von Bob Buchheit
Moneycab.com: Herr Böhm, die einzelnen Gruppengesellschaften von Burkhalter haben 83 Geschäftsführer oder Geschäftsleiter. Was macht den Unterschied zwischen Führer und Leiter?
Zeno Böhm: Zwischen den beiden Bezeichnungen besteht inhaltlich kein Unterschied. Innerhalb der Burkhalter Gruppe werden beide Begriffe synonym verwendet. Ob jemand die Funktion als Geschäftsführer oder als Geschäftsleiter bezeichnet, ist eine persönliche Präferenz und hat keinen Einfluss auf Aufgaben, Verantwortung oder Kompetenzen.
Déborah Sig, die Geschäftsleiterin der Burkhalter Automation AG in Pratteln ist die einzige Frau. Ist Gebäudetechnik eine Männerdomäne?
In den technischen Berufsbildern der Burkhalter Gruppe liegt der Frauenanteil aktuell unter einem Prozent. Vor diesem Hintergrund kann man mit gutem Gewissen sagen, dass die Gebäudetechnik – und damit auch Burkhalter – nach wie vor eine Männerdomäne ist.
Die Aktien der Burkhalter Holding AG sind seit Juni 2008 an der SIX Swiss Exchange kotiert. Seither haben sie sich mehr als versiebenfacht. Nun gibt es erneut eine Dividendenerhöhung. Ist Ihre Firma eine sichere Obligation, sprich Anleihe?
Genauso ist die Burkhalter Holding AG auch positioniert. Investorinnen und Investoren, die auf dividendenstarke Aktien mit regelmässigen Ausschüttungen setzen, sind bei Burkhalter gut aufgehoben. Die Aktie erfüllt für viele diese Funktion und kann durchaus als eine Art Obligationenersatz betrachtet werden.
Netto wurden im letzten Geschäftsjahr 7000 eigene Aktien verkauft. Wofür waren diese vorgesehen?
Burkhalter akquiriert gezielt Unternehmen, um sich strategisch weiterzuentwickeln. Seit dem Börsengang im Jahr 2008 wurden insgesamt 47 Firmen übernommen. Bei einzelnen Akquisitionen wird, sofern vom Verkäufer gewünscht, ein Teil des Kaufpreises in Form von Burkhalter-Aktien beglichen. Aktien der Burkhalter Holding AG können somit anteilig als mögliches Zahlungsmittel im Rahmen von Unternehmensübernahmen dienen.
«Seit dem Börsengang im Jahr 2008 wurden insgesamt 47 Firmen übernommen.»
Zeno Böhm, CEO Burkhalter Gruppe
Was geschieht eigentlich mit dem WIR-Guthaben in Höhe von rund einer halben Million, das mit einem Abschlag von 30 Prozent bilanziert ist?
In vereinzelten Fällen begleichen Kundinnen und Kunden einen Teil ihrer Rechnung in WIR (einer Parallelwährung der Bank WIR, A.d.R.). Diesem Wunsch kommen wir in wenigen Ausnahmen nach. Das daraus resultierende WIR Guthaben wird hauptsächlich zur Begleichung von Lieferantenrechnungen eingesetzt.
Mit den in 2026 akquirierten Firmen BZ-Dépannage Sàrl in Lonay (VD), der Enplan AG in Herisau (AR), Elektro Gasser AG in Lalden (VS) und Caotec SA in Brusio (GR) gingen sie zum Jahresstart erwartungsgemäss auf Einkaufstour. Alle Mitarbeitenden wurden übernommen. Gab es überhaupt einmal einen Fall, dass eine Übernahme mit einer Restrukturierung verbunden war?
Burkhalter interessiert sich grundsätzlich für Unternehmen, die in der Vergangenheit erfolgreich und nachhaltig gewirtschaftet haben. Eine Firmenübernahme mit gleichzeitiger Restrukturierung entspricht deshalb in der Regel nicht unserer Strategie. Einzelne Ausnahmen sind jedoch denkbar. So haben wir Ende 2024 mit zwei neu gegründeten Auffanggesellschaften rund 120 Mitarbeitende einer sich im Nachlass befindlichen Elektroinstallationsfirma im Kanton Freiburg übernommen. Ziel war es in diesem Fall primär, bestehende Arbeitsplätze zu sichern.
