Innovative Technik bei Sehbehinderungen

(Bildrechte: Flickr Wearable tech conf3 Tadmit MFA CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten)

Denkt man an Sehhilfen, kommen einem zunächst Brillen und Kontaktlinsen in den Sinn. Doch es gibt auch innovative Technologien, die Menschen mit Sehbehinderungen bzw. Sehschwächen eine bessere visuelle Wahrnehmung ermöglichen, dank derer sie ihren Alltag häufig wieder ohne fremde Hilfe meistern können. Einziger Wermutstropfen: Der sehr hohe Anschaffungspreis.

Je älter Menschen werden, umso wahrscheinlicher ist die Notwendigkeit einer Sehhilfe. Ob bei Weit- oder Kurzsichtigkeit, fürs Lesen im Alter oder als reines Modeaccessoire – die Auswahl und Vielfalt an schicken Modellen und Marken ist beachtlich. Doch für 325’000 Menschen in der Schweiz und drei Prozent der Weltbevölkerung, die unter mehr oder minder massiven Sehbehinderungen leiden, können reguläre Brillen oder Linsen keine Abhilfe schaffen. Mittlerweile jedoch ist es möglich, visuelle Beeinträchtigungen zu einem beachtlichen Grad durch technische Geräte auszugleichen bzw. zu korrigieren.

Tragbarer Minicomputer mit einer kleinen, ultraleichten Kamera
Für Menschen, die nicht mehr lesen bzw. Gegenstände oder Personen vor sich nicht mehr erkennen können, gibt es die sogenannte OrCam. Dabei handelt es sich um einen tragbaren Minicomputer mit einer kleinen, ultraleichten Kamera, die auf fast jeden Brillenbügel gesetzt werden kann. Diese Kamera ist durch einen schmalen Bügel mit dem Ohr verbunden. Sie scannt mittels Fingerzeig die Schrift in einem Buch, auf einem Gegenstand oder Schild und liest dem Träger das Geschriebene vor. Auch Gesichter von Mitmenschen werden vom Gerät wiedererkannt und abgespeichert.

Dieser Vorgang ist für die Umwelt nicht hörbar und erfolgt dadurch sehr diskret. Mit der OrCam ist es beispielsweise auch fast blinden Menschen möglich, ohne fremde Hilfe Bücher, Fahrpläne oder Kochrezepte zu lesen. Erfunden und entwickelt wurde die OrCam in Israel. Das Unternehmen ist heute fast eine Milliarde Dollar wert.

Virtual-Reality-Brille für Blinde
Eine andere Art der Sehhilfe bietet die Brille des kanadischen Unternehmens «eSight». Sie ist im Gegensatz zur OrCam darauf ausgelegt, das Gesehene visuell aufzubereiten und dadurch den Träger wieder sehen zu lassen. Optisch ähnelt sie einer blickdichten VR-Brille, ist also recht auffällig. Trotzdem ist sie für den Träger ein Gewinn, denn sie vermag Dinge detailliert sichtbar zu machen, die vorher lediglich in Konturen zu erkennen waren. Eine in der eSight-Brille integrierte, hochauflösende Kamera nimmt dabei die Umgebung auf und bearbeitet diese nahezu in Echtzeit. So ist sie beispielsweise in der Lage, den Kontrast zu erhöhen oder die Schriftgrösse zu ändern. Die «korrigierten» Bilder werden im Anschluss auf die Innenseite der Brille projiziert.

Beide Sehhilfen sind bereits erhältlich, allerdings derzeit für viele Menschen finanziell nicht erschwinglich. Die OrCam kostet inklusive Gesichts- und Produkterkennung rund 5’000 CHF. Noch teurer sind die Modelle von eSight. Hier kostet die Brille knapp 9’900 CHF. Bislang werden die Kosten für diese Sehhilfen sowohl im Ausland als auch in der Schweiz nicht von den Krankenkassen übernommen. (EO/mc/hfu)

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