Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt zeigt sich am Dienstag vergleichsweise robust. Zwar belasten die negativen Vorgaben aus Asien sowie anhaltende Gewinnmitnahmen im Technologiesektor die Stimmung. Allerdings können die defensiven Schwergewichte dem Markt Halt geben.
Auslöser der jüngsten Nervosität sind vor allem die zunehmenden Zweifel an den hohen Bewertungen im KI-Sektor, welche die Technologiewerte weltweit unter Druck setzten. Besonders stark traf es Südkorea, wo der technologiegetriebene Kospi zeitweise um mehr als 8 Prozent einbrach und der Handel vorübergehend ausgesetzt wurde. Auch in den USA deuten die Futures nach den deutlichen Verlusten von Amazon, Alphabet und Meta vom Vortag auf einen verhaltenen Handelsstart hin.
Für Entspannung sorgten dagegen Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Die Aussicht auf ein Abkommen innerhalb von 60 Tagen und die vorübergehende Freigabe iranischer Ölexporte drückten die Ölpreise auf den tiefsten Stand seit Beginn des Konflikts. Im Fokus der Anleger stehen nun die US-Einkaufsmanagerindizes für Juni sowie die Quartalszahlen des Speicherchipherstellers Micron am Mittwochabend.
Der Leitindex SMI notiert gegen 11.00 Uhr mit 13’754,83 Punkten um 0,05 Prozent höher und damit knapp unter dem Tageshoch. Der Mid-Cap-Index SMIM verliert mit -0,97 Prozent auf 3081,33 Punkte jedoch deutlich an Terrain, während der breite SPI um 0,28 Prozent auf 19’515,65 Zähler nachgibt. Die anderen europäischen Börsen sind derweil unter Druck, wobei der DAX rund 1,5 Prozent verliert.
Von den 20 SMI-Titeln notieren 14 im Minus. Deutlich zulegen können derweil die defensiven Schwergewichte: Roche gewinnen 2,2 Prozent, Novartis 1,5 Prozent und Nestlé 0,5 Prozent. Daneben sind mit Lonza (+2,1%) und Alcon (+0,6%) weitere Werte aus dem Gesundheitssektor im Plus.
Auf der Verliererseite stehen dagegen konjunktursensitiven Titel ABB (-3,0%), Amrize (-2,9%) Sika (-2,2%) und Holcim (-2,0%). Diese geben einen Teil der Gewinne aus den Vorwochen wieder preis. Weiterhin nicht vom Fleck kommen auch Partners Group (-1,6%). Letztmals notierten die Papiere zu Beginn der Corona-Pandemie auf einem ähnlich tiefen Niveau.
Techwerte unter Druck
Besonders deutlich fallen die Verluste bei den Schweizer Technologiewerten aus, die in den vergangenen Monaten stark von der KI-Euphorie profitiert hatten. VAT, Comet, Inficon und AMS-Osram zählen mit Abschlägen zwischen 4,5 und 7 Prozent zu den grössten Verlierern am Markt.
«Derzeit scheint der Weg frei für eine vertiefte Korrektur bei Technologiewerten», schreibt Analystin Ipek Ozkardeskaya von Swissquote. Nach der starken Rally der vergangenen Monate würden viele Anleger die hohen Bewertungen für Gewinnmitnahmen nutzen. Der restriktivere Kurs der US-Notenbank und steigende Anleiherenditen könnten die Umschichtung aus technologiegetriebenen Märkten in breiter diversifizierte Aktienindizes zusätzlich begünstigen.
Wenige Gewinner im breiten Markt
Im breiten Markt sorgen vor allem Unternehmens- und Analystennachrichten für Bewegung. Die Aktien des Reisedetailhändlers Avolta legen nach der angekündigten Übernahme eines japanischen Unternehmens um 0,9 Prozent zu. Die Akquisition sei ein weiterer Schritt beim Ausbau der Präsenz in Asien, auch wenn sie gemessen am Konzernumsatz eher von begrenzter Bedeutung sei, heisst es im Handel.
Zu den wenigen Gewinnern zählen zudem DKSH (+0,3%) und Sonova (+0,3%), die von positiven Analystenkommentaren profitieren. Auch SMG Swiss Marketplace Group gewinnen nach einer Kaufempfehlung von Berenberg 0,6 Prozent.
Deutlich unter Druck stehen dagegen Komax (-7,6%). Eine Kurszielsenkung durch Kepler Cheuvreux belastet die Titel. Der zuständige Analyst verweist auf zahlreiche Herausforderungen, darunter die anhaltende Schwäche im Automobilmarkt, zunehmenden Wettbewerb aus China sowie den laufenden Führungswechsel im Unternehmen.
Trotz der deutlichen Verluste in einzelnen Marktsegmenten sei derzeit keine breite Panik auszumachen, sagt ein Händler. Allerdings rücke die Gefahr höherer US-Zinsen zunehmend in den Vordergrund. Für die weitere Entwicklung an den Börsen dürften daher Inflations- und Arbeitsmarktdaten in den kommenden Wochen wichtiger werden als geopolitische Schlagzeilen. (awp/mc/ps)
