Avaloq-Studie zeigt: Grossteil der Schweizer Anleger ist offen für KI – persönliche Beratung bleibt zentral

Christian Haux

Christian Haux, Managing Director für die Schweiz und Liechtenstein bei Avaloq. (Foto: zvg/mc)

Zürich – Der neue Avaloq Wealth Insights 2026 Report zeigt, dass vermögende Schweizer Anlegerinnen und Anleger gegenüber KI grundsätzlich offen sind, bei wichtigen Anlageentscheidungen aber weiterhin auf persönliche Beratung setzen. Besonders gross ist die Akzeptanz dort, wo KI den Menschen unterstützt, statt ihn vollständig zu ersetzen. So sind 48 Prozent der befragten Anleger mit dem Einsatz von KI in der Anlageberatung einverstanden, sofern diese von persönlicher Beratung begleitet wird. Eine vollständig automatisierte Anlageberatung kommt hingegen nur für 14 Prozent infrage. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Analyse des persönlichen Portfolios: 49 Prozent bevorzugen die Kombination aus KI und menschlicher Beratung, gegenüber 21 Prozent, die sich mit einer vollständig automatisierten Analyse wohlfühlen würden.

Insgesamt geben 45 Prozent der Schweizer Anleger an, sich mit dem Einsatz von KI durch ihre Bank oder ihren Vermögensverwalter wohl oder sehr wohl zu fühlen. 39 Prozent der Befragten möchten bei der Anlageberatung weiterhin ganz auf den Einsatz von KI verzichten. Die grössten Vorbehalte betreffen den Umgang mit persönlichen Daten: Für 31 Prozent ist der Datenschutz der wichtigste Grund für Zurückhaltung gegenüber KI-basierten
Dienstleistungen. 26 Prozent nennen Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit von KI-Ergebnissen und 16 Prozent die mangelnde Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen. Die Tatsache, dass sich 21 Prozent der Befragten generell unwohl fühlen, wenn ihr Vermögensverwalter KI einsetzt, zeigt zugleich, wie wichtig ein behutsames und transparentes Vorgehen bei der Implementierung ist.

Schweizer Wealth-Management-Branche setzt auf KI
Auf Seiten der Vermögensverwalter ist die Vertrautheit mit KI sehr ausgeprägt: 85 Prozent der befragten Schweizer Fachkräfte fühlen sich sicher im Umgang mit KI-gestützten Tools. 83 Prozent gehen davon aus, dass KI innerhalb der kommenden zwei Jahre zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeit wird, und 85 Prozent erwarten, dass KI eine stärker personalisierte Kundenbetreuung ermöglichen wird.

Die grössten Chancen sehen die Fachpersonen in der Entlastung bei zeitintensiven Aufgaben. KI kann administrative Prozesse automatisieren, Berichte erstellen und Informationen schneller aufbereiten. Damit kann sie den Beratern mehr Zeit für die eigentliche Kundenbetreuung verschaffen.

Hohe Erwartungen treffen auf strukturelle Hürden
Der zunehmende Einsatz von KI setzt jedoch eine leistungsfähige technologische Basis voraus. Hier zeigt die Studie für die Schweiz weiterhin Handlungsbedarf. Sämtliche befragten Schweizer Fachkräfte erwarten, dass die digitale Transformation ihre tägliche Arbeit effizienter machen wird. 98 Prozent betrachten digitale Dienstleistungen als unverzichtbar für ein gutes Kundenerlebnis.

Zwischen Anspruch und Umsetzung besteht jedoch weiterhin eine Lücke. 65 Prozent der Schweizer Fachpersonen sagen, dass ihre Organisation bei der digitalen Transformation nicht schnell genug vorankommt. 68 Prozent sehen organisatorische Hürden, welche die Transformation verlangsamen – der höchste Wert unter allen untersuchten Märkten. Hinzu kommt eine fragmentierte Systemlandschaft: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) arbeitet mit sieben oder mehr Systemen. Diese Komplexität wirkt sich auch unmittelbar auf die Kundenarbeit aus. So sehen 63 Prozent der Schweizer Fachpersonen den administrativen Aufwand als erhebliches Hindernis dafür, mehr Zeit für ihre Kunden aufzuwenden. 55 Prozent nennen eine ungenügende Automatisierung als Einschränkung.

