Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt tendiert am Dienstag bei leicht nachgebenden Ölpreisen und einer fortgesetzten Entspannung an den Anleihemärkten mit deutlich festeren Kursen. Der Handel steht unter dem Eindruck des zuvor in den USA und in Asien unter Druck stehenden Technologiesektors. Diese Aktien sind hierzulande aber in der deutlichen Minderheit – in der Schweiz sind vor allem defensive Papiere vertreten. Sie geben entsprechend dem Markt die Richtung vor.
Der Tageskalender gab ausser vereinzelten ersten Firmendaten zum dritten Quartal noch nicht viel her. Das ändert sich am Nachmittag, wenn mit JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs die ersten US-Banken ihre Q3-Bilanzen vorlegen. Gemäss Marktstrategen ist aus den Zahlen der grossen Banken abzulesen, wie es der Wirtschaft geht. Im Blick haben die Akteure auch schon den Mittwoch mit neuen wichtigen US-Inflationsdaten. Der Ölpreis hat sich mit rund 105 Dollar auf hohem Niveau etwas entspannt.
Der SMI rückt um 11 Uhr um deutliche 1,20 Prozent auf 14’044,50 Punkten vor und notiert damit erstmals seit rund einem Monat wieder jenseits der 14’000er Marke. Von den 20 SMI-Werten werden 18 höher gehandelt und nur zwei tiefer. Der Mid-Cap-Index SMIM legt um 0,53 Prozent auf 3088,80 Punkte zu und der breite SPI um 1,07 Prozent auf 19’862,25 Punkte.
Bei den defensiven Schwergewichten greifen die Anleger am Dienstag herzhaft zu: Roche PS rücken um 1,6 Prozent vor, Nestlé um 1,1 Prozent und Novartis um 1,5 Prozent.
Aber auch andere Gesundheitswerte wie Alcon (+1,8%), Sandoz (+1,5%) und Galderma (+1,2%) stehen auf den Einkaufszetteln der Anleger. Die Aktien des Erstversicherers Zurich (+1,8%) profitieren derweil von einer Hochstufung auf «Buy» durch Vontobel. Für Swiss Re (+0,7%) hat der gleiche Analyst sein Votum auf «Hold» gesenkt.
Überragt werde alle von den Givaudan-Papieren, die um satte 7,6 Prozent anziehen. Der Aromen- und Riechstoffhersteller hat sein Wachstum im dritten Quartal 2026 deutlich beschleunigt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. DSM steigen im Kielwasser um 2,4 Prozent.
Im Vorfeld der US-Banken werden UBS 0,7 Prozent höher bezahlt. Julius Bär büssen hingegen 0,5 Prozent ein.
Die hiesigen Techwerte haben ihre frühen Verluste zum grossen Teil abgeschüttelt. VAT etwa stehen noch 0,3 Prozent tiefer ein und ABB haben mit plus 1,2 Prozent gar in die Gewinnzone gedreht. Im breiten Markt zeigt sich ein ähnliches Bild: AMS Osram gewinnen 4,9 Prozent und Inficon 0,4 Prozent. Nur Centiel (-8,2%) wird die jüngste Gewinnwarnung noch nicht verziehen.
LVMH belastet Richemont
Abgaben verzeichnen auch Richemont mit minus 1,2 Prozent; Swatch büssen 1,5 Prozent ein. Am Vorabend hatte der französische Luxusgüterkonzern LVMH Zahlen publiziert, die ebenfalls mit Verkäufen quittiert wurden.
Marktbeobachter warnen aber vor einem direkten Vergleich: Richemont sei stark im Schmuckgeschäft positioniert – LVMH habe aber die Erwartungen in der Sparte Mode und Lederwaren verfehlt. Und bei Swatch liege der Schwerpunkt stärker auf dem Uhrengeschäft.
Auch Analystenvoten sorgen für Bewegung. So ziehen im breiten Markt Ypsomed um 1,4 Prozent an. Berenberg hat die Abdeckung mit der Einstufung «Buy» aufgenommen und verortet ein Kurspotenzial von rund 25 Prozent.
Clariant notieren 1,2 Prozent fester. Mit Bernstein und Kepler Cheuvreux haben gleich zwei Institute ihr Kursziel für den Hersteller von Spezialchemikalien erhöht.
Bessere Zahlen als erwartet abgeliefert hat der Industriekonzern Sulzer, dessen Papiere sich um 5 Prozent verteuern. Analysten loben insbesondere den starken Auftragseingang in der grössten Division Flow. (awp/mc/ps)
