Thomas Wirth, CEO Biomed, im Interview

Thomas Wirth

Thomas Wirth, CEO Biomed. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Wirth, Biomed hat sich in den letzten 75 Jahren als unabhängiges Handelsunternehmen für rezeptpflichtige sowie freiverkäufliche pharmazeutische Produkte wie Parapic, Magnesium Biomed oder Sinupret extract im Schweizer Markt etabliert. Welche Gemeinsamkeiten bestehen heute noch mit dem Ursprung des Unternehmens 1951?

Thomas Wirth: Biomed wurde ursprünglich gegründet, um Produkte aus Deutschland in der Schweiz zu vertreiben. Dr. Felix Tschudi – damals noch Jura-Student – und der Apotheker Albert Kupfer erkannten früh das Potenzial einer Partnerschaft mit dem familiengeführten deutschen Pharmaunternehmen Madaus, zu dessen Inhaberfamilie sie enge Beziehungen pflegten. Die Verbindung zu Madaus besteht heute nicht mehr, doch der Pioniergeist von damals prägt Biomed bis heute.

Wie konnte sich Biomed über Jahrzehnte hinweg wettbewerbsfähig halten?

Biomed hat es über Jahre verstanden, stets neue Partnerschaften aufzubauen und Produkte erfolgreich am Schweizer Markt zu etablieren. Daraus ist ein positiver Kreislauf entstanden. Mit engagierten Mitarbeitenden und fundiertem Knowhow gelingt es Biomed, pharmazeutische Produkte nachhaltig bei Fachpersonen im Schweizer Gesundheitswesen zu positionieren und zu vertreiben. Diese Kompetenz macht Biomed zu einem attraktiven Partner für ausländische Hersteller mit innovativen Produkten und genau solchr Kreislauf – machen wir gute Arbeit im Schweizer Markt sind wir attraktiv für Firmen mit spannenden Produkten – haben wir spannende Produkte sind wir interessant für die Fachpersonen.

«Biomed hat es über Jahre verstanden, stets neue Partnerschaften aufzubauen und Produkte erfolgreich am Schweizer Markt zu etablieren. Daraus ist ein positiver Kreislauf entstanden.»
Thomas Wirth, CEO Biomed

Wie würden Sie die heutige Rolle von Biomed im Schweizer Gesundheitssystem beschreiben?

Biomed ist heute ein etablierter und geschätzter Vertriebspartner von Gesundheitsprodukten für Ärzte, Apotheken und Drogerien. Diese Rolle möchten wir weiterhin effizient und wirkungsvoll ausfüllen und zugleich als innovativer, mutiger Partner für unsere bestehenden Beziehungen weiterentwickeln . Mit Investitionen in Digitalisierungsprojekte und Ideen für Services im Bereich der Prävention möchten wir einen Beitrag ans Schweizer Gesundheitswesen leisten und damit für Apotheken, Drogerien und Ärzte ein verlässlicher Partner mit Innovationsgeist sein.  

Wie sicher ein Unternehmen wie Biomed die «letzte Meile» der Gesundheitsversorgung, wenn Preise und Margen politisch und regulatorisch faktisch gedeckelt sind und die Kostenbasis durch Rohstoffe, Logistik, Regulierungsaufwand und Personal marktgetrieben sind?

Wir bewegen uns in einem anspruchsvollen Umfeld, in dem Margen begrenzt, Kosten jedoch dynamisch sind. Unsere Antwort darauf ist konsequente operative Exzellenz. Das beginnt bei engagierten, effizienten und kompetenten Mitarbeitenden, setzt sich fort in der Standardisierung von Prozessen und im gezielten Einsatz digitaler Lösungen und mündet in mutigen Entscheidungen.

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist die klare Fokussierung: Wir investieren gezielt dort, wo wir echten Mehrwert für Patientinnen, Patienten und Leistungserbringer schaffen. So gelingt es uns, trotz regulatorischer Herausforderungen die Versorgung auf der letzten Meile stabil, zuverlässig und wirtschaftlich tragfähig zu halten.

«Wir sehen die hohe Regulierungsdichte in der Schweiz und die europäische Harmonisierung auch als Chance: Sie schafft klare Qualitätsstandards und Vertrauen.»

Swissmedic, Heilmittelgesetz, europäische Harmonisierung – wie gross ist der regulatorische Aufwand verglichen mit dem, was ein multinationaler Konzern mit einer ganzen Compliance-Abteilung stemmt?

Der regulatorische Aufwand ist absolut vergleichbar in Komplexität, aber nicht in Skalierbarkeit. Ein multinationaler Konzern kann regulatorische Anforderungen auf grosse Volumen und spezialisierte Compliance-Strukturen verteilen. Für ein Unternehmen unserer Grösse ist der relative Aufwand deutlich höher, weil wir dieselben Anforderungen mit wesentlich schlankeren Strukturen erfüllen müssen. Gleichzeitig sehen wir die hohe Regulierungsdichte in der Schweiz und die europäische Harmonisierung auch als Chance: Sie schafft klare Qualitätsstandards und Vertrauen – und genau darauf bauen wir als verlässlicher Partner im Gesundheitssystem.