Gleichzeitig verändert sich auch das Anlageverhalten der Schweizer Kunden. 57 Prozent treffen ihre
Anlageentscheidungen inzwischen selbst, verglichen mit 49 Prozent im Vorjahr. Der Anteil derjenigen Befragten, die ein Beratungsmandat nutzen, ist im gleichen Zeitraum von 51 auf 43 Prozent zurückgegangen. Persönliche Beratung verliert damit nicht grundsätzlich an Bedeutung. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass eine höhere digitale Eigenständigkeit den Bedarf an Beratung nicht ausschliesst.

Christian Haux, Managing Director für die Schweiz und Liechtenstein bei Avaloq, kommentiert: «Kunden verfolgen beim Einsatz von KI einen pragmatischen Ansatz. Sie sind offen für die Technologie, zählen bei wichtigen
Anlageentscheidungen aber weiterhin auf persönliche Beratung. Das bietet Schweizer Banken und
Vermögensverwaltern die grosse Chance, ihre Stärken wie Erfahrung, Verlässlichkeit und Vertrauen mit den Möglichkeiten neuer Technologien zu verbinden. Gleichzeitig zeigt unsere Studie, dass vielerorts noch die technischen Voraussetzungen dazu geschaffen werden müssen, insbesondere was die Systemlandschaft und
Datenbasis betrifft.»

Schweizer Anleger und Kryptowährungen: Banken gewinnen leicht an Boden
Auch bei Kryptowährungen und anderen digitalen Vermögenswerten bleibt die Schweiz ein besonders aktiver Markt. 42 Prozent der befragten Schweizer Anleger haben einen Teil ihres Portfolios in Kryptowährungen oder andere digitale Vermögenswerte investiert, gegenüber 37 Prozent im vergangenen Jahr und 27 Prozent im Jahr 2024.

Kryptobörsen bleiben dabei der mit Abstand wichtigste Vertriebskanal: 87 Prozent der Schweizer Anleger mit digitalen Vermögenswerten nutzen solche Plattformen. Ihr Anteil ist gegenüber 92 Prozent im Vorjahr allerdings leicht zurückgegangen, während traditionelle Finanzanbieter an Bedeutung gewinnen: 32 Prozent investieren inzwischen über eine traditionelle Bank oder einen Vermögensverwalter, gegenüber 27 Prozent im vergangenen Jahr. Auch unter denjenigen, die bislang nicht in digitale Vermögenswerte investiert haben, besteht Potenzial für traditionelle Anbieter.

51 Prozent würden einen Einstieg in Betracht ziehen, wenn ihre Bank oder ihr Vermögensverwalter entsprechende Anlagemöglichkeiten anbieten würde (gegenüber 44 Prozent im Vorjahr).

Die Nachfrage wird auch von den Fachkräften wahrgenommen: 83 Prozent der Befragten geben an, dass die Kundennachfrage nach Kryptowährungen und anderen digitalen Vermögenswerten steigt – der höchste Wert unter allen untersuchten Märkten. Gleichzeitig fühlen sich nur 45 Prozent der Fachkräfte genügend mit dem Thema vertraut, um ihre Kunden dazu zu beraten. 73 Prozent wünschen sich klarere regulatorische Vorgaben, bevor sie entsprechende Anlagen empfehlen, und 75 Prozent zeigen sich besorgt über die damit verbundenen Risiken. (Avaloq/mc/ps)

Über die Studie
Der Avaloq Wealth Insights 2026 Report basiert auf zwei Umfragen unter 4’256 vermögenden bis sehr vermögenden Anlegern und 480 Fachpersonen aus dem Bereich Wealth Management. Für die Schweiz wurden 400 Anlegerinnen und Anleger mit investierbarem Vermögen von mindestens 250’000 US-Dollar sowie 40 Fachkräfte befragt.

Die Studie umfasst 21 Märkte in Europa, Asien, dem Nahen Osten, Australien und Nordamerika: Belgien,
Deutschland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, Australien, Hongkong, Japan, Malaysia, Singapur, Thailand, Vietnam, Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA. Die Umfragen wurden im Februar und März 2026 durchgeführt.

Weitere Informationen und den vollständigen Avaloq Wealth Insights 2026 Report finden Sie unter: https://www.avaloq.com/insights/reports/avaloq-wealth-insights-2026

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