«Burkhalter interessiert sich grundsätzlich für Unternehmen, die in der Vergangenheit erfolgreich und nachhaltig gewirtschaftet haben.»
Der Altbaubestand in Liechtenstein, aber vor allem in der Schweiz, ist noch immer hoch. Der Sanierungsbedarf wird wohl noch auf Jahrzehnte Ihr grösster Umsatztreiber bleiben, nehme ich an?
Burkhalter ist in sämtlichen Bereichen der Gebäudetechnik tätig und dort aktiv, wo entsprechende Dienstleistungen nachgefragt werden. Ob Neubau, Umbau, Sanierung, Renovation, Unterhalt oder Service – all diese Tätigkeitsfelder haben für Burkhalter ihre Berechtigung. Die konkrete Bauform spielt für uns daher eine untergeordnete Rolle.
Mittlerweile bildet Burkhalter über 1000 Lernende aus. Wie hat sich die Ausbildung in den letzten knapp zwei Jahrzehnten verändert?
Die Motivation der Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung in der Gebäudetechnik bei Burkhalter entscheiden, ist nach wie vor hoch. Veränderungen zeigen sich vor allem in der Kommunikation und im Umgang miteinander. Die heutigen Lernenden möchten Zusammenhänge verstehen und wissen, weshalb sie bestimmte Tätigkeiten ausführen sollen. Die Sinnhaftigkeit gewinnt an Bedeutung.
Gleichzeitig müssen Erwartungen heute klarer und präziser formuliert werden – beispielsweise, was unter Pünktlichkeit zu verstehen ist. Auch kann nicht mehr vorausgesetzt werden, dass alle Lernenden bei Lehrbeginn bereits über dieselben handwerklichen Grundkenntnisse verfügen. Dem sozialen Miteinander und den Umgangsformen wird ebenfalls mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Insgesamt erleben wir die Jugendlichen jedoch als sehr zielstrebig und reflektiert. Sie wissen grundsätzlich, was sie wollen – und das ist positiv.
«Die heutigen Lernenden möchten Zusammenhänge verstehen und wissen, weshalb sie bestimmte Tätigkeiten ausführen sollen. Die Sinnhaftigkeit gewinnt an Bedeutung.»
Gebäudetechnik ist spannend. Ich nehme an, Sie kennen keine grossen Nachwuchsprobleme?
Die Gebäudetechnikbranche insgesamt leidet unter Nachwuchsproblemen. Burkhalter hingegen bildet aktuell über 1’000 Lernende aus – so viele wie noch nie zuvor. Dies ist das Resultat der professionellen Ausbildungsstrukturen, die wir in den letzten Jahren konsequent aufgebaut haben.
Im Elektrotechnikbereich betreibt Burkhalter schweizweit verteilte Ausbildungszentren, in denen die Lernenden gezielt auf das Qualifikationsverfahren vorbereitet werden. Über 120 Berufsbildner, Praxisbildner, Ausbildnerinnen und Ausbildner kümmern sich um die Berufsausbildung. Dies wirkt sich direkt auf deren Qualität aus. Wer eine Ausbildung in der Gebäudetechnik absolvieren möchte, ist bei Burkhalter an der richtigen Adresse. Dass sich dies herumspricht, zeigt unter anderem der aktuelle Schweizermeister im Elektrotechnikbereich, Kilian Moser, der in einem Unternehmen der Burkhalter Gruppe arbeitet und die Schweiz an den Weltmeisterschaften in Shanghai vertreten wird. Nach Abschluss der Lehre werden geeignete Nachwuchskräfte in der unternehmenseigenen Bildungs- und Kaderschmiede gezielt weiterentwickelt. Unsere zukünftigen Führungskräfte rekrutieren wir primär aus den eigenen Reihen.
Merken Sie bereits eine weitere Belebung Ihres Geschäfts durch den Irankrieg?
Die Schweizer Baubranche ist kurzfristigen geopolitischen Ereignissen nur begrenzt ausgesetzt, da Bauprojekte langfristig geplant werden. Allein der Bewilligungsprozess dauert je nach Gemeinde und Kanton mehrere Monate – bei Einsprachen teilweise Jahre. Entsprechend ist kurzfristig weder mit positiven noch mit negativen Auswirkungen auf unser operatives Geschäft zu rechnen.
