl. der Ziel-Rendite eher konservativ oder auf starkes Wachstum ausgerichtet?

Die Vielzahl der möglichen Antworten auf diese Fragen zeigt bereits, wie vielschichtig und komplex die sich daraus ergebende Absicherungsstrategie sein kann. Nur ein Beispiel: Wer ein starkes Wachstumsziel verfolgt und deshalb Anlagen in Fremdwährungen tätigt, zum Beispiel in die letztens so erfolgreichen US-Techfirmen, wird wohl besser auf eine Absicherung des Dollar-Risikos verzichten, weil dieses zu teuer wäre.

Wann ist es sinnvoll, über die reine Absicherung hinaus aktiv Währungspositionen zu steuern?

Aktives Currency Overlay bietet langfristig gute Chancen, mit einem Portfolio Zusatzrenditen zu generieren und es verringert gleichzeitig die Volatilität des Gesamtportfolios. Dies alles ohne viel Kapital zu binden. Demgegenüber sind die Vorteile in Zeiten, wo die Aktienmärkte überdurchschnittlich hohe Erträge bei gleichzeitig tiefer Volatilität erzielen, weniger offensichtlich.

«Bei der Betrachtung eines zu verwaltenden Fremdwährungsportfolios sollte strikt unterschieden werden zwischen den Währungen, die passiv und denen, die aktiv verwaltet werden sollen.»

Welche Risikoarten entstehen durch die Kombination «passiv und aktiv»?

Bei der Betrachtung eines zu verwaltenden Fremdwährungsportfolios sollte strikt unterschieden werden zwischen den Währungen, die passiv und denen, die aktiv verwaltet werden sollen. Das vermutlich grösste Risiko besteht in der Wahl der Benchmark sowohl für den passiven als auch für den aktiven Teil. An zweiter Stelle steht das Timing-Risiko, insbesondere in Bezug auf die aktive Steuerung der Abweichung von der Benchmark, die irgendwo zwischen 100% gesichert und 0% gesichert liegen kann.
Diese Timing-Entscheidungen werden in der Regel von einer Vielzahl von Handelsmodellen getroffen, die nicht nur den Zeitpunkt der Veränderung der Absicherungsquote, sondern auch die Höhe der Abweichung definieren.

Nicht unerwähnt bleiben sollten auch potenzielle operationale Risiken, die durch die höheren Anforderungen an Systeme, Prozesse und das Berichtswesen entstehen.

Wie stark schwanken die Kosten einer Währungsabsicherung?

Kosten entstehen bei Absicherung hautpsächlich aufgrund von Zinsdifferenzen zu Währungen mit einem höheren Zinsniveau. Diese Differenzen unterscheiden sich deutlich von einer Währung zur anderen. Beim US-Dollar sind das aus Schweizer Sicht zurzeit fast 4% pro Jahr und gegenüber dem Euro ca. 2%.

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