Post holt E-Medicus ins Boot: Cloud-Praxissoftware wird Teil von Time4Patient

Dr. med. Yves Nordmann, VR-Präsident E-Medicus AG (Bild: docjo, Moneycab)

Bern – Die Schweizerische Post erweitert ihr IT-Angebot für Arztpraxen: Die Basler E-Medicus AG wird Partnerin von Time4Patient. Das Ziel ist ein integrierter digitaler Arbeitsplatz für Praxen und Gesundheitszentren. Dazu gehört eine spezialisierte medizinische Künstliche Intelligenz.

Wer eine Arztpraxis führt, ist oft auch sein eigener IT-Verantwortlicher. Praxissoftware, Netzwerk, Datensicherheit, Updates und Support kommen häufig von verschiedenen Anbietern und müssen im Alltag irgendwie zusammenspielen. Hier setzt eine neue Partnerschaft an: Die Schweizerische Post und die E-Medicus AG mit Sitz in Basel arbeiten künftig im Rahmen von Time4Patient zusammen. Die vollständig cloudbasierte Praxisplattform von E-Medicus ergänzt damit die IT-Komplettlösung der Post für Schweizer Arztpraxen und Gesundheitszentren.

Infrastruktur und Plattform aus einer Hand

Mit Time4Patient bietet die Post Gesundheitspraxen eine IT-Lösung aus einer Hand an. Das Angebot umfasst Praxissoftware, IT-Infrastruktur, Netzwerk, Security, Betrieb, Unterhalt und Support. Die Praxen sollen so von technischen Aufgaben entlastet werden, und die weitere Digitalisierung des ambulanten Gesundheitswesens soll auf einer sicheren Grundlage stehen. E-Medicus liefert die Software, mit der das Praxisteam täglich arbeitet. Dank dem gemeinsamen Angebot müssten sich Gesundheitszentren und Arztpraxen nicht mehr um ihre IT kümmern und gewännen Zeit für die Medizin am Patienten.

Ein Cloud-Pionier aus Basel

E-Medicus ist im Schweizer Markt kein Neuling. Das Unternehmen entwickelt seit 2007 cloudbasierte Software für Arztpraxen und lancierte 2011 eine vollständig cloudbasierte elektronische Krankengeschichte. Damals war das in der Branche noch die Ausnahme, denn viele Praxen setzten auf lokal installierte Systeme. Heute arbeiten nach Angaben des Unternehmens mehrere hundert Ärzte mit der Plattform.

Durch die Partnerschaft erhält der aufstrebende Softwareanbieter Zugang zum Vertriebs- und Servicenetz der Post. Die Post wiederum ergänzt ihr Infrastrukturangebot um eine etablierte Cloud-Plattform, ohne diese selbst entwickeln zu müssen.

KI-Partner direkt im klinischen Workflow

Strategisch setzt E-Medicus auf einen sogenannten Best-of-Breed-Ansatz. Statt alle Funktionen selbst zu entwickeln, bindet das Unternehmen spezialisierte Lösungen von Technologiepartnern direkt in die klinischen und administrativen Abläufe der Praxis ein. Drei Anbieter aus dem Bereich Medical AI sind bereits integriert:

Neben Medical AI integriert E-Medicus auch Lösungen für Patientenkommunikation, Abrechnung und digitale Patientenservices in seine Plattform. Die Vision ist eine offene Plattform, über die Praxen Innovationen verschiedener Anbieter nutzen können, ohne dafür zusätzliche Insellösungen in ihren Alltag einbauen zu müssen.

Von der Effizienz zum Umsatz

Bisher wurde Digitalisierung in der Arztpraxis vor allem mit schlankeren Prozessen und weniger Administration verbunden. E-Medicus spricht dagegen von der «wirtschaftlich erfolgreichen digitalen Arztpraxis»: Technologie soll repetitive Arbeit übernehmen, Ärztinnen und Ärzte unterstützen und gleichzeitig neue digitale Patientenangebote ermöglichen, also zusätzliche Umsatzquellen erschliessen. Das Unternehmen selbst bezeichnet die Partnerschaft als «Game Changer».

Wie gross dieses Potenzial tatsächlich ist, wird sich zeigen müssen. Im Schweizer Tarifsystem sind digitale Zusatzleistungen nur teilweise abrechenbar. Zudem müssen KI-gestützte Anwendungen in der Praxis Anforderungen an Datenschutz, Haftung und Qualitätssicherung erfüllen. Die Aufgabenteilung ist aber klar: Die Post bringt ihre Kompetenz in ICT-Infrastruktur, Security, Betrieb und schweizweitem Support ein. E-Medicus stellt die Praxisplattform bereit und sorgt dafür, dass die spezialisierten digitalen und KI-basierten Anwendungen integriert werden.

Einordnung

Die Partnerschaft steht für einen breiteren Trend im ambulanten Gesundheitswesen. Einzelne Software-Module werden zunehmend durch Plattformen ersetzt, die Infrastruktur, Praxissoftware und spezialisierte Anwendungen bündeln. Für Praxen verspricht das weniger Schnittstellen und weniger Koordinationsaufwand. Für die Anbieter geht es um die Frage, wer künftig die zentrale Rolle im digitalen Praxisalltag einnimmt. Mit Time4Patient und E-Medicus positioniert sich die Post in diesem Markt deutlicher als bisher. (Moneycab/hfu/KI Claude)


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