CH-Schluss: Freundlich dank positiven Nachrichten aus Europa

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag nach zwei Verlusttagen in Folge wieder fester geschlossen. Auftrieb gaben positive Nachrichten aus der EU, wo die Euro-Finanzminister Spanien milliardenschwere Notkredite zusagten und dem Land mehr Zeit für seine Sparziele gewährten. Dazu kamen klar besser als erwartete Konjunkturzahlen aus Grossbritannien und Italien. Am Schweizer Markt konnten insbesondere zyklische Titel zulegen.

Am Nachmittag verhinderte allerdings eine ins Minus drehende US-Börse, dass der Leitindex SMI die zuvor überschrittene Marke von 6’200 Punkten halten konnte. In der Nacht auf Dienstag hat der US-Aluminiumkonzern Alcoa die Berichtssaison zum zweiten Quartal eröffnet und dabei die Erwartungen der Anleger etwas übertreffen können. An den US-Märkten wurden die Zahlen dennoch negativ aufgenommen, zudem zeigten sich die dortigen Analysten wenig optimistisch in Bezug auf die Berichtssaison.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,49% höher auf 6’191,20 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) legte 0,58% auf 914,06 zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) gewann 0,52% auf 5’744,14 Zähler.

Die deutlichsten Gewinne im SMI/SLI verbuchten die Lonza-Titel, die 4,9% auf 42,55 CHF zulegten. Das Aktienresearch der Citigroup stufte das Anlagerating für die Titel auf «Buy» von «Neutral» hoch und setzte ein neues Kursziel von 50 nach vorher 42 CHF. Der zuständige Analyst begründete seine positive Meinung mit einer besser als erwarteten Entwicklung des Geschäftsbereichs Microbial Control sowie mit günstigen Wechselkursen.

Auch Logitech (+4,3%) gehörten zu den klaren Gewinnern des Börsentags, nachdem der Konzern die Zahlung einer Einmaldividende aus Kapitalreserven bekannt gegeben hatte. Bei Analysten wurde der Entscheid allerdings zurückhaltend aufgenommen: Der Schritt sei für den Aktienkurs kurzfristig zwar positiv, die langfristigen Strategiefragen des PC-Peripheriegeräteherstellers seien aber weiterhin nicht gelöst.

Deutliche Gewinne verbuchten auch Adecco (+2,5%). Der Stellenvermittler startete am Dienstag sein Aktienrückkaufprogramm auf einer zweiten Handelslinie. Insgesamt will das Unternehmen bis längstens bis zum 30. Juni 2015 Aktien im Wert von maximal 400 Mio EUR zurückkaufen. Bei den weiteren zyklischen Werten verteuerten sich auch Clariant (+2,3%) Schindler (+2,1%) oder Holcim (+1,7%) klar.

Zulegen konnten auch die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont (+2,2%) und Swatch (+1,5%), die am Vortag noch klare Einbussen hatten erleiden müssen. Swatch-CEO Nick Hayek zeigte sich in einem Interview mit der Online-Publikation «finews.ch» gewohnt angriffslustig. Unter anderem stellte er die Kotierung seines Konzerns im Haupttableau der Schweizer Börse SIX in Frage. Grund dafür seien zu viele Regulierungen seitens des Börsenbetreibers.

Sonova schlossen 2,1% fester. Das Unternehmen muss beim Börsenbetreiber SIX Swiss Exchange wegen einer Verletzung der Publizitätspflicht eine Busse von 2 Mio CHF bezahlen. Die Busse belastet die Erfolgsrechnung von Sonova allerdings nicht.

Bei den Versicherern legten Bâloise 1,3% zu, während Swiss Re 0,5% gewannen Der Rückversicherer gab bekannt, den Konkurrenten Allianz im Industriegeschäft anzugreifen. Bis 2015 wolle Swiss Re die Prämieneinnahmen auf bis zu 5 Mrd USD steigern, hiess es in einem Bericht des deutschen «Handelsblattes». Swiss Life schlossen leicht höher mit +0,2%, während Zurich Insurance (-0,6%) zu den zu wenigen Verlierern unter den Bluechips gehörten.

Mit Abgaben gingen auch allerdings die Grossbankentitel aus dem Handel: So büssten UBS und CS je 0,8% ein. Julius Bär konnten dagegen 0,6% zulegen.

Bei den defensiven Werten stützten die schwer gewichteten Nestlé (+1,0%) die Börsenindizes. Die Pharmawerte schlossen dagegen nur leicht positiv: Roche gewannen ebenso wie Novartis 0,2% dazu. Die Titel des Telekom-Anbieter Swisscom (-0,2%) erlitten dagegen Abgaben.

Im breiten Markt hat der Pharma-Zulieferer und Generika-Hersteller Acino (-3,8%) den Umsatz im ersten Halbjahr 2012 fast verdoppelt. Gleichzeitig hat das Unternehmen jedoch Verzögerungen bei der Zulassung der Wirkstoffimplantate Goserelin und Leuprorelin in Europa angekündigt. Die Bank Vontobel bezeichnete die Verzögerungen als «enttäuschend». (awp/mc/pg)

SIX Swiss Exchange

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