Wie bleiben Sie mit OTC-Klassikern wie Magnesium profitabel – und schaffen trotzdem Spielraum für neue Indikationen, digitale Services und zusätzliche Regulierungslast?

OTC-Klassiker wie Magnesium Biomed sind für uns eine stabile Basis – aber Profitabilität entsteht heute nicht mehr allein über das Produkt, sondern über das Gesamtsystem dahinter. Wir optimieren kontinuierlich unsere Prozesse. Wir sind ein Unternehmen mit knapp 60 Mitarbeitenden und sind damit auf effiziente und gute Arbeit jedes einzelnen angewiesen. Gleichzeitig investieren wir bewusst in Innovationen – sei es in neue Indikationen, digitale Services oder patientenzentrierte Lösungen. Diese Investitionen finanzieren wir durch die Effizienz und Verlässlichkeit unseres Kerngeschäfts. Entscheidend ist dabei die Balance: Bewährte Produkte sichern Stabilität, Innovation sichert Zukunftsfähigkeit. 

Biomed betreibt selbst keine Forschung. Beteiligen Sie sich an Forschungsprojekten Ihrer Partnerfirmen?

Ja, das tun wir. Zurzeit läuft ein Forschungsprojekt am Unispital Basel, welches den Einfluss von Magnesium in einem onkologischen Setting untersucht.

Entsteht Innovation bei Ihnen eher bei den Produkten, in der Darreichungsform oder im Vertrieb?

Innovation entsteht bei uns nicht in einem einzelnen Bereich, sondern im Zusammenspiel. Innovation muss dort entstehen, wo unsere Stärken liegen. Neben der Entwicklung von sinnvollen Gesundheitsprodukten fokussieren wir sehr gezielt in den Aufbau von digitalen Lösungen. Mit einer Partnerfirma haben wir ein CRM von Grund auf neu entwickelt. In naher Zukunft werden wir einen digitalen B2B2C Service einführen, der echte Prävention über den Fachhandel ermöglicht.

«Ich bin überzeugt, dass die Rolle der Apotheke und Drogerie in Zukunft noch wichtiger wird in unserem Gesundheitssystem.»

Online-Apotheken wachsen stark und setzen auf Volumen und Preis. Wie spürt Biomed diesen Wandel?

Den Wandel spüren wir deutlich – Online-Apotheken erfüllen Erwartungen an Preis, Verfügbarkeit und Convenience. Gleichzeitig sehen wir, dass Gesundheit kein Commodity-Geschäft ist. Neben Preis und Volumen spielen Vertrauen, Beratung und Qualität weiterhin eine zentrale Rolle. Dabei steht auch die menschliche Beziehung zwischen Fachperson und Patient:innen im Zentrum. Ich bin überzeugt, dass die Rolle der Apotheke und Drogerie in Zukunft noch wichtiger wird in unserem Gesundheitssystem.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Apotheken und Drogerien: Gewinnt für Sie die Beratung und Schulung des Fachpersonals in stationären Apotheken an Relevanz?

Ja, ganz klar. Wenn Apotheken eine noch stärkere Rolle in der Grundversorgung übernehmen, steigt automatisch auch die Bedeutung von fundierter Beratung. Wir sind am Aufbau von Services zur Prävention im Fachhandel. Dieser Service wird mit entsprechenden Beratungsleistungen zusammenhängen. Für uns bedeutet das, dass wir den Fachhandel nicht nur als Vertriebskanal sehen, sondern als zentralen Partner in der Patientenversorgung.

Biomed arbeitet als Handelsunternehmen mit internationalen Partnerfirmen zusammen. Hat sich die Zuverlässigkeit dieser Lieferketten in den letzten Jahren verändert?

Ja, die Zuverlässigkeit hat sich spürbar verändert – und zwar weniger im Sinne von grundsätzlich unzuverlässig, sondern deutlich volatiler. Globale Lieferketten in der Pharmaindustrie sind heute stärker von geopolitischen Entwicklungen, Konzentration von Produktionsstandorten und regulatorischen Anforderungen geprägt. In Europa sehen wir seit Jahren eine Zunahme von Lieferengpässen und strukturellen Verwundbarkeiten in der Versorgung. Biomed arbeitet ausschliesslich mit Partnern in Europa, was das Problem teilweise entschärft.

Was bedeutet Versorgungssicherheit ganz konkret – von der Rohstoffbeschaffung über internationale Lieferketten bis hin zum Regal in der Apotheke um die Ecke?

Versorgungssicherheit bedeutet heute vor allem, auf das Unerwartete vorbereitet zu sein. Globale Risiken lassen sich nicht vermeiden, aber wir können unsere Systeme so gestalten, dass sie widerstandsfähig bleiben. Konkret heisst das: partnerschaftliche Zusammenarbeit statt reiner Transaktion und ausreichende Puffer statt Just-in-time um jeden Preis.

Und am Ende zeigt sich Versorgungssicherheit im entscheidenden Moment: Das Produkt ist verfügbar, wenn die Patient:in in die Apotheke kommt. Alles, was davor geschieht, liegt in unserer Verantwortung – und entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Differenzierungsmerkmal.

Biomed

Exit mobile version