SAP wächst in der Cloud und punktet mit Lizenzen

Christian Klein

SAP-CEO Christian Klein. (Foto: SAP SE)

Walldorf – Europas grösster Softwarehersteller SAP macht mit dem Verkauf seiner Software zur Nutzung über das Netz weiter Tempo. Im ersten Quartal zog der Umsatz mit solchen Produkten aus dem fortgeführten Geschäft im Jahresvergleich um 24 Prozent an.

Allerdings hatten sich Analysten etwas mehr ausgerechnet. Branchenexperten monierten, dass SAP im ersten Quartal vor allem mit den nicht zum Zukunftsgeschäft gezählten Softwarelizenzen zur Installation vor Ort überraschend viel Geld verdiente. So kam es auch, dass SAP für das Gesamtjahr weniger Ergebnisanstieg in Aussicht stellte, als die Walldorfer zu Jahresbeginn erreicht haben. Die in diesem Jahr bereits gut gelaufene Aktie drehte nach anfänglichen Verlusten ins Plus.

Konzernerlös steigt um 10 Prozent
Insgesamt legten die Konzernerlöse im ersten Quartal um 10 Prozent auf 7,44 Milliarden Euro zu. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern steigerte SAP um 12 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro – das war in etwa so viel wie von Experten zuvor geschätzt. Bei den Geschäftszahlen ist die US-Tochter Qualtrics, deren Verkauf SAP im März angekündigt hatte, bereits ausgeklammert.

Analysten verwiesen angesichts des Abschneidens beim operativen Ergebnis vor allem auf eine unerwartete Stärke bei den Lizenzverkäufen. Charles Brennan von der US-Investmentbank Jefferies zufolge hatte das Gros der Experten mit einem Rückgang der Lizenzverkäufe um 35 Prozent gerechnet, zu Buche standen letztlich aber nur 13 Prozent Minus. SAP habe insgesamt überzeugt, aber «nicht aus den richtigen Gründen». Die Resultate insgesamt seien nicht so schlimm wie von ihm befürchtet.

Softwarelizenzen erzeugen mit hohen einmaligen Verkaufspreisen vergleichsweise viel Ergebnis. Der neue SAP-Finanzchef Dominik Asam verwies auf mehrere grosse Abschlüsse in dem Bereich im ersten Quartal. Das dürfte sich so im Rest des Jahres nicht wiederholen. SAP legt im Verkauf auch kaum noch Fokus auf die Lizenzgeschäfte, seit Vorstandschef Christian Klein den Konzern noch stärker auf die Cloudgeschäfte getrimmt hat, weil sie als stabiler und in der langen Frist auch als rentabler eingeschätzt werden wegen wiederkehrender Abo-Zahlungen.

Vorsichtige Ziele
Der Konzern setzte sich für das laufende Jahr nach der Verkaufsankündigung von Qualtrics eher vorsichtige Ziele im fortgeführten Geschäft. Währungsbereinigt soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sonderposten um 8 bis 11 Prozent klettern. Inklusive Qualtrics hatten 10 bis 13 Prozent im Plan gestanden. An den grundlegenden Trends im Tagesgeschäft habe sich kaum etwas geändert, sagte Asam.

So erzielen die Walldorfer vor allem bei ihrem Zukunftsgeschäft mit Cloudsoftware nach wie vor deutliches Wachstum. Der Auftragsbestand in der Sparte wuchs weiter kräftig. Vorstandschef Klein sagte, noch nie habe SAP mit einem zentralen Programm zur Unternehmenssteuerung (ERP – Enterprise Resource Planning) solche Wachstumsraten erzielt wie mit der Cloudversion des Kernprogramms S/4 Hana. Analyst Toby Ogg von der Bank JPMorgan schrieb, das Wachstum des Vertragsbestands in der Cloud insgesamt untermauere die Wachstumserwartungen an das Geschäft.

Unter dem Strich ein Gewinneinbruch
Unter dem Strich musste SAP allerdings einen Gewinneinbruch hinnehmen. Inklusive aller Effekte und auch inklusive der Noch-Tochter Qualtrics sank der Nettogewinn um fast ein Fünftel auf 509 Millionen Euro. Einerseits hatten vor einem Jahr Wertsteigerungen bei Unternehmensbeteiligungen an Start-ups dem Unternehmen in die Hände gespielt. Doch auch das Sparprogramm mit der geplanten Streichung von rund 3000 Stellen kostete SAP rund 255 Millionen Euro. Der Grossteil des Vorhabens sei im ersten Quartal abgearbeitet, sagte Klein – der Konzern rechnet auch nicht mit weiteren derartigen Einschnitten in diesem Jahr.

Zudem wurden 170 Millionen Euro fällig für regulatorische Angelegenheiten rund um die sogenannte Compliance (Regeltreue), wie es der Konzern formulierte. Details wollte Finanzchef Asam dazu nicht nennen, es handle sich aber um bereits bekannte Probleme aus der Vergangenheit. SAP hatte in den vergangenen Jahren etwa in Südafrika mit Regelverstössen zu kämpfen.

Auch die aktienbasierte Mitarbeitervergütung belastete im ersten Quartal mit 553 Millionen Euro deutlich stärker als ein Jahr zuvor mit nur rund 119 Millionen Euro, weil der Aktienkurs sich im Startquartal 2023 besser entwickelte als im Vorjahreszeitraum. Immerhin verschafft der geplante Qualtrics-Verkauf den Walldorfern hier nun etwas mehr Beinfreiheit: Statt wie bisher 2,55 bis 2,85 Milliarden Euro inklusive Qualtrics rechnet SAP nun nur noch mit 1,85 bis 2,25 Milliarden an Kosten im Gesamtjahr. Bei Qualtrics fiel die aktienbasierte Vergütung seit jeher üppig aus. (awp/mc/pg)

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