CH-Verlauf: Gewinne deutlich ausgebaut – Friedenssignale konkretisieren sich

Börse Schweiz

(Adobe Stock)

Zürich – Die Verhandlungen über eine Befriedung des Nahost-Konflikts stehen angeblich vor einem Durchbruch. Nun ist es aber nicht nur US-Präsident Donald Trump, der ein baldiges Rahmenabkommen mit dem Iran in Aussicht stellt, diesmal spricht auch die Islamische Republik von einem möglichen bevorstehenden Verhandlungsabschluss. Die Börsen reagieren mit einem Freudensprung.

Davor hatte Trump gemäss einer CNN-Auswertung nicht weniger als 39 Mal von einem «baldigen» Deal mit dem Iran gesprochen. Dass auch der Iran bestätigt, dass ein entsprechender Text «überwiegend finalisiert» sei, gebe dem Ganzen nun ein ganz anderes Gewicht, sagten Marktbeobachter. Noch ist aber offen, ob Trump die Vereinbarung rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag am Sonntag unter Dach und Fach bringt.

Denn laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim ist das Abkommen bisher nicht endgültig bestätigt. Es handle sich um einen 14 Punkte umfassenden Text. Es geht Berichten zufolge zunächst um ein Rahmenabkommen, mit dem die Grundlage für weitere Gespräche gelegt werden soll. Mit dem Rahmenabkommen könnte aber bereits etwa die für den Handel wichtige Strasse von Hormus wieder vollständig geöffnet werden.

Die Ölpreise gaben in der Folge deutlich nach. Die Nordseesorte Brent fiel zuletzt auf 86,55 Dollar je Fall. Gleichzeitig gab der US-Dollar etwas nach.

Börsen ziehen weiter an
Die wichtigsten Schweizer Aktienindizes bauen ihre Gewinne im Tagesverlauf deutlich aus. Der Swiss Market Index (SMI) steht um 11.00 Uhr 1,48 Prozent höher auf 13’729,41 Punkten. Der SMIM der mittelgrossen Werte legt um 1,54 Prozent auf 3047,69 und der breite SPI um 1,47 Prozent auf 19’359,21 Stellen zu.

Und am Nachmittag steht mit dem Börsengang von SpaceX der nächste grosse Termin an. Elon Musk will mit dem Verkauf eines fünfprozentigen Anteils seines Raumfahrt-, Satelliten- und KI-Unternehmens rund 75 Milliarden US-Dollar einnehmen, was eine sagenhaft hohe Bewertung von insgesamt fast 1,8 Billionen Dollar ergeben würde.

Gleichzeitig könnte der Rekord-Börsengang viel Liquidität im Sektor abziehen, erklären Marktbeobachter. Ein ruhiger Wochenausklang sei daher beileibe nicht in Sicht – vielmehr werden abrupte Bewegungen nicht ausgeschlossen.

Bauwerte gesucht
Vor allem die Aktien der Bauzulieferer lassen am Freitag ihre Muskeln spielen: Mit Sika (+5,9%), Holcim (+4,5%) und Geberit (+4,3%) führen gleich drei Vertreter aus diesem Wirtschaftszweig die Liste der SMI-Tagesgewinner an. Auch Amrize verteuern sich um 3,4 Prozent.

Auch Technologie- und KI-affine Werte wie ABB (+0,8%), Logitech (+1,6%), VAT (+1,4%) oder im breiten Markt AMS Osram (+6,1%) und Centiel (+2,1%) stehen mit dem nahenden Mega-Börsengang von SpaceX in den USA im Fokus der Investoren und laufen weiter nach oben.

Die positive Stimmung erfasst weite Kreise an der Börse. So klettern etwa auch verschiedene Finanzwerte wie Julius Bär (+3,3%), UBS (+2,4%) oder die zuletzt stark gebeutelten Valoren der Partners Group (+1,7%) deutlich in die Höhe. Die Versicherer hinken indes etwas hinterher.

Auch die Schwergewichte tendieren deutlich fester – obschon defensive Werte in dieser Gemengelage üblicherweise nicht «en vogue» sind. Novartis (+0,7%), Roche (+1,0%) und Nestlé (+1,3%) tendieren nur knapp unter dem Markt.

Die Flut hebt zwar viele Boote – aber nicht jedes. Die Valoren von Lindt & Sprüngli verbilligen sich um 0,3 Prozent. Mit Goldman Sachs und Barclays haben gleich zwei grosse US-Häuser ihr Kursziel für den Schokoladehersteller gesenkt. Beide Banken zweifeln das Wachstumspotential der Kilchberger an und bleiben bei ihrer Verkaufsempfehlung.

Auch Swisscom büssen 0,6 Prozent ein, womit die Verliererliste des SLI bereits abschliessend aufgezählt wäre.

Einen Blick wert sind auch Aktien aus dem Tourismussektor, die von der Hoffnung auf ein Kriegsende gestützt werden. Die Aktien der Jungfraubahnen klettern um 2,2 Prozent und jene des Flughafens Zürich um 4,1 Prozent. Und die Papiere des Dutyfree-Konzerns Avolta kosten aktuell 4,0 Prozent mehr. (awp/mc/pg)

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